Schlösser und Herrenhäuser in der Altmark
Vortrag vom 23.4.2005 in Schloß Angern in Angern bei Wolmirstedt - von Ulf Frommhagen, alle Rechte vorbehalten !
Die Altmark bildet den nördlichen Teil von Sachsen-Anhalt. Die Ländergrenze
nach Niedersachsen hat sich seit dem 12. Jahrhundert nur unwesentlich
verändert (1).
Naturräumlich bildet nach Osten der Elblauf die Grenze von der Einmündung der
Ohre im Süden bis zum Eintritt der Elbe in den nordwestlichen
Teil des norddeutschen Urstromtales bei der Jeetzemündung. Im Süden wird die
Landschaft vom unteren Urstromtal der Ohre und dem ausgedehnten Drömlingsbecken
begrenzt.
Die
Altmark ist keine einheitliche Kulturlandschaft wie es auf den ersten Blick
erscheinen mag.(2)
Die in der
ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts entstandene Diözesangrenze der ehemaligen
Bistümer Verden a. d. Aller und Halberstadt, welche die Altmark in einen
östlichen und einen westlichen Teil unterscheidet, ist das Flußsystem von Milde,
Biese und Aland, das bei Schnackenburg in die Elbe entwässert.(3)
Darüber
hinaus kann die Altmark in weitere kleinräumige Kulturlandschaften strukturiert
werden. So war die nordwestliche Altmark seit der Ur- und Frühgeschichte
und später mit Salzwedel als Hauptort über die Hansezeit hinaus, immer besonders
vom Lübischen Raum stark beeinflusst.(4)
Die südwestliche Altmark,
etwa das Gebiet Gardelegen-Oebisfelde-Klötze-Kalbe/Milde, war siedlungsgeschichtlich
und kulturell mit dem alten Nordthüringgau, der Gegend zwischen
Haldensleben-Helmstedt-Calvörde sowie dem Braunschweig-Hildesheimer Raum verzahnt.
Dagegen standen die elbnahen Gebiete mit den ehemaligen
Reichsburgen Arneburg und Tangermünde im frühen Mittelalter mit Magdeburg und
dem Vorharzraum in Verbindung. Die nordwestliche Altmark ist seit der Urgeschichte
im engen Kontakt mit der Prignitz. Wie sich schon aus dieser groben Übersicht
erkennen läßt, ist die heutige Altmark aus ihrer geographischen
Lage heraus immer eine Übergangsregion gewesen. Die aufgezeigte kleinräumige
Unterscheidung läßt sich auch auf die Verteilung von Burgen, Schlössern, Herrenhäusern
und Dorfkirchen übertragen. So befinden sich in der westlichen Altmark bedeutend
weniger Adelssitze als in der östlichen Altmark. Diese
auffällige Situation geht höchstwahrscheinlich schon auf die Entstehungszeit
der Bistümer Halberstadt und Verden zurück. In der östlichen Altmark besitzt
jedes
Dorf eine Kirche aus dem 12. und 13. Jahrhundert. In der westlichen Altmark
dagegen dominieren genauso wie im benachbarten Niedersachsen
Großparochien; um eine ecclesia matrix reihen sich hier bis in das 15. Jahrhundert
kirchlose Dörfer.(5)
Diese markanten unterschiedlichen Strukturen können
nur in der unterschiedlichen Missionstätigkeit der beiden Bistümer ihre Ursache
haben. Während des Landesausbaus im 12. und 13. Jahrhundert entwickeln
sich aus älteren Burgflecken in der Altmark Städte.(6)
Durch die Einführung neuer Verwaltungsstrukturen und Wirtschaftsweisen wird
die größtenteils
weilerartige Siedlungsform aufgegeben und in die noch heute vielfach überlieferten
Dorfformen umgewandelt. Während dieses Prozesses entstehen etwa 300 romanische
Dorfkirchen in der Altmark, von denen der größte Teil weitgehend unverändert
in unsere Zeit überkommen ist.
Die für das hohe
Mittelalter äußerst zahlreich nachgewiesenen Adelsgeschlechter, besonders die
Ministerialen, passen sich den neuen Bedingungen an und aus befestigten
Herrenhöfen werden Niederadelsburgen.(7)
In erster Linie sind Burgen zum eigenen Schutz angelegt worden,
aber die Absicht einer gewissen Repräsentation
ist ebenfalls nicht von der Hand zu weisen. In der Altmark sind die topographischen
Verhältnisse zwischen Burg, Herrenhof und Kirche bemerkenswert. Die
besondere Nähe des Grundherren bzw. Eigenherren zur Kirche ist zahlreich belegt.(8)
So steht heute noch in vielen Dörfern der Altmark neben dem Gutshof
eine Kirche aus dem 12. und 13. Jahrhundert. An Örtlichkeiten, an denen sich
derartige topographische Beziehungen nicht ablesen lassen, kann jedoch aus den
urkundlichen Quellen oft ein ehemaliger Herrenhof neben der Kirche erschlossen
werden. Für die Altmark tritt somit ganz deutlich das sogenannte
Eigenkirchenrecht hervor, das hier noch lange nach 1150 fortdauerte.(9)
Bestimmte wehrtechnische Aspekte an den betreffenden Kirchen lassen die
Schlussfolgerung zu, daß der Eigenherr ein besonderes Interesse an dem aus Stein
errichteten Westturm besaß. In der Altmark ist das Untergeschoss des
romanischen Westquerturms in der Regel zu den oberen Geschossen durch ein Tonnengewölbe
abgeschlossen. In die Turmobergeschosse gelangte man nur
durch einen in 3 bis 10 m Höhe über dem Gewölbe angelegten Einstieg von außen
oder vom Langhaus.(10)
An
einigen Türmen sind die
Einstiege sogar hakenförmig angelegt, ähnlich wie bei Burgtürmen.(11)
Vom ersten Obergeschoß, dem tonnengewölbten Schutzraum, führen an mehreren
Kirchtürmen enge gebrochene Treppen in Mauerstärken von bis zu 3 m bis in das
Glockengeschoss.
Die Obergeschosse konnten nur von innen
durch Sperrriegel, von denen die Vorrichtungen in vielen Fällen noch vorhanden
sind, verschlossen werden. Ehemalige oder in situ befindliche
Sperrriegelverschlüsse lassen sich aber auch für Kirchenportale nachweisen.
Des weiteren bestätigen Befunde in Westquertürmen von Kirchen
Herrschaftslogen im 12. und 13. Jahrhundert.(12)
Die steinernen Kirchtürme, bei denen man eigentlich in erster
Linie von Glockenträgern ausgehen sollte,
diente höchstwahrscheinlich dem Eigenherrn mit seiner Familie als kurzfristige
Zufluchtsmöglichkeit in unruhigen Zeiten, ähnlich den Bergfrieden.(13)
Der
hochmittelalterliche Herrenhof als Vorgänger des Gutshofes war in der Regel
von einem schützenden Grabensystem, ggf. auch Wällen, Holzpalisaden oder Flechtzäunen
geschützt. Der Wirtschaftshof mit dem Wohngebäude befand sich in einer Art Vorburg.
Durch ein Tor führte eine Rampe über einen 5 bis 10 m
breiten Graben, der um einen künstlich aufgeschütteten bis zu 5 m hohen Erd-
bzw. Lehmhügel angelegt war, auf dem ein etwa 15 m hoher Holzturm mit einer
Grundfläche von etwa 6 x 6 m Platz hatte.
Der Holzturm als Ständer- oder Fachwerkkonstruktion war im Sockelbereich eingemottet,
also
mit Erdreich aufgefüllt. Daher kommt auch der Begriff Motte (aus dem franz.
Château a motte). In letzter Zeit setzt sich jedoch im deutschen Sprachraum
die Bezeichnung Turmhügelburg durch. Es ist kein einziger Holzturm einer Motte
erhalten geblieben. Ihre mutmaßliche Gestalt läßt sich nur durch Bildwerke wie
z.B. Turmhügeldarstellungen auf dem "Teppich
von Bayeux" erschließen oder durch archäologische Untersuchungen
erahnen. Die Turmhügelburgen sind charakteristische Befestigungsanlagen, die
hauptsächlich vom 10. bis 14 Jahrhundert in weiten Teilen Europas als Repräsentationsbauten
neben den eigentlich bewohnten Wirtschaftshöfen, den späteren Gutshöfen, angelegt
wurden. Sie stehen am Anfang einer Entwicklung, die durch die großen Burgen
des hohen und
späten Mittelalters ihren Abschluss findet. Nur noch wenige massiv errichtete
Türme von spätmittelalterlichen Niederadelsburgen sind erhalten. In der Altmark
befindet sich das einzige erhaltene Beispiel in Tornau bei Stendal auf dem Gelände
eines ehem. Herrenhofes südlich der Kirche.
Der in Feldstein
errichtete Turm stammt aus dem 14. oder 15. Jahrhundert und besaß ursprünglich
zwei Geschosse, davon ist noch der untere Raum mit Kreuzgratgewölbe, Belüftungssystem
und Kaminzug im Mauerwerk erhalten. Hauptsächlich dienten solche Türme an den
mittelalterlichen Herrenhöfen, ähnlich den o.g. Kirchtürmen,
als Zuflucht, zum "türmen" bei Gefahr und zur Repräsentation. Im Gegensatz zum
Kirchturm konnte eine Turmhügelburg unter gewissen Einschränkungen sogar verteidigt
werden. Der überwiegende Teil der nachweisbaren Adelsgeschlechter waren Burgmannsfamilien
der Burgen Arneburg, Gardelegen, Kalbe/Milde,
Osterburg, Salzwedel, Seehausen und Tangermünde, die sich nach ihren Lehen nannten.
In der Mehrzahl waren die Burgmannen Vasallen der
Brandenburgischen Markgrafen. Unter den Adelsgeschlechtern heben sich aber auch
solche ab, die schon vor den Askaniern Besitzungen in der Altmark
erhalten hatten.(14)
Mehrere dieser Geschlechter scheinen im 12. und 13. Jahrhundert den Askaniern
auszuweichen oder werden von ihnen verdrängt. So
folgen noch viele Ministeriale dem Aufruf der Pommerchen Herzöge von 1230, deutsche
Siedler ins Land zu holen.
Viele altmärkische Adelsgeschlechter sind im 17. und 18. Jahrhundert ausgestorben
und mancher Adelssitz ist damals schon untergegangen oder durch
Besitzerwechsel rigorosen Veränderungen unterworfen worden. Der umfassendste
Eingriff in die verbliebene aber immer noch reiche Baukultur ist die
Enteignungswelle nach dem Zweiten Weltkrieg und die anschließende weitgehende
Vernachlässigung der Gebäude. Der in der Nachkriegszeit fortschreitende
Verfall der ostdeutschen Kulturdenkmäler war beabsichtigt. Mit der Aktion "Krieg
den Palästen", so der inoffizielle Slogan, begann vor 50 Jahren sogar eine beabsichtigte
Zerstörung der Herrenhäuser in Ostdeutschland. Unter dem Vorwand, Baumaterial
aller Art für Neubauernstellen gewinnen zu wollen, hatten der Parteivorstand
der SED und die Landesregierungen in den vierziger Jahren die Weisung herausgegeben,
möglichst viele Gutshäuser und Schlösser zu schleifen.
Die offizielle Grundlage dafür war der Befehl 204 des Obersten Chefs der Sowjetischen
Militäradministration in Deutschland (SMAD) vom 9. September 1947.
Doch dessen hätte es gar nicht bedurft, die deutschen Kommunisten hatten in
vorauseilendem Gehorsam bereits begonnen, Schlösser zu zerstören, um, wie sie
es nannten, den "Rest des Junkertums" auszurotten. Dabei ging es nur noch um
die Frage Abreißen oder Abfackeln. Vorwand für die Zerstörung war der Befehl
von Marschall Sokolowski, er hatte den ostdeutschen Landesregierungen den Bau
von 37 000 Häusern in den Neubauernwirtschaften befohlen. Ideologisch verklärt
wurden Schreckensbilder über die Angehörigen des Adels in der deutschen Geschichte
aufgebaut. Unterschiedslos wurden Angehörige der Aristokratie mit "Raubrittern,
Militaristen und Faschisten" gleichgesetzt. Ihre Enteignung und die Vernichtung
ihrer Gutshäuser feierten die Kommunisten als historische Tat.
Schlösser und Herrenhäuser vom Mittelalter bis zum Barock
In der folgenden Abhandlung ist das Augenmerk auch auf solche Anlagen gerichtet,
die bisher in der Kunstgeschichte kaum Beachtung fanden.
In Tylsen, 15 km südwestlich von Salzwedel, fand eine der für die Altmark
bedauernswertesten Tragödien einer völligen Destruktion eines in dieser Gegend
einmaligen Renaissanceschlosses als Folge des o.g. Befehls 204 statt.
Das ehemals imposante Gebäude wurde 1620/21 unter dem damaligen Landeshauptmann
der Altmark Thomas II. von dem Knesebeck errichtet. Das Schloß wurde über viele
Jahre geschleift und diente der allgemeinen
Materialentnahme. Letztendlich sind nur noch die Außenmauern erhalten, an der
Schaufassade Reste der nach Süden gerichteten Seitenrisalite und das Haupttor
mit den Allianzwappen.
Der um 1890 umgestaltete Gutspark ist wegen fehlender Pflege völlig verwildert.
Bestrebungen von Einzelpersonen
im Ort die Anlage zu sichern, incl. Schlossgraben- und Parkrekultivierung, das
Gesamtensemble zusammen mit dem Alten Schloss aufzuwerten und in würdiger
Weise dem Fremdenverkehr zuzuführen, haben bisher nur zu Irritationen innerhalb
der Gemeinde geführt. Die Fronten haben sich verhärtet, eine Einigung ist
nicht in Aussicht. Tylsen gehört zu den sechs Dörfern, die Otto I. 956 dem Kloster
Quedlinburg schenkte. Vom Neuen Schloss etwa 300 m nördlich gelegen,
befindet sich das eigentliche Alte Schloss Tylsen auf dem Gelände eines wohl
im 14./15. Jahrhundert angelegten rechteckigen Burghügels.(15)
Das in der DDR-Zeit planierte Gelände des wohl im 12. Jahrhundert entstandenen
befestigten Wirtschaftshofes westlich des Burghügels, grenzt an die im 13. Jahrhundert
errichteten Dorfkirche und erklärt somit die grundherrschaftlichen Besitzverhältnisse.
Die Ruine der ehem. spätmittelalterliche Burgkapelle wurde
im 19. Jahrhundert provanisiert und bis in das 20. Jahrhundert als Gutsschmiede
genutzt.
Das Alte Schloss in Tylsen ist der einzige noch
komplex erhaltene Adelssitz dieser Art in der Altmark, dessen mittelalterliche
Bausubstanz in Massivbauweise errichtet wurde.(16)
Das etwa um 1 m erhöhte
Burgareal nimmt annähernd eine Fläche von 40 x 60 m ein und ist von einem 5
bis 15 m breiten ehem. Wassergraben umgeben. Im Ostteil des Gebäude
befindet sich als ältester Teil ein in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhundert
aus Findlingen errichteter rechteckiger Wohnteil mit tonnengewölbter Unterkellerung.
Der Südflügel entstand etwa ein Jahrhundert später, bei den Erweiterungen von
1588 unter Thomas II. von dem Knesebeck. Dazu gehört eine bisher nur wenig beachtete
aufwendig in Backstein errichtete Kelleranlage. Der jetzige Besitzer wohnt seit
Ende der 80er Jahre in dem Alten Schloss und hat die Anlage im Zuge
der Deutschen Wiedervereinigung erworben. Schon zu DDR-Zeiten hat er mit baulichen
Sicherungsmaßnahmen die solange lehrstehende Anlage zu retten
versucht. Bestandsaufnahmen zeigen oft, dass sich behutsame längerfristige Erhaltungsmaßnahmen
günstiger auf die Bausubstanz eines Kulturdenkmals auswirken
als mit dickem Finanzpolster ausgestattete Hauruckaktionen. Jedoch ist am Alten
Schloss der fortschreitende Verfall einfach nicht aufzuhalten, so dass inzwischen
die Standsicherheit in Teilbereichen in Frage gestellt wird. Hier sind in nächster
Zeit dringende Sicherungs- und Erhaltungsmaßnahmen fällig, um den Verlust eines
überregional bedeutsamen Kulturdenkmals abzuwenden. In der Nachbarschaft von
Tylsen auf der gegenüberliegenden Seite der Dumme-Niederung befindet sich Osterwohle.
Das Dorf ist überregional bekannt durch den im Inneren der Gutskirche um 1620
vollbrachten reichen Ausbau bzw. die Einrichtung aus ungefasstem Holz. In letzter
Zeit ist Osterwohle besonders durch die Ausgrabung eines altsächsischen Reihengräberfeldes
aus dem 8./9. Jahrhundert aufgefallen.(17)
Bisher
zu wenig beachtet worden ist der Gutshof südlich der Kirche, welcher ein Kleinod
eines Adelssitzes dieser Art in Norddeutschland darstellt. Auf dem Gelände einer
mittelalterlichen Burganlage, von der noch wesentliche Teile des Wassergrabens
und Wälle erhalten sind, befindet sich das um 1500 entstandene Gutshaus
derer v. d. Schulenburg.(18)
Im rechten Winkel dazu ist ein ebenso alter einstöckiger Zehntspeicher aus Fachwerk
erhalten. Das
Herrenhaus wurde aufgrund des 1430 vom Landesherrn verhängten Massivbauverbots
in Fachwerk ausgeführt.
An der Rückfront des
Gutshauses ist die spätgotische Fassade weitgehend erhalten. Sie weist Treppenfriese
an den Schwellen, reichgeschnitzte Knaggen, durchgehendes
Brüstungsholz und aufgeblattete Schrägstreben auf. Der Giebel und die Forderfront
sind im 16. und 17. Jahrhundert erneuert worden. Als die vermutlich
älteste Bausubstanz ist das in Feldsteinmauerwerk ausgeführte Untergeschoss
des dem Dorf zugewandten Standerkers zu betrachten.
Mit
größter Wahrscheinlichkeit dürfte es sich hierbei um den Rest eines schon im
14. Jahrhundert errichteten Wohnturmes mit tonnengewölbtem Keller einer Niederadelsburg
handeln. Das Haupthaus besitzt eine ungewöhnlich aufwändige Kellerhalle mit
Kreuzrippengewölben.
Mittelalterliche Urkunden, die sich auf das Dorf beziehen, wie die von 1022,
nach der Osterwohle im Güterverzeichnis des Klosters St. Michael in Hildesheim
aufgeführt ist, haben sich als spätere Fälschungen herausgestellt, genauso wie
die Erwähnung eines Archidiakon im Jahre 1241. Hilfreicher dagegen sind
originale Urkunden aus dem 15. Jahrhundert, als Adlige ihre Höfe in Osterwohle
befestigen ließen. Aus diesem Vorhaben resultierte Streit mit der Bürgerschaft
aus dem nicht weit entfernten Salzwedel. Der schon erwähnte Landesherr als Schlichter,
Kurfürst Friedrich II. ergriff natürlich Partei für den Adel, gegen die
reiche, sich unabhängig fühlende Hansestadt, deren Macht er brechen wollte.
Der Gutshof ist durch die Bodenreform zweigeteilt worden. Das Anwesen ist seit
den 90er Jahren wieder bewohnt. Es ist zu wünschen, dass die bisher in Etappen
ausgeführten behutsamen Restaurierungs- und Sanierungsmaßnahmen an den
durch jahrelangen Verfall geschädigten Bauteilen fortgeführt werden können.
Ein über viele Jahre zunehmender Verfall konnte auf der bereits 1009 erwähnten
ehem. Reichsburg Tangermünde abgewendet werden.(19)
Ausschlaggebend
für die Sanierungsarbeiten an den hochmittelalterlichen und frühneuzeitlichen
Bauten ist die Einrichtung des Ringhotels "Schloss Tangermünde" in dem 1699-1701
an Stelle des Palas errichteten Wohnhauses für König
Friedrich I. in Preußen durch die Tangermünder Familie Busse.
Im Zuge der Umbauarbeiten zum Hotel wurden auch die vom 30jährigen
Krieg und nachfolgenden Eingriffen verbliebenen mittelalterlichen Backsteingebäude
der Burg saniert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. So die
mehrfach umgebaute sogen. Kanzelei mit ihrer romanischen Westmauer, die Ringmauer,
die Bruchsteinmauer der Kernburg und der sogen. Kapitelturm, ein romanischer
Wohnturm in der Vorburg aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhundert
Das obere nicht zum Turm passende
Geschoss stammt von den Restaurierungsarbeiten, die 1902 durch Kaiser Wilhelm
II. in Tangermünde veranlasst wurden, und soll in historisierend
verklärter Weise an den Karlstein südl. von Prag erinnern.(20)
Eine der schönsten Befestigungsanlagen Sachsen-Anhalts ist die Wasserburg in
Flechtingen. Schon
961 wird der Ort Flechtingen genannt, den Otto I. an das Moritzkloster
in Magdeburg schenkte. Die Baugeschichte
der zweiteiligen Burganlage in einem künstlich angestauten See ist recht kompliziert.
Die Burg wurde im 13. Jahrhundert auf einem Grauwackefelsen errichtet
und im Laufe ihrer Geschichte mehrfach verändert. Das heutige Erscheinungsbild
wird geprägt vom Ausbau im 19. Jahrhundert. Erbauer der Burg waren mit
Sicherheit die Ministerialen v. Schenck, denn schon 1307 werden sie als Inhaber
der Burg genannt, die ihnen dann noch bis 1945 gehörte.(21)
Im Jahr
1436 erscheinen sie unter den schlossgesessenen Familien der Altmark.(22)
Im Osten der annähernd dreieckigen Burginsel wird die ursprüngliche
Kernburg vermutet mit dem um 1300 entstandenen Palasgebäude.
Die Kernburg wurde nach einem Großbrand 1483 in den westlichen Vorburgbereich
verlagert. Umfassend ist die Burg im letzten Fünftel des 15. und 1. Viertel
des 16. Jahrhundert umgebaut worden, weiterhin kamen
wesentliche Veränderungen am Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhundert hinzu.
Den heutigen historistisch/neugotischen Charakter erhielt sie 1840
sowie 1865 bis 1890. Von 1964 bis 1966 sind erhebliche Eingriffe in die Substanz
vorgenommen worden, die aus einem Umbau zum Alterstheim resultierten.
Seit etwa vier Jahren finden nun die längst überfällige Erhaltungsmaßnahmen
statt. Die Altmark besitzt im Verhältnis zu anderen Landschaften nur wenige
Schlösser bzw. Herrenhäuser, die aus der Zeit vor 1800 unverändert erhalten
geblieben sind. Eine Vielzahl barocker Herrenhäuser ist der "Bauwut" des 19.
Jahrhundert zum Opfer gefallen. Entweder wurden sie gänzlich abgerissen, durch
Neubauten ersetzt oder sind in der zeitgemäßen Architektur überformt
worden. Als unverändert barocker Putzbau ist das Schloss Döbbelin bei Stendal
erhalten, das 1736 durch Umbau eines urkundlich erwähnten älteren Hauses entstanden
ist. Von
dem älteren Gebäude ist bei genauerem Hinsehen allerdings kaum etwas erhalten
geblieben. Vorausgegangene Bauphasen
hat es aber auf jeden Fall gegeben, wie die in Backstein kreuzgratgewölbten
Räume aus dem 16. Jahrhundert im östlichen Kellerbereich belegen.
Im Jahr 1344 ist die Familie v. Bismark im Besitz eines Teiles des 1160 genannten
Dorfes Döbbelin. Hans Christoph v. Bismark übernimmt 1730 Döbbelin
und baut das Schloss im barocken Stil als einen langgestreckten, eingeschossigen
Putzbau auf hohem Sockelgeschoss mit Mansardwalmdach auf.
Zweigeschossige dreiachsige Mittelrisalite befinden sich an Hof- und Gartenfront.
Das Schloss blieb bemerkenswerter Weise bis zum Tod von Gertrud
Freifrau v. Nordeck 1963, sie war eine geborene v. Bismark, im Besitz der Familie.
Danach wurde das Schloss vielfältig von der Gemeinde genutzt, es
beinhaltete das LPG-Büro, eine Arztpraxis, natürlich den Dorfkonsum und andere
Einrichtungen. Nach der Wende erhielt Alexander v. Bismarck das
Grundstück zurück und sanierte bis 1999 Schloss, Park, Marstall und Taubenhaus,
das vordem als Speicher genutzt wurde und vielleicht im Untergeschoss
den Rest eines spätmittelalterlichen Turms einer Niederadelsburg aufweist.(23)
Direkt nördlich am Gutshof steht eine zweiteilige romanische
Saalkirche.(24)
Ein weiterer barocker Putzbau befindet sich im Gutsdorf Vollenschier,
etwa 15 km westlich von Stendal.
Das in den
Dimensionen hinter Döbbelin zurückstehende Herrenhaus ist ein eingeschossiger
Bau mit übergiebelten Risaliten auf der Vorder- und Gartenseite sowie Mansardwalmdach.
Im Jahr 1993 ist das Gutshaus mit 2 ha Park von der Familie v. Engelbrechten-Illow
zurück gekauft worden, der großzügige Gutshof mit
seinen Gebäuden zur landwirtschaftlichen Nutzung dann 1998. Auf dem Gelände
wurde um 1869 ein zweigeschossiger historistischer Backsteinbau errichtet.
Er stammt wohl wie auch die eindrucksvolle neugotische Gutskirche am westl.
Parkrand aus der Hand des Architekten Conrad Wilhelm
Hase aus Hannover. Die Gutskirche, lange vakant, wurde mit Hilfe eines Fördervereins
größtenteils durch Spenden saniert.
Dagegen hat nun
das zweigeschossige Herrenhaus schon das dritte mal in Folge den Besitzer gewechselt.
Durch Vandalismus ist es im Inneren zu massiven Zerstörungen
gekommen, so dass eine Sanierung wohl nicht mehr im Verhältnis der Möglichkeiten
steht. Da in den 90er Jahren die Flughafendiskussion Stendal International
in vollem Gange war und die Familie sich nicht unbedingt in die unmittelbare
Nähe der Rollbahnen einquartieren wollte, hatten sie sich erst nach dem Jahre
2000,
als allmählich klar war, dass der Flughafen doch nicht gebaut wird, dazu entschlossen,
das Gutshaus zu sanieren. Da das barocke Herrenhaus lange Zeit lehr
stand und dem fortschreitenden Verfall sowie der Destruktion ausgesetzt war,
stellte sich die Frage aufgeben oder sanieren. Die Familie hat sich dann doch
zur Sanierung durchgerungen, was sich natürlich bei dem desolaten Zustand des
Gebäudes als sehr kostenintensiv niederschlug. Aber dem Arrangement der
Familien v. Engelbrechten-Illow und v. Karlowitz, deren Vertreter auch die benachbarten
Güter bzw. Vorwerke in Ottersburg und Brunkau zurückgenommen
und unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten in vorbildlicher Weise saniert
und sogar im alten Bild wiedererstellt haben, ist es zu verdanken, dass in
Vollenschier ein seltenes Kleinod der adeligen Baukultur des 18. Jahrhunderts
in einer von Gütern geprägten Landschaft am Rande der Letzlinger Heide
erhalten geblieben ist. Für das Gutshaus in Welle ist ursprünglich ebenfalls
ein barocker Putzbau anzunehmen.
Im Jahr 1820 ist das Gebäude
für die Familie v. Bismarck auf Welle klassizistisch überformt worden. Das eingeschossige
Herrenhaus mit Mansardwalmdach und dreiachsigen Mittelrisalit
besitzt an der Gartenseite ein von sechs toskanischen Säulen getragenen Altan
vom Anfang des 20. Jahrhunderts.
Welle wurde erstmals 1151
erwähnt. Der Ort ist ein typisches Gutsdorf, wie es sich aus dem Mittelalter
heraus in dem Nebeneinander von Herrenhof, Gutskapelle, Leutehäusern und Verwalterhaus
entwickelt hat.
Zwischen der dreiteiligen romanischen Kirche mit erhöhtem Turmeinstieg zum unmittelbar
benachbarten
Gutshofbesteht jedenfalls die klassische Topographie, die auf ein hohes Alter
des Gutstandortes schließen läßt. Im Haus befand sich zu DDR-Zeiten der
obligatorische Konsum aber auch mehrere Wohnungen, die um 1990 geräumt wurden.
Frau Dr. Mohr, eine Nachfahrin der Familie v. Bismarck, hat das
Grundstück und sogar die baufällige Kirche erworben. Seit zwei Jahren wird der
Gutshof saniert. Das Herrenhaus wird in Zukunft wieder bewohnt sein und
die seit Jahrzehnten vakante Kirche soll gerettet und der öffentlichen Nutzung,
z.B. Konzerte, Ausstellungen, zugeführt werden. Das zweigeschossige, heute
von der Forstverwaltung genutzte Herrenhaus in Burgstall steht auf dem
Gelände einer vermutlich im 11. oder 12. Jahrhundert zur Verteidigung der Elbgrenze
zu den slawischen Gebieten geschaffenen Hauptburgen der Altmark.
Die Interpretation des Ortsnamens Burgstall könnte sogar eine in
karolingische Zeit zurückgehende Befestigungsanlage wahrscheinlich werden lassen.(25)
Allerdings haben hierzu die bisher nur äußerst dürftigen Aussagen
in der Forschung zu keinem einheitlichen Ergebnis geführt. Graben und Wallreste
um einen 5 m hohen Turmhügel belegen eine hoch- bis spätmittelalterliche
Anlage.
Eine weit ältere Befestigungsanlage wird in der scharf begrenzten Erhöhung vermutet,
auf der auch die im 19. Jahrhundert errichtete
Backsteinkirche steht.
Zusammen mit Teich und Grabenresten kann eine großzügig angelegte trapezförmige
Anlage rekonstruiert werden,
die sich um die Försterei mit dem sekundär angelegten Burghügel zieht. Bis 1852
war die ältere größere Anlage, welche die Nordost-, Ost, und Südseite umgab,
noch als Wall-Grabensystem erkennbar. Dass die Burganlage im Mittelalter eine
gewisse Bedeutung besessen hatte, ist schon durch ein 1320 und 1323 nachgewiesenes
Witwengut von Agnes, der Gemahlin Waldemars, bezeugt. Im Jahr 1345 gelangte
dann durch markgräfliches Lehen die zum schlossgesessenen Altmärkischen Adel
aufgestiegene Familie v. Bismarck in Besitz der Burg, bis sie dann 1562 vom
brandenburgischen Kurprinzen eingezogen wurde. Der auf einem hohen Keller errichtete
barocke Putzbau mit Krüppelwalmdach und Freitreppe in Sandstein nach Westen
besitzt mit Sicherheit vorausgegangene Bauphasen, die
in der Bauforschung noch einer Klärung bedürfen. Die Familie von Bismarck auf
Burgstall saß auch seit dem 14. Jahrhundert das ehem. Rittergut Briest,
welches sie als markgräfliches Lehen hatten. Der
aus zwei Flügeln bestehende dreistöckige Fachwerkbau mit unverputzter Ziegelausfachung
ist 1624 von Christoph von Bismarck erbaut worden. Der Südflügel besitzt Ziergiebel
an den Schmalseiten und einen breiten Zwerchgiebel an der Südseite
zum Hof. Nach einem Brand im Jahr 1839 wurde das Gutshaus erneuert und historisierend
am Westgiebel mit dem Anbau eines massiven Turmes versehen.
Im Winkel steht ein massiver außen achteckiger und innen runder Treppenturm.
Das Rundbogenportal ist aus Sandstein gefertigt mit Sitznischen in den
Gewänden.
