Aus dem 77. Jahresbericht des Altmärkischen Vereins für vaterländische
Geschichte zu Salzwedel e.V.
Im Auftrage des Vorstandes herausgegeben von Ulf Frommhagen/Frühjahr
2007
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Nachrichten und Mitteilungen aus dem Geschichtsverein
von Ulf Frommhagen
Als Schriftführer des Vereins habe ich auch in dieser
Jahresgabe einen Bericht zu erstatten über das Vereinsleben im
letzten Jahr. Mittlerweile ist die Frühjahrstagung, die alljährlich
an verschiedenen Orten in der Altmark stattfindet, zum wichtigsten Ereignis
unseres Vereinslebens geworden. In früheren Jahren. vor dem Exodus
des altmärkischen Geschichtsvereins, war es die Jahreshauptversammlung,
die auch heute noch im Herbst am Sitz des Vereins in Salzwedel einberufen
wird.
Am 30. April 2005 hielt der Verein nun seine Frühjahrstagung
in Kalbe a.d.Milde ab. Der Vorsitzende Prof. Dr. Bernhard von Barsewisch
eröffnete im Saal des Hotels "Ratsstuben" gegen 10,00
Uhr das Treffen, an dem wieder zahlteiche Vereinsmitglieder aus nah
und fern teilgenommen hatten. Nach der Begrüßungsrede konnte
der Vorsitzende die Historikerin Dr. Lieselott Enders aus Potsdam begrüßen,
die auf Vermittlung des Schriftführers in die Altmark gekommen
war. Frau Dr. Enders, die nun auch den 76. Jahresbericht mit einem umfangreichen
Aufsatz über den mittelalterlichen Wüstungsprozess in der
Altmark geziert hat, arbeitet momentan an der Frühneuzeitgeschichte
der Altmark. Diese Periode, etwa vom Ende des 15. Jahrhunderts bis zum
Ende des 18. Jahrhunderts beinhaltet ihr ausführliches und sehr
detailliert recherchiertes Referat. Im Vortrag wurde zudem auch die
Entstehung des sogen. Regionalismus plausibel erklärt. Beispiele
wie die immer wieder nicht nur in der populärwissenschaftlichen
Literatur vorkommenden Fehlinterpretierug der Gleichsetzung von Nordmark
und Altmark wurden hiebei angeschnitten. Dazu führte Sie aus, dass
es längst eine Tatsache ist, dass die im 10. Jahrhundert entstandene
Nordmark zwischen Elbe, Peene und Oder lag, jedoch die Altmark sich
als Altsiedelland westlich der Elbe befand. Bis zum Sturz Heinrich des
Löwens 1180 gehörten umfangreiche Gebiete in der westlichen
Altmark sogar zum Herzorgtum Sachsen.
Nach dem Vortrag von Frau Dr. Enders hielt der Altvorsitzende
Herr Dr. Io von Kalben seinen seit längerem angekündigten
Vortrag über die Zuchterfolge auf dem Gut seiner Familie in Vienau
auf dem Kalbeschen Werder. Bei diesem Thema ging es insbesondere um
die Entstehung des sogenannten "Vienauer Weißhafers",
wie und warum er entstand und das diese spezielle Getreidesorte bemerkenswerter
weise sogar kompromisslos von den DDR-Oberen jedenfalls noch in den
1950er Jahren übernommen wurde. Bei seinen interessanten Ausführungen,
die im Anschluss zu einer ausgiebigen Diskussion führten, ging
Dr. Io von Kalben auch auf das leidvolle Schicksal seiner Familie, auf
die Vertreibung 1945 und den weiteren Werdegang des alten Gutstandortes
in Vienau ein.
Der Verein ist im Voraus den Referenten zu Dank verpflichtet,
dass sie zugesagt haben, die beiden Vorträge einer Veröffentlichung
in den nächsten Jahresberichten zur Verfügung zu stellen.
Frau Elisabeth Ozminski vom örtlichen Heimatverein
in Kalbe, hat im Anschluß nach dem Mittagessen in den Ratsstuben
die Tagungsteilnehmer in einem vortrefflichen Gundgang durch die Altstadt
und Burg Kalbe geführt. Bei der Kaffeetafel im Eiskaffee Piccolo
klang dann das Frühjahrstreffen 2005 gegen 17,00 Uhr aus.
Die der Hauptversammlung im Herbst 2005 vorausgegangene
Vorstandssitzung beschäftigten sich vor allem mit der Novellierung
der Vereinssatzung, dem Aufbau und der Pflege der Internetpräsentation
durch das Vereinsmitglied Herrn Andreas Schwieger und der Erstellung
eines Flyers als WErbung für den Verein. Und darum ging es auch
im formellen Teil der für den 15.Oktober nach Salzwedel berufenen
Tagung, die um 10,00 Uhr in der Gaststätte Eisen-Carl durch den
Vorsitzenden Herrn Prof. Bernhard von Barsewisch eröffnet wurde.
Es hatten sich wieder zahlreiche Teilnehmer aus der Altmark und den
verschiedensten Regionen Deutschlands versammelt um neben wichtigen
Vereinsformalitäten wie die Überarbeitung der Satzung auch
zwei außergewöhnliche Vorträge zu hören.
Mit großem Interesse ist der hochinformative Vortrag
von Herrn Lothar Mittag vom J.-F.-Danneil Museum aufgenommen worden.
