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Schlösser und Herrenhäuser in der Altmark

Vortrag vom 23.4.2005 in Schloß Angern in Angern bei Wolmirstedt - von Ulf Frommhagen, alle Rechte vorbehalten !

 

 

 

 

 

 

Die Altmark bildet den nördlichen Teil von Sachsen-Anhalt. Die Ländergrenze nach Niedersachsen hat sich seit dem 12. Jahrhundert nur unwesentlich
verändert (1). Naturräumlich bildet nach Osten der Elblauf die Grenze von der Einmündung der Ohre im Süden bis zum Eintritt der Elbe in den nordwestlichen
Teil des norddeutschen Urstromtales bei der Jeetzemündung. Im Süden wird die Landschaft vom unteren Urstromtal der Ohre und dem ausgedehnten Drömlingsbecken begrenzt. Die Altmark ist keine einheitliche Kulturlandschaft wie es auf den ersten Blick erscheinen mag.(2) Die in der
ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts entstandene Diözesangrenze der ehemaligen Bistümer Verden a. d. Aller und Halberstadt, welche die Altmark in einen
östlichen und einen westlichen Teil unterscheidet, ist das Flußsystem von Milde, Biese und Aland, das bei Schnackenburg in die Elbe entwässert.(3) Darüber
hinaus kann die Altmark in weitere kleinräumige Kulturlandschaften strukturiert werden. So war die nordwestliche Altmark seit der Ur- und Frühgeschichte
und später mit Salzwedel als Hauptort über die Hansezeit hinaus, immer besonders vom Lübischen Raum stark beeinflusst.(4) Die südwestliche Altmark,
etwa das Gebiet Gardelegen-Oebisfelde-Klötze-Kalbe/Milde, war siedlungsgeschichtlich und kulturell mit dem alten Nordthüringgau, der Gegend zwischen
Haldensleben-Helmstedt-Calvörde sowie dem Braunschweig-Hildesheimer Raum verzahnt. Dagegen standen die elbnahen Gebiete mit den ehemaligen
Reichsburgen Arneburg und Tangermünde im frühen Mittelalter mit Magdeburg und dem Vorharzraum in Verbindung. Die nordwestliche Altmark ist seit der Urgeschichte im engen Kontakt mit der Prignitz. Wie sich schon aus dieser groben Übersicht erkennen läßt, ist die heutige Altmark aus ihrer geographischen
Lage heraus immer eine Übergangsregion gewesen. Die aufgezeigte kleinräumige Unterscheidung läßt sich auch auf die Verteilung von Burgen, Schlössern, Herrenhäusern und Dorfkirchen übertragen. So befinden sich in der westlichen Altmark bedeutend weniger Adelssitze als in der östlichen Altmark. Diese
auffällige Situation geht höchstwahrscheinlich schon auf die Entstehungszeit der Bistümer Halberstadt und Verden zurück. In der östlichen Altmark besitzt jedes
Dorf eine Kirche aus dem 12. und 13. Jahrhundert. In der westlichen Altmark dagegen dominieren genauso wie im benachbarten Niedersachsen
Großparochien; um eine ecclesia matrix reihen sich hier bis in das 15. Jahrhundert kirchlose Dörfer.(5) Diese markanten unterschiedlichen Strukturen können
nur in der unterschiedlichen Missionstätigkeit der beiden Bistümer ihre Ursache haben. Während des Landesausbaus im 12. und 13. Jahrhundert entwickeln
sich aus älteren Burgflecken in der Altmark Städte.(6) Durch die Einführung neuer Verwaltungsstrukturen und Wirtschaftsweisen wird die größtenteils
weilerartige Siedlungsform aufgegeben und in die noch heute vielfach überlieferten Dorfformen umgewandelt. Während dieses Prozesses entstehen etwa 300 romanische Dorfkirchen in der Altmark, von denen der größte Teil weitgehend unverändert in unsere Zeit überkommen ist. Die für das hohe
Mittelalter äußerst zahlreich nachgewiesenen Adelsgeschlechter, besonders die Ministerialen, passen sich den neuen Bedingungen an und aus befestigten
Herrenhöfen werden Niederadelsburgen.(7) In erster Linie sind Burgen zum eigenen Schutz angelegt worden, aber die Absicht einer gewissen Repräsentation
ist ebenfalls nicht von der Hand zu weisen. In der Altmark sind die topographischen Verhältnisse zwischen Burg, Herrenhof und Kirche bemerkenswert. Die
besondere Nähe des Grundherren bzw. Eigenherren zur Kirche ist zahlreich belegt.(8) So steht heute noch in vielen Dörfern der Altmark neben dem Gutshof
eine Kirche aus dem 12. und 13. Jahrhundert. An Örtlichkeiten, an denen sich derartige topographische Beziehungen nicht ablesen lassen, kann jedoch aus den urkundlichen Quellen oft ein ehemaliger Herrenhof neben der Kirche erschlossen werden. Für die Altmark tritt somit ganz deutlich das sogenannte
Eigenkirchenrecht hervor, das hier noch lange nach 1150 fortdauerte.(9) Bestimmte wehrtechnische Aspekte an den betreffenden Kirchen lassen die
Schlussfolgerung zu, daß der Eigenherr ein besonderes Interesse an dem aus Stein errichteten Westturm besaß. In der Altmark ist das Untergeschoss des
romanischen Westquerturms in der Regel zu den oberen Geschossen durch ein Tonnengewölbe abgeschlossen. In die Turmobergeschosse gelangte man nur
durch einen in 3 bis 10 m Höhe über dem Gewölbe angelegten Einstieg von außen oder vom Langhaus.(10) An einigen Türmen sind die
Einstiege sogar hakenförmig angelegt, ähnlich wie bei Burgtürmen.(11) Vom ersten Obergeschoß, dem tonnengewölbten Schutzraum, führen an mehreren
Kirchtürmen enge gebrochene Treppen in Mauerstärken von bis zu 3 m bis in das Glockengeschoss. Die Obergeschosse konnten nur von innen
durch Sperrriegel, von denen die Vorrichtungen in vielen Fällen noch vorhanden sind, verschlossen werden. Ehemalige oder in situ befindliche
Sperrriegelverschlüsse lassen sich aber auch für Kirchenportale nachweisen. Des weiteren bestätigen Befunde in Westquertürmen von Kirchen
Herrschaftslogen im 12. und 13. Jahrhundert.(12) Die steinernen Kirchtürme, bei denen man eigentlich in erster Linie von Glockenträgern ausgehen sollte,
diente höchstwahrscheinlich dem Eigenherrn mit seiner Familie als kurzfristige Zufluchtsmöglichkeit in unruhigen Zeiten, ähnlich den Bergfrieden.(13) Der
hochmittelalterliche Herrenhof als Vorgänger des Gutshofes war in der Regel von einem schützenden Grabensystem, ggf. auch Wällen, Holzpalisaden oder Flechtzäunen geschützt. Der Wirtschaftshof mit dem Wohngebäude befand sich in einer Art Vorburg. Durch ein Tor führte eine Rampe über einen 5 bis 10 m
breiten Graben, der um einen künstlich aufgeschütteten bis zu 5 m hohen Erd- bzw. Lehmhügel angelegt war, auf dem ein etwa 15 m hoher Holzturm mit einer Grundfläche von etwa 6 x 6 m Platz hatte. Der Holzturm als Ständer- oder Fachwerkkonstruktion war im Sockelbereich eingemottet, also
mit Erdreich aufgefüllt. Daher kommt auch der Begriff Motte (aus dem franz. Château a motte). In letzter Zeit setzt sich jedoch im deutschen Sprachraum die Bezeichnung Turmhügelburg durch. Es ist kein einziger Holzturm einer Motte erhalten geblieben. Ihre mutmaßliche Gestalt läßt sich nur durch Bildwerke wie
z.B. Turmhügeldarstellungen auf dem "Teppich von Bayeux" erschließen oder durch archäologische Untersuchungen erahnen. Die Turmhügelburgen sind charakteristische Befestigungsanlagen, die hauptsächlich vom 10. bis 14 Jahrhundert in weiten Teilen Europas als Repräsentationsbauten neben den eigentlich bewohnten Wirtschaftshöfen, den späteren Gutshöfen, angelegt wurden. Sie stehen am Anfang einer Entwicklung, die durch die großen Burgen des hohen und
späten Mittelalters ihren Abschluss findet. Nur noch wenige massiv errichtete Türme von spätmittelalterlichen Niederadelsburgen sind erhalten. In der Altmark
befindet sich das einzige erhaltene Beispiel in Tornau bei Stendal auf dem Gelände eines ehem. Herrenhofes südlich der Kirche. Der in Feldstein
errichtete Turm stammt aus dem 14. oder 15. Jahrhundert und besaß ursprünglich zwei Geschosse, davon ist noch der untere Raum mit Kreuzgratgewölbe, Belüftungssystem und Kaminzug im Mauerwerk erhalten. Hauptsächlich dienten solche Türme an den mittelalterlichen Herrenhöfen, ähnlich den o.g. Kirchtürmen,
als Zuflucht, zum "türmen" bei Gefahr und zur Repräsentation. Im Gegensatz zum Kirchturm konnte eine Turmhügelburg unter gewissen Einschränkungen sogar verteidigt werden. Der überwiegende Teil der nachweisbaren Adelsgeschlechter waren Burgmannsfamilien der Burgen Arneburg, Gardelegen, Kalbe/Milde,
Osterburg, Salzwedel, Seehausen und Tangermünde, die sich nach ihren Lehen nannten. In der Mehrzahl waren die Burgmannen Vasallen der
Brandenburgischen Markgrafen. Unter den Adelsgeschlechtern heben sich aber auch solche ab, die schon vor den Askaniern Besitzungen in der Altmark
erhalten hatten.(14) Mehrere dieser Geschlechter scheinen im 12. und 13. Jahrhundert den Askaniern auszuweichen oder werden von ihnen verdrängt. So
folgen noch viele Ministeriale dem Aufruf der Pommerchen Herzöge von 1230, deutsche Siedler ins Land zu holen.

Viele altmärkische Adelsgeschlechter sind im 17. und 18. Jahrhundert ausgestorben und mancher Adelssitz ist damals schon untergegangen oder durch
Besitzerwechsel rigorosen Veränderungen unterworfen worden. Der umfassendste Eingriff in die verbliebene aber immer noch reiche Baukultur ist die
Enteignungswelle nach dem Zweiten Weltkrieg und die anschließende weitgehende Vernachlässigung der Gebäude. Der in der Nachkriegszeit fortschreitende
Verfall der ostdeutschen Kulturdenkmäler war beabsichtigt. Mit der Aktion "Krieg den Palästen", so der inoffizielle Slogan, begann vor 50 Jahren sogar eine beabsichtigte Zerstörung der Herrenhäuser in Ostdeutschland. Unter dem Vorwand, Baumaterial aller Art für Neubauernstellen gewinnen zu wollen, hatten der Parteivorstand der SED und die Landesregierungen in den vierziger Jahren die Weisung herausgegeben, möglichst viele Gutshäuser und Schlösser zu schleifen.
Die offizielle Grundlage dafür war der Befehl 204 des Obersten Chefs der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) vom 9. September 1947.
Doch dessen hätte es gar nicht bedurft, die deutschen Kommunisten hatten in vorauseilendem Gehorsam bereits begonnen, Schlösser zu zerstören, um, wie sie es nannten, den "Rest des Junkertums" auszurotten. Dabei ging es nur noch um die Frage Abreißen oder Abfackeln. Vorwand für die Zerstörung war der Befehl von Marschall Sokolowski, er hatte den ostdeutschen Landesregierungen den Bau von 37 000 Häusern in den Neubauernwirtschaften befohlen. Ideologisch verklärt wurden Schreckensbilder über die Angehörigen des Adels in der deutschen Geschichte aufgebaut. Unterschiedslos wurden Angehörige der Aristokratie mit "Raubrittern, Militaristen und Faschisten" gleichgesetzt. Ihre Enteignung und die Vernichtung ihrer Gutshäuser feierten die Kommunisten als historische Tat.

Schlösser und Herrenhäuser vom Mittelalter bis zum Barock

In der folgenden Abhandlung ist das Augenmerk auch auf solche Anlagen gerichtet, die bisher in der Kunstgeschichte kaum Beachtung fanden.
In Tylsen, 15 km südwestlich von Salzwedel, fand eine der für die Altmark bedauernswertesten Tragödien einer völligen Destruktion eines in dieser Gegend
einmaligen Renaissanceschlosses als Folge des o.g. Befehls 204 statt. Das ehemals imposante Gebäude wurde 1620/21 unter dem damaligen Landeshauptmann der Altmark Thomas II. von dem Knesebeck errichtet. Das Schloß wurde über viele Jahre geschleift und diente der allgemeinen
Materialentnahme. Letztendlich sind nur noch die Außenmauern erhalten, an der Schaufassade Reste der nach Süden gerichteten Seitenrisalite und das Haupttor
mit den Allianzwappen. Der um 1890 umgestaltete Gutspark ist wegen fehlender Pflege völlig verwildert. Bestrebungen von Einzelpersonen
im Ort die Anlage zu sichern, incl. Schlossgraben- und Parkrekultivierung, das Gesamtensemble zusammen mit dem Alten Schloss aufzuwerten und in würdiger
Weise dem Fremdenverkehr zuzuführen, haben bisher nur zu Irritationen innerhalb der Gemeinde geführt. Die Fronten haben sich verhärtet, eine Einigung ist
nicht in Aussicht. Tylsen gehört zu den sechs Dörfern, die Otto I. 956 dem Kloster Quedlinburg schenkte. Vom Neuen Schloss etwa 300 m nördlich gelegen,
befindet sich das eigentliche Alte Schloss Tylsen auf dem Gelände eines wohl im 14./15. Jahrhundert angelegten rechteckigen Burghügels.(15)
Das in der DDR-Zeit planierte Gelände des wohl im 12. Jahrhundert entstandenen befestigten Wirtschaftshofes westlich des Burghügels, grenzt an die im 13. Jahrhundert errichteten Dorfkirche und erklärt somit die grundherrschaftlichen Besitzverhältnisse. Die Ruine der ehem. spätmittelalterliche Burgkapelle wurde
im 19. Jahrhundert provanisiert und bis in das 20. Jahrhundert als Gutsschmiede genutzt. Das Alte Schloss in Tylsen ist der einzige noch
komplex erhaltene Adelssitz dieser Art in der Altmark, dessen mittelalterliche Bausubstanz in Massivbauweise errichtet wurde.(16) Das etwa um 1 m erhöhte
Burgareal nimmt annähernd eine Fläche von 40 x 60 m ein und ist von einem 5 bis 15 m breiten ehem. Wassergraben umgeben. Im Ostteil des Gebäude
befindet sich als ältester Teil ein in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhundert aus Findlingen errichteter rechteckiger Wohnteil mit tonnengewölbter Unterkellerung.
Der Südflügel entstand etwa ein Jahrhundert später, bei den Erweiterungen von 1588 unter Thomas II. von dem Knesebeck. Dazu gehört eine bisher nur wenig beachtete aufwendig in Backstein errichtete Kelleranlage. Der jetzige Besitzer wohnt seit Ende der 80er Jahre in dem Alten Schloss und hat die Anlage im Zuge
der Deutschen Wiedervereinigung erworben. Schon zu DDR-Zeiten hat er mit baulichen Sicherungsmaßnahmen die solange lehrstehende Anlage zu retten
versucht. Bestandsaufnahmen zeigen oft, dass sich behutsame längerfristige Erhaltungsmaßnahmen günstiger auf die Bausubstanz eines Kulturdenkmals auswirken
als mit dickem Finanzpolster ausgestattete Hauruckaktionen. Jedoch ist am Alten Schloss der fortschreitende Verfall einfach nicht aufzuhalten, so dass inzwischen
die Standsicherheit in Teilbereichen in Frage gestellt wird. Hier sind in nächster Zeit dringende Sicherungs- und Erhaltungsmaßnahmen fällig, um den Verlust eines überregional bedeutsamen Kulturdenkmals abzuwenden. In der Nachbarschaft von Tylsen auf der gegenüberliegenden Seite der Dumme-Niederung befindet sich Osterwohle. Das Dorf ist überregional bekannt durch den im Inneren der Gutskirche um 1620 vollbrachten reichen Ausbau bzw. die Einrichtung aus ungefasstem Holz. In letzter Zeit ist Osterwohle besonders durch die Ausgrabung eines altsächsischen Reihengräberfeldes aus dem 8./9. Jahrhundert aufgefallen.(17) Bisher
zu wenig beachtet worden ist der Gutshof südlich der Kirche, welcher ein Kleinod eines Adelssitzes dieser Art in Norddeutschland darstellt. Auf dem Gelände einer mittelalterlichen Burganlage, von der noch wesentliche Teile des Wassergrabens und Wälle erhalten sind, befindet sich das um 1500 entstandene Gutshaus
derer v. d. Schulenburg
.(18) Im rechten Winkel dazu ist ein ebenso alter einstöckiger Zehntspeicher aus Fachwerk erhalten. Das
Herrenhaus wurde aufgrund des 1430 vom Landesherrn verhängten Massivbauverbots in Fachwerk ausgeführt. An der Rückfront des
Gutshauses ist die spätgotische Fassade weitgehend erhalten. Sie weist Treppenfriese an den Schwellen, reichgeschnitzte Knaggen, durchgehendes
Brüstungsholz und aufgeblattete Schrägstreben auf. Der Giebel und die Forderfront sind im 16. und 17. Jahrhundert erneuert worden. Als die vermutlich
älteste Bausubstanz ist das in Feldsteinmauerwerk ausgeführte Untergeschoss des dem Dorf zugewandten Standerkers zu betrachten. Mit
größter Wahrscheinlichkeit dürfte es sich hierbei um den Rest eines schon im 14. Jahrhundert errichteten Wohnturmes mit tonnengewölbtem Keller einer Niederadelsburg handeln. Das Haupthaus besitzt eine ungewöhnlich aufwändige Kellerhalle mit Kreuzrippengewölben.
Mittelalterliche Urkunden, die sich auf das Dorf beziehen, wie die von 1022, nach der Osterwohle im Güterverzeichnis des Klosters St. Michael in Hildesheim aufgeführt ist, haben sich als spätere Fälschungen herausgestellt, genauso wie die Erwähnung eines Archidiakon im Jahre 1241. Hilfreicher dagegen sind
originale Urkunden aus dem 15. Jahrhundert, als Adlige ihre Höfe in Osterwohle befestigen ließen. Aus diesem Vorhaben resultierte Streit mit der Bürgerschaft
aus dem nicht weit entfernten Salzwedel. Der schon erwähnte Landesherr als Schlichter, Kurfürst Friedrich II. ergriff natürlich Partei für den Adel, gegen die
reiche, sich unabhängig fühlende Hansestadt, deren Macht er brechen wollte. Der Gutshof ist durch die Bodenreform zweigeteilt worden. Das Anwesen ist seit
den 90er Jahren wieder bewohnt. Es ist zu wünschen, dass die bisher in Etappen ausgeführten behutsamen Restaurierungs- und Sanierungsmaßnahmen an den
durch jahrelangen Verfall geschädigten Bauteilen fortgeführt werden können. Ein über viele Jahre zunehmender Verfall konnte auf der bereits 1009 erwähnten
ehem. Reichsburg Tangermünde abgewendet werden.(19) Ausschlaggebend für die Sanierungsarbeiten an den hochmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Bauten ist die Einrichtung des Ringhotels "Schloss Tangermünde" in dem 1699-1701 an Stelle des Palas errichteten Wohnhauses für König
Friedrich I. in Preußen durch die Tangermünder Familie Busse. Im Zuge der Umbauarbeiten zum Hotel wurden auch die vom 30jährigen
Krieg und nachfolgenden Eingriffen verbliebenen mittelalterlichen Backsteingebäude der Burg saniert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. So die
mehrfach umgebaute sogen. Kanzelei mit ihrer romanischen Westmauer, die Ringmauer, die Bruchsteinmauer der Kernburg und der sogen. Kapitelturm, ein romanischer Wohnturm in der Vorburg aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhundert   Das obere nicht zum Turm passende
Geschoss stammt von den Restaurierungsarbeiten, die 1902 durch Kaiser Wilhelm II. in Tangermünde veranlasst wurden, und soll in historisierend
verklärter Weise an den Karlstein südl. von Prag erinnern.(20) Eine der schönsten Befestigungsanlagen Sachsen-Anhalts ist die Wasserburg in
Flechtingen. Schon 961 wird der Ort Flechtingen genannt, den Otto I. an das Moritzkloster in Magdeburg schenkte. Die Baugeschichte
der zweiteiligen Burganlage in einem künstlich angestauten See ist recht kompliziert. Die Burg wurde im 13. Jahrhundert auf einem Grauwackefelsen errichtet
und im Laufe ihrer Geschichte mehrfach verändert. Das heutige Erscheinungsbild wird geprägt vom Ausbau im 19. Jahrhundert. Erbauer der Burg waren mit
Sicherheit die Ministerialen v. Schenck, denn schon 1307 werden sie als Inhaber der Burg genannt, die ihnen dann noch bis 1945 gehörte.(21) Im Jahr
1436 erscheinen sie unter den schlossgesessenen Familien der Altmark.(22) Im Osten der annähernd dreieckigen Burginsel wird die ursprüngliche
Kernburg vermutet mit dem um 1300 entstandenen Palasgebäude. Die Kernburg wurde nach einem Großbrand 1483 in den westlichen Vorburgbereich verlagert. Umfassend ist die Burg im letzten Fünftel des 15. und 1. Viertel des 16. Jahrhundert umgebaut worden, weiterhin kamen
wesentliche Veränderungen am Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhundert hinzu. Den heutigen historistisch/neugotischen Charakter erhielt sie 1840
sowie 1865 bis 1890. Von 1964 bis 1966 sind erhebliche Eingriffe in die Substanz vorgenommen worden, die aus einem Umbau zum Alterstheim resultierten.
Seit etwa vier Jahren finden nun die längst überfällige Erhaltungsmaßnahmen statt. Die Altmark besitzt im Verhältnis zu anderen Landschaften nur wenige
Schlösser bzw. Herrenhäuser, die aus der Zeit vor 1800 unverändert erhalten geblieben sind. Eine Vielzahl barocker Herrenhäuser ist der "Bauwut" des 19. Jahrhundert zum Opfer gefallen. Entweder wurden sie gänzlich abgerissen, durch Neubauten ersetzt oder sind in der zeitgemäßen Architektur überformt
worden. Als unverändert barocker Putzbau ist das Schloss Döbbelin bei Stendal erhalten, das 1736 durch Umbau eines urkundlich erwähnten älteren Hauses entstanden ist. Von dem älteren Gebäude ist bei genauerem Hinsehen allerdings kaum etwas erhalten geblieben. Vorausgegangene Bauphasen
hat es aber auf jeden Fall gegeben, wie die in Backstein kreuzgratgewölbten Räume aus dem 16. Jahrhundert im östlichen Kellerbereich belegen.
Im Jahr 1344 ist die Familie v. Bismark im Besitz eines Teiles des 1160 genannten Dorfes Döbbelin. Hans Christoph v. Bismark übernimmt 1730 Döbbelin
und baut das Schloss im barocken Stil als einen langgestreckten, eingeschossigen Putzbau auf hohem Sockelgeschoss mit Mansardwalmdach auf.
Zweigeschossige dreiachsige Mittelrisalite befinden sich an Hof- und Gartenfront. Das Schloss blieb bemerkenswerter Weise bis zum Tod von Gertrud
Freifrau v. Nordeck 1963, sie war eine geborene v. Bismark, im Besitz der Familie. Danach wurde das Schloss vielfältig von der Gemeinde genutzt, es
beinhaltete das LPG-Büro, eine Arztpraxis, natürlich den Dorfkonsum und andere Einrichtungen. Nach der Wende erhielt Alexander v. Bismarck das
Grundstück zurück und sanierte bis 1999 Schloss, Park, Marstall und Taubenhaus, das vordem als Speicher genutzt wurde und vielleicht im Untergeschoss
den Rest eines spätmittelalterlichen Turms einer Niederadelsburg aufweist.(23) Direkt nördlich am Gutshof steht eine zweiteilige romanische
Saalkirche.(24) Ein weiterer barocker Putzbau befindet sich im Gutsdorf Vollenschier, etwa 15 km westlich von Stendal. Das in den
Dimensionen hinter Döbbelin zurückstehende Herrenhaus ist ein eingeschossiger Bau mit übergiebelten Risaliten auf der Vorder- und Gartenseite sowie Mansardwalmdach. Im Jahr 1993 ist das Gutshaus mit 2 ha Park von der Familie v. Engelbrechten-Illow zurück gekauft worden, der großzügige Gutshof mit
seinen Gebäuden zur landwirtschaftlichen Nutzung dann 1998. Auf dem Gelände wurde um 1869 ein zweigeschossiger historistischer Backsteinbau errichtet.
Er stammt wohl wie auch die eindrucksvolle neugotische Gutskirche am westl. Parkrand aus der Hand des Architekten Conrad Wilhelm
Hase aus Hannover. Die Gutskirche, lange vakant, wurde mit Hilfe eines Fördervereins größtenteils durch Spenden saniert. Dagegen hat nun
das zweigeschossige Herrenhaus schon das dritte mal in Folge den Besitzer gewechselt. Durch Vandalismus ist es im Inneren zu massiven Zerstörungen
gekommen, so dass eine Sanierung wohl nicht mehr im Verhältnis der Möglichkeiten steht. Da in den 90er Jahren die Flughafendiskussion Stendal International
in vollem Gange war und die Familie sich nicht unbedingt in die unmittelbare Nähe der Rollbahnen einquartieren wollte, hatten sie sich erst nach dem Jahre 2000,
als allmählich klar war, dass der Flughafen doch nicht gebaut wird, dazu entschlossen, das Gutshaus zu sanieren. Da das barocke Herrenhaus lange Zeit lehr
stand und dem fortschreitenden Verfall sowie der Destruktion ausgesetzt war, stellte sich die Frage aufgeben oder sanieren. Die Familie hat sich dann doch zur Sanierung durchgerungen, was sich natürlich bei dem desolaten Zustand des Gebäudes als sehr kostenintensiv niederschlug. Aber dem Arrangement der
Familien v. Engelbrechten-Illow und v. Karlowitz, deren Vertreter auch die benachbarten Güter bzw. Vorwerke in Ottersburg und Brunkau zurückgenommen
und unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten in vorbildlicher Weise saniert und sogar im alten Bild wiedererstellt haben, ist es zu verdanken, dass in
Vollenschier ein seltenes Kleinod der adeligen Baukultur des 18. Jahrhunderts in einer von Gütern geprägten Landschaft am Rande der Letzlinger Heide
erhalten geblieben ist. Für das Gutshaus in Welle ist ursprünglich ebenfalls ein barocker Putzbau anzunehmen. Im Jahr 1820 ist das Gebäude
für die Familie v. Bismarck auf Welle klassizistisch überformt worden. Das eingeschossige Herrenhaus mit Mansardwalmdach und dreiachsigen Mittelrisalit
besitzt an der Gartenseite ein von sechs toskanischen Säulen getragenen Altan vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Welle wurde erstmals 1151
erwähnt. Der Ort ist ein typisches Gutsdorf, wie es sich aus dem Mittelalter heraus in dem Nebeneinander von Herrenhof, Gutskapelle, Leutehäusern und Verwalterhaus entwickelt hat. Zwischen der dreiteiligen romanischen Kirche mit erhöhtem Turmeinstieg zum unmittelbar benachbarten
Gutshofbesteht jedenfalls die klassische Topographie, die auf ein hohes Alter des Gutstandortes schließen läßt. Im Haus befand sich zu DDR-Zeiten der
obligatorische Konsum aber auch mehrere Wohnungen, die um 1990 geräumt wurden. Frau Dr. Mohr, eine Nachfahrin der Familie v. Bismarck, hat das
Grundstück und sogar die baufällige Kirche erworben. Seit zwei Jahren wird der Gutshof saniert. Das Herrenhaus wird in Zukunft wieder bewohnt sein und
die seit Jahrzehnten vakante Kirche soll gerettet und der öffentlichen Nutzung, z.B. Konzerte, Ausstellungen, zugeführt werden. Das zweigeschossige, heute
von der Forstverwaltung genutzte Herrenhaus in Burgstall steht auf dem Gelände einer vermutlich im 11. oder 12. Jahrhundert zur Verteidigung der Elbgrenze
zu den slawischen Gebieten geschaffenen Hauptburgen der Altmark. Die Interpretation des Ortsnamens Burgstall könnte sogar eine in
karolingische Zeit zurückgehende Befestigungsanlage wahrscheinlich werden lassen.(25) Allerdings haben hierzu die bisher nur äußerst dürftigen Aussagen
in der Forschung zu keinem einheitlichen Ergebnis geführt. Graben und Wallreste um einen 5 m hohen Turmhügel belegen eine hoch- bis spätmittelalterliche
Anlage. Eine weit ältere Befestigungsanlage wird in der scharf begrenzten Erhöhung vermutet, auf der auch die im 19. Jahrhundert errichtete
Backsteinkirche steht. Zusammen mit Teich und Grabenresten kann eine großzügig angelegte trapezförmige Anlage rekonstruiert werden,
die sich um die Försterei mit dem sekundär angelegten Burghügel zieht. Bis 1852 war die ältere größere Anlage, welche die Nordost-, Ost, und Südseite umgab,
noch als Wall-Grabensystem erkennbar. Dass die Burganlage im Mittelalter eine gewisse Bedeutung besessen hatte, ist schon durch ein 1320 und 1323 nachgewiesenes Witwengut von Agnes, der Gemahlin Waldemars, bezeugt. Im Jahr 1345 gelangte dann durch markgräfliches Lehen die zum schlossgesessenen Altmärkischen Adel aufgestiegene Familie v. Bismarck in Besitz der Burg, bis sie dann 1562 vom brandenburgischen Kurprinzen eingezogen wurde. Der auf einem hohen Keller errichtete barocke Putzbau mit Krüppelwalmdach und Freitreppe in Sandstein nach Westen besitzt mit Sicherheit vorausgegangene Bauphasen, die
in der Bauforschung noch einer Klärung bedürfen. Die Familie von Bismarck auf Burgstall saß auch seit dem 14. Jahrhundert das ehem. Rittergut Briest,
welches sie als markgräfliches Lehen hatten. Der aus zwei Flügeln bestehende dreistöckige Fachwerkbau mit unverputzter Ziegelausfachung
ist 1624 von Christoph von Bismarck erbaut worden. Der Südflügel besitzt Ziergiebel an den Schmalseiten und einen breiten Zwerchgiebel an der Südseite
zum Hof. Nach einem Brand im Jahr 1839 wurde das Gutshaus erneuert und historisierend am Westgiebel mit dem Anbau eines massiven Turmes versehen.
Im Winkel steht ein massiver außen achteckiger und innen runder Treppenturm. Das Rundbogenportal ist aus Sandstein gefertigt mit Sitznischen in den
Gewänden.   Die Familie von Bismarck hat das Gut zurückgekauft und zur Sanierung wurde ein Förderverein gegründet. Geplant
ist auch eine öffentliche Nutzung, die gerade vorbereitet wird. Die Familie wird mehrere Räume für eine vielseitige Nutzung des Hauses dem Verein unentgeltlich
zur Verfügung stellen. In den betreffenden Räumen sind Konzerte, festliche Veranstaltungen und Trauungen geplant. Weiterhin sollen hier ausgewählte Objekte
aus dem Hause Briest und der Familie v. Bismarck museal gezeigt werden. Bisher ziemlich unbeachtet geblieben in der Altmark sind barocke Herrenhäuser,
die als Fachwerkbauten mit unverputzten Ziegelausfachungen vorkommen. Das Gutshaus in Lindstedt, ist ein schlichter zweigeschossiger Fachwerkbau mit niedersächsischen Einflusses. Das Gebäude sollte 1946 vernichtet werden, da aber mehrere Flüchtlingsfamilien schon vor 1945 im Haus eine
Bleibe gefunden hatten, sah man von dem Vorhaben ab. Das Herrenhaus ist für das Adelsgeschlecht derer v. Lindstedt wohl als Folge des 1640 abgebrannten Vorgängers erbaut worden. Hofseitig hat sich die originale barocke Eingangstür über der Freitreppe aus Sandstein erhalten. Da das Gutsarchiv,
welches auf dem Dachboden gelagert war, 1945 von dem Amerikanern verbrannt wurde, ist die Bauzeit des Gebäudes für die erste Hälfte des 18. Jh.
angenommen worden. Dendroproben vom eichenen Pfettendachstuhl des Walmdaches ergaben das Fälldatum Winter 1704. Das schlichte Äußere setzt sich
auch im Inneren fort, überzeugt aber durch die weitgehend erhaltene Vollständigkeit der barocken Raumteile. Erschlossen wird das Gebäude durch das
Hauptportal, die oberen Räume erreicht man über eine seitliche Eichentreppe im Ostteil. Das schlichte Erscheinungsbild des Fachwerksgebäudes
wird durch die erstaunlichen Raumhöhen im Innern aufgehoben, ein herrschaftlicher Anspruch ist unverkennbar. Kamin, Türen, Dielung, sowie die Farbfassung
des sogen. Rittersaales im Obergeschoss sind bauzeitlich.     Das Interieur ist trotz massiver Eingriffe weitgehend
erhalten geblieben. Vor 1990 nutzten die örtliche LPG und der Rat der Gemeinde Lindstedt den Gutshof, der heute als desolater Vierseithof noch besteht.
Nordöstlich am Hof ist ein mittelalterlicher Turmhügel mit einem Durchmesser von 20 m und einem fast verlandeten 5 m breiten Graben erhalten. In den 80er
Jahren wurde auf Wunsch der Gemeinde das Herrenhaus von der Denkmalliste gestrichen und war somit sofort den verschiedensten "Geschmacksrichtungen" ausgesetzt. So wurde u. a. die ca. 300 Jahre alte Linde vorm Haus entfernt und durch Obstbäume sowie andere regional untypische Gehölze der neuen Fassadegestaltung angepasst. Zuwegungen aus Beton entstanden und vierflügelige Fenster wurden gegen neue ausgetauscht sowie am Hauptportal sogar
durch bunte Glasbausteine ersetzt. Heute wohnt im Obergeschoss eine Familie, der übrige Teil wird durch einen Kindergarten genutzt. Mit der Wende
wurde das Herrenhaus wieder in die Denkmalliste aufgenommen und Ende der 90er Jahre ist die marode Dachdeckung durch eine neue Biberschwanzdeckung
ersetzt worden. Durch die Bodenreform ist der Hof dreigeteilt. In Folge einer Auktion ist vor kurzem ein Teil der dringend sanierungsbedürftigen
Wirtschaftsgebäude wieder weiterveräußert worden. Der neue Eigentümer strebt Reittourismus an. Das Herrenhaus hingegen gehört dem Treuhandnachfolger
und wird von der Gemeinde Lindstedt verwaltet. Ein Herrenhaus gleichen Bautyps, erfreulicher Weise von nachteiligen Überformungen verschont geblieben,
befindet sich 10 km westlich von Lindstedt, in Schenkenhorst. Erbaut wurde das zweigeschossige Fachwerkhaus von der Familie von
Alvensleben im Jahre 1705, also zur gleichen Zeit wie Lindstedt. Es tritt in den Dimensionen hinter diesem nur leicht zurück, besitzt ebenfalls einem hohen
Keller und ein Walmdach. Eine doppelseitige Freitreppe in Sandstein führt parkseitig in die Hochparterre. Die Gefache waren wie in Lindstedt ursprünglich ziegelsichtig. Der Gutshof, dessen Areal noch auf drei Seiten von Wassergräben einer mittelalterlichen Befestigungsanlage umgeben ist, und die Wirtschaftsgebäude, die sich östlich des Herrenhauses befinden, gelangten schon im 19. Jahrhundert in bürgerlichen Besitz. Als
Bauernwirtschaft ist das ehem. Gut von den allgemeinen Repressalien ab 1945 ausgenommen worden. Das Herrenhaus gehört weiterhin der ansässigen
Familie bzw. Erbengemeinschaft. Ein weiteres barockes Gutshaus dieser Bauart steht in Deutschhorst ca. 20 km westlich von Salzwedel. Der zweigeschossige Fachwerkbau mit Walmdach ist 1750 von der Familie von Meding erbaut worden und ging später in den Besitz derer
von dem Knesebeck über. Der nordseitige überformte Anbau stammt aus dem 19. Jahrhundert, ein Uhrenturm wurde wegen Einsturzgefahr nach 1945
beseitigt. Um das Gutshaus sind die Reste eines gebogenen Grabens einer mittelalterlichen Befestigungsanlage erhalten. Im Süden wird der Gutshof von
einer spätgotischen Gutskapelle abgegrenzt. Das Grundstück ist durch die Bodenreform geteilt und seit kurzem durch Versteigerung auf nun drei Grundstückseigentümer übertragen.

Eine Kurzauswahl von Gutshäusern des 19. und 20. Jahrhunderts

Schloss Weteritz, 5 km westl. von Gardelegen, ist ein klassizistischer Putzbau von 1831 in einem um 1830 aus dem Umfeld von Peter Joseph Lenne
angelegten Park. Die Stadt Gardelegen soll etwa 130 000 Euro an das Land zurückzahlen. Mit diesem Betrag wurde vor 14 Jahren die
Sanierung des Schlosses gefördert. Die Stadt hat es dann an einen Privatmann verkauft, was gegen die Förderrichtlinien verstößt, deswegen nun wieder
Geld zurück, plus den angefallenen Zinsen. Auf dem Gelände der ehem. markgräflichen Burg Gardelegen ist das sogen. Schloß Isenschnibbe an Stelle
eines barocken Vorgängers erbaut. Ein neubarocker Putzbau von 1906, mit bis dato guterhaltener Innenausstattung in neubarocken- und Jugendstilformen. Das Haus mit ausgedehntem Landschaftspark wurde zu günstigen Konditionen an einen Gärtner und einer Krankenschwester aus Bayern
verkauft. Seit dem wird das Herrenhaus nicht mehr genutzt. Neuerdings steht es wieder zum Verkauf. Das klassizistische Schloss Kunrau, etwa 15 km
westl. der Stadt Klötze, ist 1859 bis 1861 für den bekannten Agrarwissenschaftler Theodor Hermann Rimpau erbaut worden. Es befand
sich von 1992 bis 2005 in Benutzung der Verwaltungsgemeinschaft Jeetze-Ohre-Drömling, die das Gebäude in Etappen sanieren ließ. Durch die kommunale Gebietsreform wurde der Verwaltungssitz verlegt. Schloss Storkau bei Stendal ist ein neubarocker Bau, der 1912 bis 14 malerisch am Elbufer in großer
Parkanlage neben einem älteren Gutshof errichtet wurde.   Gleich südlich neben dem Gutshof am Steilhang der Elbe gelegen,
steht eine spätromanische in Backstein errichtete Chorturmkirche. Das Schloß und die Nebengelasse werden seit der Instandsetzung 1996 erfolgreich als Hotel
genutzt. Schloss Calberwisch ist als gründerzeitlicher Backsteinbau 1875 für die Familie v. Jagow nach Entwurf von Martin Gropius und Heino Schmieden
erbaut worden. Es wurde nach der Instandsetzung in den 90er Jahren als Hotel genutzt und ist seit kurzem an das neugebaute Zellstoffwerk
Arneburg verpachtet. Das Herrenhaus Osterholz in der altmärkischen Wische ist ein zweieinhalbgeschossiger Backsteinbau auf Souterrain mit
spätklassizistischer Putzgliederung. Es wurde Mitte des 19. Jahrhunderts für die Familie v. Knoblauch erbaut. Das Gebäude soll einen
Interessenten haben, offensichtlich sind jedoch die Eigentumsfragen recht kompliziert. Wegen fortschreitendem Verfall wäre eine Sanierung dringend
erforderlich.(26) Für die Rittergüter I und II in Gethlingen interessiert sich niemand mehr, das schlichte Herrenhaus aus Fachwerk von Gut I wird der
Nachwelt wohl nicht erhalten bleiben. Das spätklassizistische Herrenhaus von Kannenberg, ein elfachsiger Rechteckbau, befindet sich
auf dem mittelalterlichen Stammsitz derer v. Kannenberg in der Wische. Später gehörte es verschiedenen Besitzern. Der Sohn des letzten
Besitzers Wilhelm Schulze, der es bis zur Zwangsenteignung führte, baut seit 1991 den dazugehörigen landwirtschaftlichen Betrieb wieder auf und möchte
das Schloss renovieren und teilweise einer öffentlichen Nutzung zuführen.

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(1)
. Die Brandenburgischen Markgrafen verzichteten 1350 auf Wittingen; Schnackenburg an der Elbe gehörte noch bis 1391 zu ihrem Besitz.
       (zurück zum Text)


(2).
Die Bezeichnung A l t m a r k bildet sich erst ab der Mitte des 14. Jahrhunderts heraus und geht anfänglichst nur auf eine Flurbezeichnung bei Stendal
       zurück.(zurück zum Text)


(3).
Die Milde besaß auch noch den anderen Namen R o d o w e, im Jahre 786 erwähnt. Spätestens ab der jüngeren Bronzezeit können an diesem Flußsystem
      ganz deutlich archäologische Kulturen unterschieden werden, der Verlauf der Grenze zwischen den Bistümern wird daher nicht willkürlich gezogen worden
      sein. Zum Diözesangrenzverlauf besonders in: Bogumil, Köln/Wien 1972: Das Bistum Halberstadt im 12. Jahrhundert. Mitteldeutsche Forschungen, B. 69.
      Diestelkamp, 1932: Der Balsambann am Ausgange des 15. Jahrhunderts, Ein Beitrag zur Geschichte der mittelalterlichen Pfarrorganisation und der
      Diözesangrenzen in der Altmark. Zeitschrift des Vereins für Kirchengeschichte der Provinz Sachsen 28, S. 107-143. Langer, Halle 1906, Die Grenze der
      Bistümer Verden und Halberstadt von der Elbe bis zur Ohre. Archiv für Landes- und Volkskunde der Provinz Sachsen und des Herzogtums Anhalt nebst       angrenzenden Landesteilen, 30, S. 11-12, Laudage, 1989, Die Entstehung des Bistums Verden an der Aller, Stader Jahrbuch S. 22-44, Wentz, 1936, Die
      Kirche in Altmark, Prignitz und Havelland in voraskanischer Zeit, Brandenburger Jahrbücher 4, S. 41-48, betr. Bistümer Halberstadt, Brandenburg und
      Havelberg. (zurück zum Text)


(4).
Die Grafen von Stade z. B. hatten von 1056-1128 die Nordmark verwaltet. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Udonen die Burg Salzwedel
      als Hauptort wählten, wie die Ereignisse von 1112 zeigen, als sich dort die Brüder Rudolf und Lothar gegen das anrückende kaiserliche Herr       verschanzten.(zurück zum Text)


(5).
Im späten Mittelalter entstehen besonders in der nordwestlichen Altmark zahlreiche kapellenartige Feldsteinkirchen.(zurück zum Text)


(6).
Nur Stendal stellt eine Ausnahme dar. An wichtigen Fernhandelsstraßen gründet Albrecht der Bär um 1160 auf einer von zwei Uchte-Armen gebildeten
      Insel im Dorf Steinedal (heutiger Stadtteil Altes Dorf) eine Marksiedlung.(zurück zum Text)


(7).
Nach Paul Grimm, Die vor- und frühgeschichtlichen Burgwälle der Bezirke Halle und Madeburg, Berlin 1958, S. 193-142, ist im Altsiedeland in der
      Regel der Hof älter, die daneben angelegte Burg jünger. Im Gebiet der inneren Kolonisation geschieht der Bau des Hofes, der Burg und der daneben
      liegenden Kirche etwa gleichzeitig. Ulf Frommhagen, Wehrtechnische Aspekte an Dorfkirchen in der Altmark, Halle 2005.(zurück zum Text)


(8).Ulf Frommhagen,
Wehrtechnische Aspekte an Dorfkirchen in der Altmark, Halle 20(zurück zum Text)


(9).
Offensichtlich herrschte noch nach 1150 in der Altmark das traditionelle Eigenkirchenwesen vor. Das germanische Eigenkirchenrecht wurde 826 von
      der Kirche anerkannt, im 12. Jahrhundert erfolgreich von ihr bekämpft und allmählich in das Patronat umgewandelt. Die Eigenkirche war in der Regel
      eine Gründung des betreffenden Eigenherrn, der die auf privatem Grund stehende, im Eigentum des Grundherrn befindliche Kirche vererben oder
       veräußern aber nicht in ihrem Zweck entfremden durfte. Des weiteren entschied der Grundherr auch über die Einsetzung des Geistlichen. Das
       Eigenkirchenwesen ist aus der germanischen Rechtsanschauung entstanden, im krassen Widerspruch zur römisch-rechtlichen Lehre von der Einheit des        Kirchenvermögens. Als Albrecht der Bär 1134 Gebiete in der Altmark im Raum Tangermünde/Arneburg sowie um Salzwedel und Werben erwarb, war  
       diese Gegend unter Eigendynasten in viele Machtbereiche aufgeteilt. Die Brandenburgischen Markgrafen benötigten ein ganzes Jahrhundert, um diese        Eigendynasten zu entmachten, zu verdrängen oder sie zu ihren Vasallen zu machen.(zurück zum Text)


(10).
In der lokalen niederdeutschen Mundart wird der Hocheingang als L u e r l o c k bezeichnet, was mit Lauerloch übersetzt werden kann.
        (zurück zum Text)


(11).
Z. B. in Büste und Hohenwulsch. (zurück zum Text)


(12).
Bisher nachgewiesen in Gr. Möringen, Ballerstedt und Flessau.(zurück zum Text)


(13)
.Derartige Befunde sprechen dafür, dass sich der Eigenherr die zusätzliche Option des "türmens" trotz Widersprüchen im mittelalterlichen Recht vorbehielt.
         Die Wehrkirchenthese, wie sie gern in der populärwissenschaftlichen Literatur herangezogen wird, muss energisch zurückgewiesen werden. Wehrhafte
         zur Verteidigung dienende Vorrichtungen wie Zinnen, Schießscharten oder Pechnasen kommen an altmärkischen Kirchen nicht vor.(zurück zum Text)


(
14).Hier besonders die Grafen von Osterburg/Veltheim, die über zahlreiche Ministeriale und Vasallen verfügten, so auch die Edelfreien von Gardelegen, die
         um 1150 die Grafenwürde erlangen, die Grafen von Grieben, die Edelfreien von Klöden, die Edelfreien von Gans (im 13. Jh. zu Putlitz) u. a.
         (zurück zum Text)


(15).
Im Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 ist in Tylsen lediglich ein befestigter Adelshof aufgeführt, die Errichtung der Niederadelsburg mit fester
        Bebauung ist auch hinsichtlich der Befundlage erst im 15. Jahrhundert erfolgt.(zurück zum Text)


(16).
1430 wurde vom Landesherrn ein Massivbauverbot verhängt.(zurück zum Text)


(17).
In den Jahren von 1986 bis 1995 konnten die Mitglieder des Vereins "Junge Archäologen der Altmark e.V." ein fast komplettes Reihengräberfeld aus der
        Zeit des 7.-10. Jahrhunderts ausgraben, mit anfänglichst heidnischen und ab der Mitte des 9. Jahrhunderts christlichen Bestattungen.(zurück zum Text)


(18).
Ähnlich dem benachbarten Tylsen sind im Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 in Osterwohle nur befestigte Herrenhöfe erwähnt.
       (zurück zum Text)


(19).
Thietmar von Merseburg: Chronik (zurück zum Text)


(20).
Deutlich sind unterhalb des oberen Geschosses Reste von Zinnen zu erkennen. Sollte es aus der Zeit Karls. IV. oder der Hohenzollern ein oberes
         Turmgeschoss gegeben haben, dann sicherlich nur aus Fachwerk.(zurück zum Text)


(21).
Allerdings kann die Familie 1853 als ausgestorben gelten, denn der Name wurde von dem Adoptivneffen in der 2. Hälfte des 19. Jh. weitergeführt.
        (zurück zum Text)


(22).
Seit 1244 ist die Burg an die von Schenck auf Dönstedt verlehnt. Sie bekleideten hohe Ämter im Dienst der Markgrafen von Brandenburg.
        (zurück zum Text)


(23
).
Ein ähnliches zweigeschossiges Speichergebäude von 1561, das sogen. Hundeloch, befindet sich in Kloster-Neuendorf bei Gardelegen. Das Erdgeschoss
         mit Tonnengewölbe aus Feldstein und das Obergeschoss in Fachwerk. Hinsichtlich der Untergeschosse lassen sich m. E. auch Vergleiche zu dem o. g.
         Wohnturm in Tornau ziehen.(zurück zum Text)


(24).
Zwischen Kirche und Gutshof ist in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts ein bronzenes feuervergoldetes Kruzifix aus der Zeit zwischen 1110 bis 1130
        gefunden worden.(zurück zum Text)


(25).
Paul Grimm: Die Vorgeschichtlichen Burgwälle der Bezirke Halle und Magdeburg, Berlin 1958.(zurück zum Text)


(26).
Interessant ist der malerische Sichtkontakt zwischen Gut Osterholz und dem etwa 2 km entfernten Gut Altenzaun an der Elbe, als ein Relikt der früheren          nachbarschaftlichen Beziehungen von Gutsherrschaften in der Altmark.(zurück zum Text)
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