Die Familie von Bismarck hat das Gut zurückgekauft und zur Sanierung wurde ein
Förderverein gegründet. Geplant
ist auch eine öffentliche Nutzung, die gerade vorbereitet wird. Die Familie
wird mehrere Räume für eine vielseitige Nutzung des Hauses dem Verein unentgeltlich
zur Verfügung stellen. In den betreffenden Räumen sind Konzerte, festliche Veranstaltungen
und Trauungen geplant. Weiterhin sollen hier ausgewählte Objekte
aus dem Hause Briest und der Familie v. Bismarck museal gezeigt werden. Bisher
ziemlich unbeachtet geblieben in der Altmark sind barocke Herrenhäuser,
die als Fachwerkbauten mit unverputzten Ziegelausfachungen vorkommen. Das Gutshaus
in Lindstedt, ist ein schlichter zweigeschossiger Fachwerkbau mit niedersächsischen
Einflusses.
Das Gebäude sollte 1946 vernichtet werden, da aber mehrere Flüchtlingsfamilien
schon vor 1945 im Haus eine
Bleibe gefunden hatten, sah man von dem Vorhaben ab. Das Herrenhaus ist für
das Adelsgeschlecht derer v. Lindstedt wohl als Folge des 1640 abgebrannten
Vorgängers erbaut worden. Hofseitig hat sich die originale barocke Eingangstür
über der Freitreppe aus Sandstein erhalten.
Da das Gutsarchiv,
welches auf dem Dachboden gelagert war, 1945 von dem Amerikanern verbrannt wurde,
ist die Bauzeit des Gebäudes für die erste Hälfte des 18. Jh.
angenommen worden. Dendroproben vom eichenen Pfettendachstuhl des Walmdaches
ergaben das Fälldatum Winter 1704. Das schlichte Äußere setzt sich
auch im Inneren fort, überzeugt aber durch die weitgehend erhaltene Vollständigkeit
der barocken Raumteile. Erschlossen wird das Gebäude durch das
Hauptportal, die oberen Räume erreicht man über eine seitliche Eichentreppe
im Ostteil. Das
schlichte Erscheinungsbild des Fachwerksgebäudes
wird durch die erstaunlichen Raumhöhen im Innern aufgehoben, ein herrschaftlicher
Anspruch ist unverkennbar. Kamin, Türen, Dielung, sowie die Farbfassung
des sogen. Rittersaales im Obergeschoss sind bauzeitlich.
Das Interieur ist trotz massiver Eingriffe weitgehend
erhalten geblieben. Vor 1990 nutzten die örtliche LPG und der Rat der Gemeinde
Lindstedt den Gutshof, der heute als desolater Vierseithof noch besteht.
Nordöstlich am Hof ist ein mittelalterlicher Turmhügel mit einem Durchmesser
von 20 m und einem fast verlandeten 5 m breiten Graben erhalten. In den 80er
Jahren wurde auf Wunsch der Gemeinde das Herrenhaus von der Denkmalliste gestrichen
und war somit sofort den verschiedensten "Geschmacksrichtungen" ausgesetzt.
So wurde u. a. die ca. 300 Jahre alte Linde vorm Haus entfernt und durch Obstbäume
sowie andere regional untypische Gehölze der neuen Fassadegestaltung angepasst.
Zuwegungen aus Beton entstanden und vierflügelige Fenster wurden gegen neue
ausgetauscht sowie am Hauptportal sogar
durch bunte Glasbausteine ersetzt. Heute wohnt im Obergeschoss eine Familie,
der übrige Teil wird durch einen Kindergarten genutzt. Mit der Wende
wurde das Herrenhaus wieder in die Denkmalliste aufgenommen und Ende der 90er
Jahre ist die marode Dachdeckung durch eine neue Biberschwanzdeckung
ersetzt worden. Durch die Bodenreform ist der Hof dreigeteilt. In Folge einer
Auktion ist vor kurzem ein Teil der dringend sanierungsbedürftigen
Wirtschaftsgebäude wieder weiterveräußert worden. Der neue Eigentümer strebt
Reittourismus an. Das Herrenhaus hingegen gehört dem Treuhandnachfolger
und wird von der Gemeinde Lindstedt verwaltet. Ein Herrenhaus gleichen Bautyps,
erfreulicher Weise von nachteiligen Überformungen verschont geblieben,
befindet sich 10 km westlich von Lindstedt, in Schenkenhorst.
Erbaut wurde das zweigeschossige Fachwerkhaus von der Familie von
Alvensleben im Jahre 1705, also zur gleichen Zeit wie Lindstedt. Es tritt in
den Dimensionen hinter diesem nur leicht zurück, besitzt ebenfalls einem hohen
Keller und ein Walmdach. Eine doppelseitige Freitreppe in Sandstein führt parkseitig
in die Hochparterre.
Die Gefache waren wie in Lindstedt ursprünglich ziegelsichtig. Der Gutshof,
dessen Areal noch auf drei Seiten von Wassergräben einer mittelalterlichen Befestigungsanlage
umgeben ist, und die Wirtschaftsgebäude, die sich östlich des Herrenhauses befinden,
gelangten schon im 19. Jahrhundert in bürgerlichen Besitz.
Als
Bauernwirtschaft ist das ehem. Gut von den allgemeinen Repressalien ab 1945
ausgenommen worden. Das Herrenhaus gehört weiterhin der ansässigen
Familie bzw. Erbengemeinschaft. Ein weiteres barockes Gutshaus dieser Bauart
steht in Deutschhorst ca. 20 km westlich von Salzwedel.
Der zweigeschossige Fachwerkbau mit Walmdach ist 1750 von der Familie von Meding
erbaut worden und ging später in den Besitz derer
von dem Knesebeck über. Der nordseitige überformte Anbau stammt aus dem 19.
Jahrhundert, ein Uhrenturm wurde wegen Einsturzgefahr nach 1945
beseitigt. Um das Gutshaus sind die Reste eines gebogenen Grabens einer mittelalterlichen
Befestigungsanlage erhalten. Im Süden wird der Gutshof von
einer spätgotischen Gutskapelle abgegrenzt. Das Grundstück ist durch die Bodenreform
geteilt und seit kurzem durch Versteigerung auf nun drei Grundstückseigentümer
übertragen.
Eine Kurzauswahl von Gutshäusern des 19. und 20. Jahrhunderts
Schloss Weteritz, 5 km westl. von Gardelegen, ist ein klassizistischer
Putzbau von 1831 in einem um 1830 aus dem Umfeld von Peter Joseph Lenne
angelegten Park.
Die Stadt Gardelegen soll etwa 130 000 Euro an das Land zurückzahlen. Mit diesem
Betrag wurde vor 14 Jahren die
Sanierung des Schlosses gefördert. Die Stadt hat es dann an einen Privatmann
verkauft, was gegen die Förderrichtlinien verstößt, deswegen nun wieder
Geld zurück, plus den angefallenen Zinsen. Auf dem Gelände der ehem. markgräflichen
Burg Gardelegen ist das sogen. Schloß Isenschnibbe an Stelle
eines barocken Vorgängers erbaut.
Ein neubarocker Putzbau von 1906, mit bis dato guterhaltener Innenausstattung
in neubarocken- und Jugendstilformen. Das Haus mit ausgedehntem Landschaftspark
wurde zu günstigen Konditionen an einen Gärtner und einer Krankenschwester aus
Bayern
verkauft. Seit dem wird das Herrenhaus nicht mehr genutzt. Neuerdings steht
es wieder zum Verkauf. Das klassizistische Schloss Kunrau, etwa 15 km
westl. der Stadt Klötze, ist 1859 bis 1861 für den bekannten Agrarwissenschaftler
Theodor Hermann Rimpau erbaut worden.
Es befand
sich von 1992 bis 2005 in Benutzung der Verwaltungsgemeinschaft Jeetze-Ohre-Drömling,
die das Gebäude in Etappen sanieren ließ. Durch die kommunale Gebietsreform
wurde der Verwaltungssitz verlegt. Schloss Storkau bei Stendal ist ein
neubarocker Bau, der 1912 bis 14 malerisch am Elbufer in großer
Parkanlage neben einem älteren Gutshof errichtet wurde.
Gleich südlich neben dem Gutshof am Steilhang der Elbe gelegen,
steht eine spätromanische in Backstein errichtete Chorturmkirche. Das Schloß
und die Nebengelasse werden seit der Instandsetzung 1996 erfolgreich als Hotel
genutzt. Schloss Calberwisch ist als gründerzeitlicher Backsteinbau 1875
für die Familie v. Jagow nach Entwurf von Martin Gropius und Heino Schmieden
erbaut worden.
Es wurde nach der Instandsetzung in den 90er Jahren als Hotel genutzt und ist
seit kurzem an das neugebaute Zellstoffwerk
Arneburg verpachtet. Das Herrenhaus Osterholz in der altmärkischen Wische
ist ein zweieinhalbgeschossiger Backsteinbau auf Souterrain mit
spätklassizistischer Putzgliederung.
Es wurde Mitte des 19. Jahrhunderts für die Familie v. Knoblauch erbaut. Das
Gebäude soll einen
Interessenten haben, offensichtlich sind jedoch die Eigentumsfragen recht kompliziert.
Wegen fortschreitendem Verfall wäre eine Sanierung dringend
erforderlich.(26)
Für die Rittergüter I und II in Gethlingen interessiert sich niemand
mehr, das schlichte Herrenhaus aus Fachwerk von Gut I wird der
Nachwelt wohl nicht erhalten bleiben.
Das spätklassizistische Herrenhaus von Kannenberg, ein elfachsiger Rechteckbau,
befindet sich
auf dem mittelalterlichen Stammsitz derer v. Kannenberg in der Wische.
Später gehörte es verschiedenen Besitzern. Der Sohn des letzten
Besitzers Wilhelm Schulze, der es bis zur Zwangsenteignung führte, baut seit
1991 den dazugehörigen landwirtschaftlichen Betrieb wieder auf und möchte
das Schloss renovieren und teilweise einer öffentlichen Nutzung zuführen.
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(1). Die Brandenburgischen Markgrafen verzichteten
1350 auf Wittingen; Schnackenburg an der Elbe gehörte noch bis 1391 zu ihrem
Besitz.
(zurück
zum Text)
(2).Die Bezeichnung A l t m a r k bildet sich
erst ab der Mitte des 14. Jahrhunderts heraus und geht anfänglichst nur auf
eine Flurbezeichnung bei Stendal
zurück.(zurück
zum Text)
(3).Die Milde besaß auch noch den anderen Namen R o d o w e, im Jahre 786
erwähnt. Spätestens ab der jüngeren Bronzezeit können an diesem Flußsystem
ganz deutlich archäologische Kulturen unterschieden
werden, der Verlauf der Grenze zwischen den Bistümern wird daher nicht willkürlich
gezogen worden
sein. Zum Diözesangrenzverlauf besonders
in: Bogumil, Köln/Wien 1972: Das Bistum Halberstadt im 12. Jahrhundert. Mitteldeutsche
Forschungen, B. 69.
Diestelkamp, 1932: Der Balsambann am Ausgange
des 15. Jahrhunderts, Ein Beitrag zur Geschichte der mittelalterlichen Pfarrorganisation
und der
Diözesangrenzen in der Altmark. Zeitschrift
des Vereins für Kirchengeschichte der Provinz Sachsen 28, S. 107-143. Langer,
Halle 1906, Die Grenze der
Bistümer Verden und Halberstadt von der
Elbe bis zur Ohre. Archiv für Landes- und Volkskunde der Provinz Sachsen und
des Herzogtums Anhalt nebst angrenzenden
Landesteilen, 30, S. 11-12, Laudage, 1989, Die Entstehung des Bistums Verden
an der Aller, Stader Jahrbuch S. 22-44, Wentz, 1936, Die
Kirche in Altmark, Prignitz und Havelland
in voraskanischer Zeit, Brandenburger Jahrbücher 4, S. 41-48, betr. Bistümer
Halberstadt, Brandenburg und
Havelberg. (zurück
zum Text)
(4).Die Grafen von Stade z. B. hatten von 1056-1128
die Nordmark verwaltet. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Udonen die
Burg Salzwedel
als Hauptort wählten, wie die Ereignisse von
1112 zeigen, als sich dort die Brüder Rudolf und Lothar gegen das anrückende
kaiserliche Herr verschanzten.(zurück
zum Text)
(5).Im späten Mittelalter entstehen besonders
in der nordwestlichen Altmark zahlreiche kapellenartige Feldsteinkirchen.(zurück
zum Text)
(6).Nur Stendal stellt eine Ausnahme dar. An
wichtigen Fernhandelsstraßen gründet Albrecht der Bär um 1160 auf einer von
zwei Uchte-Armen gebildeten
Insel im Dorf Steinedal (heutiger Stadtteil
Altes Dorf) eine Marksiedlung.(zurück
zum Text)
(7).Nach Paul Grimm, Die vor- und frühgeschichtlichen
Burgwälle der Bezirke Halle und Madeburg, Berlin 1958, S. 193-142, ist im Altsiedeland
in der
Regel der Hof älter, die daneben angelegte Burg
jünger. Im Gebiet der inneren Kolonisation geschieht der Bau des Hofes, der
Burg und der daneben
liegenden Kirche etwa gleichzeitig. Ulf Frommhagen,
Wehrtechnische Aspekte an Dorfkirchen in der Altmark, Halle 2005.(zurück
zum Text)
(8).Ulf Frommhagen,Wehrtechnische
Aspekte an Dorfkirchen in der Altmark, Halle 20(zurück
zum Text)
(9). Offensichtlich herrschte noch nach 1150 in der Altmark das traditionelle
Eigenkirchenwesen vor. Das germanische Eigenkirchenrecht wurde 826 von
der Kirche anerkannt, im 12. Jahrhundert erfolgreich
von ihr bekämpft und allmählich in das Patronat umgewandelt. Die Eigenkirche
war in der Regel
eine Gründung des betreffenden Eigenherrn, der
die auf privatem Grund stehende, im Eigentum des Grundherrn befindliche Kirche
vererben oder
veräußern aber nicht in ihrem Zweck entfremden
durfte. Des weiteren entschied der Grundherr auch über die Einsetzung des Geistlichen.