Das Referat orientierte sich an die von Herrn Mittag im Danneil Museum
vom 13.05. bis 6.11.2005 präsentierte Ausstellung zu sagenhaften
Steinen und Großsteingräbern der Altmark. In der Altmark
wurden um 1800 noch etwa 200 Großsteingräber gezählt.
Mit Abstand ist das Gros der Großsteingräber während
der Preußischen Flurneuordnung, der Separation, vernichtet worden.
Die 47 verbliebenen nicht immer vollständig erhaltenen Grabanlagen
aus der Jungsteinzeit sind von Herrn Mittag in den letzten Jahren neu
inventarisiert worden und werden demnächst in einer Veröffentlichung
des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Halle (Saale)
vorgestellt. Zudem sind auch viele Großsteingräber durch
Herrn Mittag und dem Verein Junger Archäologen der Altmark gepflegt
und in einem würdigen Zustand versetzt worden. Herr Mittag führte
in seinem Referat aus, dass in der Altmark über 70 Sagen überliefert
sind, die in Beziehung zu Großsteingräbern und anderen Steinen
bzw. Steinmalen stehen. Örtlich zuzuordnen lassen sich sogar noch
33 Sagen. Auch Steine mit Näpfchen- bzw. Schälcheneintiefungen
wurden festgestellt. Diese muldenförmigen Eintiefungen dienten
wahrscheinlich kultischen Zwecken und ihre Entstehung wird in der Bronzezeit
vermutet. In den Jahren 2004 und 2005 sind erst wieder vier neue Schälchensteine
in der Altmark entdeckt worden. Davon gleich zwei in Jeetze, einer in
Kerkau und der andere in Steinfeld. Abschließend ging er auf Steine
ein, die mit dem mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Rechtsverständnis
in Einklang stehen, sogen. Steinkreuzen und Kreuzsteinen. Sie werden
im Volksmund allgemein als Sühnekreuze bezeichnet. Dabei handelt
es sich um Memorialsteine, die meist als Sühnezeichen für
Todschlag und Gedenksteine für ungesühnten Mord aufgestellt
wurden. U.a. verwies Herr Mittag auf ein Steinkreuz
bei Rittleben, das man wegen eines in Braunschweig*
begangenen Mordes anfertigen ließ. Es ist nachweislich der
jüngst datierte Memorialstein in der Altmark, der noch 1693 in
Kreuzform aufgestellt wurde. Auch Herr Mittag wird seinen Vortrag dankenswerter
Weise in die Jahresberichte des Altmärkischen Geschichtsvereins
einfließen lasen. (* Berichtigung:
siehe Unterlink)
Anschließend referierte Frau Dr. Mechthild Modersohn
über spätmittelalterliche Marienaltäre in der Altmark
und ihrer Rezeption. Frau Dr. Modersohn aus Hamburg ist Dozendtin für
Kunstgeschichte an der Humbold-Universität Berlin. Sie betonte,
dass die Altmark zu den wenigen Landschaften gezählt werden muss,
in der sich eine ungeheure Masse beweglichen Kulturgutes von hoher Wertigkeit
aus dem Mittelalter erhalten hat. Frau Dr. Modersohn erforscht den kunstlandschaftlichen
Aspekt und die Bedeutung untergeordneter Kunstzentren und ihren Verbindungen.
Dabei ist zu erörtern, wo Kunstzentren in der alten Mark Brandenburg
zu lokalisieren sind bzw. wie sich die normale, nicht unmittelbar unter
landesherrlicher Protektion stehende Kunst zeigt. Das Spektrum beinhaltet
das ausgehenden Mittelalter um und nach 1500, dessen Kunst den Großteil
ausmacht und die dennoch fast unerforscht ist. Gerade in der Altmark
wird die Masse des Materials deutlich, die noch aufzuarbeiten ist. Frau
Dr. Modersohn verwies weiter auf die Konzentration von Marienaltären
im Raum um Salzwedel, als hätte die Reformation hier nie Fuß
gefasst.
Abgeschlossen wurde die Jahreshauptversammlung mit einer
Führung im J.-F. Danneil Museum durch den Museumsmitarbeiter Lothar
Mittag. Herr Mittag stellte den zahlreichen Tagungsteilnehmern seine
wissenschaftlich fundierte aber auch hummorvoll
illustrierte Ausstellung "Sagenhafte
Steine - Großsteingräber und besondere Steine der Altmark
zwischen Verehrung und Zerstörung" vor.
Von den Mitgliedern des Vereins sind, soweit es dem Vorstand
bekannt geworden ist, in der Berichtzeit verstorben:
Hans-Joachim Krost in Mettmann
und am 26. Dezember 2004 Dr. Hellmut Müller in Fürstenfeldbruck,
der sich durch eine engagierte Mitarbeit in unserem Verein sowie durch
wertvolle Beiträge (z.B. die Wüstungsforschung in der Altmark
betreffend, in "Königslutter und die Altmark" im 71.
Jahresbericht) aber auch durch seine Mitgliedschaft in den schwierigen
Jahren bis 1990 besonders verdient gemacht hat.
So soll uns Hellmut Müller durch die Veröffentlichung
seines Aufsatzes
in diesem Band, mit dem er ein schwieriges Thema herausgefordert
hat, in besonderer Erinnerung bleiben.

Wir begrüßen als neue Mitglieder: