Aus dem 77. Jahresbericht des Altmärkischen Vereins für vaterländische Geschichte zu Salzwedel e.V.

Im Auftrage des Vorstandes herausgegeben von Ulf Frommhagen/Frühjahr 2007

- 152 - 153 - 154 - 155 -

Nachrichten und Mitteilungen aus dem Geschichtsverein

von Ulf Frommhagen

Als Schriftführer des Vereins habe ich auch in dieser Jahresgabe einen Bericht zu erstatten über das Vereinsleben im letzten Jahr. Mittlerweile ist die Frühjahrstagung, die alljährlich an verschiedenen Orten in der Altmark stattfindet, zum wichtigsten Ereignis unseres Vereinslebens geworden. In früheren Jahren. vor dem Exodus des altmärkischen Geschichtsvereins, war es die Jahreshauptversammlung, die auch heute noch im Herbst am Sitz des Vereins in Salzwedel einberufen wird.

 

Am 30. April 2005 hielt der Verein nun seine Frühjahrstagung in Kalbe a.d.Milde ab. Der Vorsitzende Prof. Dr. Bernhard von Barsewisch eröffnete im Saal des Hotels "Ratsstuben" gegen 10,00 Uhr das Treffen, an dem wieder zahlteiche Vereinsmitglieder aus nah und fern teilgenommen hatten. Nach der Begrüßungsrede konnte der Vorsitzende die Historikerin Dr. Lieselott Enders aus Potsdam begrüßen, die auf Vermittlung des Schriftführers in die Altmark gekommen war. Frau Dr. Enders, die nun auch den 76. Jahresbericht mit einem umfangreichen Aufsatz über den mittelalterlichen Wüstungsprozess in der Altmark geziert hat, arbeitet momentan an der Frühneuzeitgeschichte der Altmark. Diese Periode, etwa vom Ende des 15. Jahrhunderts bis zum Ende des 18. Jahrhunderts beinhaltet ihr ausführliches und sehr detailliert recherchiertes Referat. Im Vortrag wurde zudem auch die Entstehung des sogen. Regionalismus plausibel erklärt. Beispiele wie die immer wieder nicht nur in der populärwissenschaftlichen Literatur vorkommenden Fehlinterpretierug der Gleichsetzung von Nordmark und Altmark wurden hiebei angeschnitten. Dazu führte Sie aus, dass es längst eine Tatsache ist, dass die im 10. Jahrhundert entstandene Nordmark zwischen Elbe, Peene und Oder lag, jedoch die Altmark sich als Altsiedelland westlich der Elbe befand. Bis zum Sturz Heinrich des Löwens 1180 gehörten umfangreiche Gebiete in der westlichen Altmark sogar zum Herzorgtum Sachsen.

 

Nach dem Vortrag von Frau Dr. Enders hielt der Altvorsitzende Herr Dr. Io von Kalben seinen seit längerem angekündigten Vortrag über die Zuchterfolge auf dem Gut seiner Familie in Vienau auf dem Kalbeschen Werder. Bei diesem Thema ging es insbesondere um die Entstehung des sogenannten "Vienauer Weißhafers", wie und warum er entstand und das diese spezielle Getreidesorte bemerkenswerter weise sogar kompromisslos von den DDR-Oberen jedenfalls noch in den 1950er Jahren übernommen wurde. Bei seinen interessanten Ausführungen, die im Anschluss zu einer ausgiebigen Diskussion führten, ging Dr. Io von Kalben auch auf das leidvolle Schicksal seiner Familie, auf die Vertreibung 1945 und den weiteren Werdegang des alten Gutstandortes in Vienau ein.

Der Verein ist im Voraus den Referenten zu Dank verpflichtet, dass sie zugesagt haben, die beiden Vorträge einer Veröffentlichung in den nächsten Jahresberichten zur Verfügung zu stellen.

 

Frau Elisabeth Ozminski vom örtlichen Heimatverein in Kalbe, hat im Anschluß nach dem Mittagessen in den Ratsstuben die Tagungsteilnehmer in einem vortrefflichen Gundgang durch die Altstadt und Burg Kalbe geführt. Bei der Kaffeetafel im Eiskaffee Piccolo klang dann das Frühjahrstreffen 2005 gegen 17,00 Uhr aus.

Die der Hauptversammlung im Herbst 2005 vorausgegangene Vorstandssitzung beschäftigten sich vor allem mit der Novellierung der Vereinssatzung, dem Aufbau und der Pflege der Internetpräsentation durch das Vereinsmitglied Herrn Andreas Schwieger und der Erstellung eines Flyers als WErbung für den Verein. Und darum ging es auch im formellen Teil der für den 15.Oktober nach Salzwedel berufenen Tagung, die um 10,00 Uhr in der Gaststätte Eisen-Carl durch den Vorsitzenden Herrn Prof. Bernhard von Barsewisch eröffnet wurde. Es hatten sich wieder zahlreiche Teilnehmer aus der Altmark und den verschiedensten Regionen Deutschlands versammelt um neben wichtigen Vereinsformalitäten wie die Überarbeitung der Satzung auch zwei außergewöhnliche Vorträge zu hören.

Mit großem Interesse ist der hochinformative Vortrag von Herrn Lothar Mittag vom J.-F.-Danneil Museum aufgenommen worden. Das Referat orientierte sich an die von Herrn Mittag im Danneil Museum vom 13.05. bis 6.11.2005 präsentierte Ausstellung zu sagenhaften Steinen und Großsteingräbern der Altmark. In der Altmark wurden um 1800 noch etwa 200 Großsteingräber gezählt. Mit Abstand ist das Gros der Großsteingräber während der Preußischen Flurneuordnung, der Separation, vernichtet worden. Die 47 verbliebenen nicht immer vollständig erhaltenen Grabanlagen aus der Jungsteinzeit sind von Herrn Mittag in den letzten Jahren neu inventarisiert worden und werden demnächst in einer Veröffentlichung des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Halle (Saale) vorgestellt. Zudem sind auch viele Großsteingräber durch Herrn Mittag und dem Verein Junger Archäologen der Altmark gepflegt und in einem würdigen Zustand versetzt worden. Herr Mittag führte in seinem Referat aus, dass in der Altmark über 70 Sagen überliefert sind, die in Beziehung zu Großsteingräbern und anderen Steinen bzw. Steinmalen stehen. Örtlich zuzuordnen lassen sich sogar noch 33 Sagen. Auch Steine mit Näpfchen- bzw. Schälcheneintiefungen wurden festgestellt. Diese muldenförmigen Eintiefungen dienten wahrscheinlich kultischen Zwecken und ihre Entstehung wird in der Bronzezeit vermutet. In den Jahren 2004 und 2005 sind erst wieder vier neue Schälchensteine in der Altmark entdeckt worden. Davon gleich zwei in Jeetze, einer in Kerkau und der andere in Steinfeld. Abschließend ging er auf Steine ein, die mit dem mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Rechtsverständnis in Einklang stehen, sogen. Steinkreuzen und Kreuzsteinen. Sie werden im Volksmund allgemein als Sühnekreuze bezeichnet. Dabei handelt es sich um Memorialsteine, die meist als Sühnezeichen für Todschlag und Gedenksteine für ungesühnten Mord aufgestellt wurden. U.a. verwies Herr Mittag auf ein Steinkreuz bei Rittleben, das man wegen eines in Braunschweig* begangenen Mordes anfertigen ließ. Es ist nachweislich der jüngst datierte Memorialstein in der Altmark, der noch 1693 in Kreuzform aufgestellt wurde. Auch Herr Mittag wird seinen Vortrag dankenswerter Weise in die Jahresberichte des Altmärkischen Geschichtsvereins einfließen lasen. (* Berichtigung: siehe Unterlink)

Anschließend referierte Frau Dr. Mechthild Modersohn über spätmittelalterliche Marienaltäre in der Altmark und ihrer Rezeption. Frau Dr. Modersohn aus Hamburg ist Dozendtin für Kunstgeschichte an der Humbold-Universität Berlin. Sie betonte, dass die Altmark zu den wenigen Landschaften gezählt werden muss, in der sich eine ungeheure Masse beweglichen Kulturgutes von hoher Wertigkeit aus dem Mittelalter erhalten hat. Frau Dr. Modersohn erforscht den kunstlandschaftlichen Aspekt und die Bedeutung untergeordneter Kunstzentren und ihren Verbindungen. Dabei ist zu erörtern, wo Kunstzentren in der alten Mark Brandenburg zu lokalisieren sind bzw. wie sich die normale, nicht unmittelbar unter landesherrlicher Protektion stehende Kunst zeigt. Das Spektrum beinhaltet das ausgehenden Mittelalter um und nach 1500, dessen Kunst den Großteil ausmacht und die dennoch fast unerforscht ist. Gerade in der Altmark wird die Masse des Materials deutlich, die noch aufzuarbeiten ist. Frau Dr. Modersohn verwies weiter auf die Konzentration von Marienaltären im Raum um Salzwedel, als hätte die Reformation hier nie Fuß gefasst.

 

Abgeschlossen wurde die Jahreshauptversammlung mit einer Führung im J.-F. Danneil Museum durch den Museumsmitarbeiter Lothar Mittag. Herr Mittag stellte den zahlreichen Tagungsteilnehmern seine wissenschaftlich fundierte aber auch hummorvoll illustrierte Ausstellung "Sagenhafte Steine - Großsteingräber und besondere Steine der Altmark zwischen Verehrung und Zerstörung" vor.

Von den Mitgliedern des Vereins sind, soweit es dem Vorstand bekannt geworden ist, in der Berichtzeit verstorben:

Hans-Joachim Krost in Mettmann

und am 26. Dezember 2004 Dr. Hellmut Müller in Fürstenfeldbruck, der sich durch eine engagierte Mitarbeit in unserem Verein sowie durch wertvolle Beiträge (z.B. die Wüstungsforschung in der Altmark betreffend, in "Königslutter und die Altmark" im 71. Jahresbericht) aber auch durch seine Mitgliedschaft in den schwierigen Jahren bis 1990 besonders verdient gemacht hat.

So soll uns Hellmut Müller durch die Veröffentlichung seines Aufsatzes in diesem Band, mit dem er ein schwieriges Thema herausgefordert hat, in besonderer Erinnerung bleiben.

Wir begrüßen als neue Mitglieder:

Gottfried von Gossler, Hamburg
Walter von Kalben, Dörpen
Prof. Dr. Wolfgang Meibeyer, Braunschweig
Wilfried Rogge, Schinne


===========================================================================================================
zurück zur vorhergehenden Seite             zur Hauptseite