Das
Eigenkirchenwesen ist aus der germanischen
Rechtsanschauung entstanden, im krassen Widerspruch zur römisch-rechtlichen
Lehre von der Einheit des Kirchenvermögens.
Als Albrecht der Bär 1134 Gebiete in der Altmark im Raum Tangermünde/Arneburg
sowie um Salzwedel und Werben erwarb, war
diese Gegend unter Eigendynasten in
viele Machtbereiche aufgeteilt. Die Brandenburgischen Markgrafen benötigten
ein ganzes Jahrhundert, um diese Eigendynasten
zu entmachten, zu verdrängen oder sie zu ihren Vasallen zu machen.(zurück
zum Text)
(10).In der lokalen niederdeutschen Mundart
wird der Hocheingang als L u e r l o c k bezeichnet, was mit Lauerloch übersetzt
werden kann.
(zurück
zum Text)
(11).Z. B. in Büste und Hohenwulsch. (zurück
zum Text)
(12).Bisher nachgewiesen in Gr. Möringen, Ballerstedt
und Flessau.(zurück zum Text)
(13).Derartige Befunde sprechen dafür, dass
sich der Eigenherr die zusätzliche Option des "türmens" trotz Widersprüchen
im mittelalterlichen Recht vorbehielt.
Die Wehrkirchenthese, wie sie
gern in der populärwissenschaftlichen Literatur herangezogen wird, muss energisch
zurückgewiesen werden. Wehrhafte
zur Verteidigung dienende Vorrichtungen
wie Zinnen, Schießscharten oder Pechnasen kommen an altmärkischen Kirchen nicht
vor.(zurück zum Text)
(14).Hier besonders die Grafen
von Osterburg/Veltheim, die über zahlreiche Ministeriale und Vasallen verfügten,
so auch die Edelfreien von Gardelegen, die
um 1150 die Grafenwürde erlangen,
die Grafen von Grieben, die Edelfreien von Klöden, die Edelfreien von Gans (im
13. Jh. zu Putlitz) u. a.
(zurück
zum Text)
(15).Im Landbuch der Mark Brandenburg von 1375
ist in Tylsen lediglich ein befestigter Adelshof aufgeführt, die Errichtung
der Niederadelsburg mit fester
Bebauung ist auch hinsichtlich der
Befundlage erst im 15. Jahrhundert erfolgt.(zurück
zum Text)
(16).1430 wurde vom Landesherrn ein Massivbauverbot
verhängt.(zurück zum Text)
(17).In den Jahren von 1986 bis 1995 konnten
die Mitglieder des Vereins "Junge Archäologen der Altmark e.V." ein fast komplettes
Reihengräberfeld aus der
Zeit des 7.-10. Jahrhunderts
ausgraben, mit anfänglichst heidnischen und ab der Mitte des 9. Jahrhunderts
christlichen Bestattungen.(zurück zum
Text)
(18).Ähnlich dem benachbarten Tylsen sind im
Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 in Osterwohle nur befestigte Herrenhöfe
erwähnt.
(zurück
zum Text)
(19).Thietmar von Merseburg: Chronik (zurück
zum Text)
(20).Deutlich sind unterhalb des oberen Geschosses
Reste von Zinnen zu erkennen. Sollte es aus der Zeit Karls. IV. oder der Hohenzollern
ein oberes
Turmgeschoss gegeben haben,
dann sicherlich nur aus Fachwerk.(zurück
zum Text)
(21).Allerdings kann die Familie 1853 als ausgestorben
gelten, denn der Name wurde von dem Adoptivneffen in der 2. Hälfte des 19. Jh.
weitergeführt.
(zurück
zum Text)
(22).Seit 1244 ist die Burg an die von Schenck
auf Dönstedt verlehnt. Sie bekleideten hohe Ämter im Dienst der Markgrafen von
Brandenburg.
(zurück
zum Text)
(23).Ein ähnliches zweigeschossiges Speichergebäude
von 1561, das sogen. Hundeloch, befindet sich in Kloster-Neuendorf bei Gardelegen.
Das Erdgeschoss
mit Tonnengewölbe aus Feldstein
und das Obergeschoss in Fachwerk. Hinsichtlich der Untergeschosse lassen sich
m. E. auch Vergleiche zu dem o. g.
Wohnturm in Tornau ziehen.(zurück
zum Text)
(24).Zwischen Kirche und Gutshof ist in den
20er Jahren des 20. Jahrhunderts ein bronzenes feuervergoldetes Kruzifix aus
der Zeit zwischen 1110 bis 1130
gefunden worden.(zurück
zum Text)
(25).Paul Grimm: Die Vorgeschichtlichen Burgwälle
der Bezirke Halle und Magdeburg, Berlin 1958.(zurück
zum Text)
(26).Interessant ist der malerische Sichtkontakt
zwischen Gut Osterholz und dem etwa 2 km entfernten Gut Altenzaun an der Elbe,
als ein Relikt der früheren nachbarschaftlichen
Beziehungen von Gutsherrschaften in der Altmark.(zurück
zum Text)
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für das Internet: Andreas Schwieger, März 2006)