altmarkgeschichte

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Ludolph (XI.) von Alvensleben

Sterbedatum:
00.00.1589
Ort:
Kalbe (Milde)
Standort:
Kirche St. Nicolai
GPS:
52.650456 - 11.389446

Epitaph für Ludolph (XI) von Alvensleben (+1589), seine Ehefrau Anna geborene von der Schulenburg (+1604) und sein Kind Ludolph (+1575) an der Südwand des Altarraumes vor der Orgelempore.

Das über 6 m hohe und 4,20 m breite Epitaphium zerlegt sich in drei horizontal zusammengefügte Teile. Im oberen Teil ist von symbolischen Gestalten flankiert in einem Alabasterreliefs, der Weltenrichter dargestellt.
Der mittlere Teil enthält durch allegorische Figuren getrennt Alabasterreliefs, die die Kreuzigung Christi (links), die die Auferstehung Christi (Mitte) und die Himmelfahrt Christi (rechts) darstellen. Vor diesem mittleren Teil knien auf einer breiten Konsole in lebensgroßer Gestalt Ludolph, seine Ehefrau und ihr früh verstorbenes Kind Ludolph (Alabaster).
Der untere Teil des Epitaphiums enthält in 4 aufeinander stehenden Kolonnen nachstehende Inschriften:
A) Clare Ludolphe, tuus post fata Ludophulus infans Ursula in hac posuit mebra tenella sus, Insertusque fide Christo sub flumine sacro. Est factus summo massa renata deo Vixit: sed postquam mundi tot erremina vidit. In gremium rediit, Christe benigne, tuum. Vivus erat mortis, nue dueit uaecula vitae Coelica, dum Christus regna ermore dedit. Ast ubi jam sapist mundi textura ruinam. Ut seferat Christus praemia vera piis. Tune Deus hoe eineres in lueida corpora vertet. Ut certent radiis, candide Phoebe, tuis. Tune pater his natus sum te quoque fata vocaruat Rursus in amplexus candida colla dabit.Anna, tuum sequeris natum sequerisque maritum Anna Schulenburgae stirpa generosa damus.
B) Quos Deus his thalamo vivoe conjunxerat uno, Ursula defunctos nune tegit una duos. Scilicet humanae sors haec est lubrica vitae, Ut mode qui vivunt, mox obiisse feras Ut folis arboribus riguo creseebtibus horto Protinus haec surguat, protinus illa cadunt Sie quoque nos morimur vitaeque misserimus erde est. Naseimur, hine eineres mox vecat urna suos, Quodque est umbra fugax sese incinstantior ipsa. Hoe vere nosttoe dixeris case dies.
C) Namque breves fugiunt non lentis passibus anni,Atterimur, tandem tessera nostra mori. Spiritus ast horum sublatus in aethere vivit.Vivit et aeternae regna salutis habet. Summa dies veniet, summo quo a sulmino terra Corruet et mundi pulehra theatra candent. Flosculus his tumulis nitido splendore resurget, Qui vincat radios, splendide Phoebe, tuos. Anna tuum oernes natum, tune Anna maritum Stabuntque seternum gaudia tante tibi. Obiit an M.D.CIV die XIX. April.
D) E regione vides pario sub marmore Bussum, Bussum non uno nomine triste mihi. Nimque sub hac recubat resolutus morte Ludolphus, Alvonum clarus sanquine natus eques, Justiciae custos, sequi verique patronus, Qui fuit et generis gloria vero sui. Non secus ut quondam Danaum fortissimus Aiax. Sie quoque in aeteris, oeu rosa, flore cadis, Erge, Ludolphe, jases, sed non jacet inalyta virtus, Fama vel invita vivare morte solat. Quod monumenta docent exornatacque columnae. Illm tui seternum pignus amoris erunt, Clare Ludolphe vale, coeli dileissimus heres, Inque sinu Christi vive, quiesce, vale. In terris labor est, requies sed duleis in urna In summo venient gaudia summa die. Wer diese Verse verfaßt hat, ist unbekannt. Zu vermuten aber ist, dass sie dem Inspector Johannes Sinapius stammen, der für die Familie von Alvensleben mehrere Leichenpredigten verfasst und veröffentlicht hat.

In freier Übersetzung lauten die Verse:
A) Erhabener Ludolph, dein Sohn Ludolph ist nach dem Tode in dieses Grab gesetzt, das seine Glieder bewahrt. Durch Glauben ist er in heiliger Vollkommenheit Christus beigesellt und ist auf erhabene Weise bereitet, Gott wiedergeboren. Er hat gelebt, jedoch ist er, nachdem er so viel Schuld der Welt gesehen hat, gütiger Christus, in deinen Schoß zurückgekehrt. Als er lebte war er des Todes, nun führt er das Leben in himmlischer Ewigkeit, die Christus durch die Herrschaft des Blutes schenkt. Als er schon das Verderben der Welt erfaßt, gibt Christus den wahren Lohn des Frommen. Gott verwandelt die Gebeine in leuchtende Körper, dass sie mit deinen Strahlen wetteifern, leuchtender Phöbus! Dann Vater, wenn auch dich die Geschicke zurückrufen, wird dieser Sohn dich umarmen in leuchtenden Höhen. Anna, du folgst deinem Sohn und folgst deinem Ehemann, Anna v.d. Schulenburg aus hochedlem Hause geboren.
B) Welche Gott als Lebende hier in einer ehe verbunden hatte, nun deckt ein Grab zwei Verstorbene. Das Los menschlichen Lebens ist Flüchtigkeit, weil die die, die Leben bald sterben läßt. Wie die Blätter an blühenden Bäumen im fruchtbaren Garten beständig emporstreben, so schnell fallen sie ab. Das ist der armselige Zustand des Lebens, dass auch wir so sterben müssen. Selbst die behagliche Ruhe ist flüchtig und schwankend, so sind in Wahrheit unsere Tage.
c) Die kurzen Jahre fliehen nicht mit behäbigen Schritten , bald sind wir erschöpft, endlich fallen die Würfel des Todes aber der Geist derer lebt erhalten in Ewigkeit, er lebt und besitzt die ewige Herrlichkeit des Heils. Der Letzte Tag kommt, an welchem die Erde vom höchsten Punkte niederstürzt und die herrlichen Spiele der Welt aufhören. Das Blümlein steht wieder aus den Gräbern zu strahlendem Glanz, das deinen Stab besiegt, glänzender Phöbus. Anna, die wirst deinen Sohn sehen und deinen Ehemann und alle himmlischen Freuden der Ewigkeiten werden dir bleiben. Sie starb im Jahr 1604, am 19. April Gerade gegenüber siehst du, wie ich bezeuge, unter dem Stein Busso, und nicht allein durch diesen einen Namen Busso bin ich traurig gestimmt, denn nun ruht unter solchem auch der durch den Tod aufgelöste Ludolph, geborener Ritter, berühmt durch seine Blutsverwandschaft, ein Hüter der Gerechtigkeit, ein Wahrer des Rechtes und der Wahrhaftigkeit, der geschaffen war zum Ruhm seines Geschlechtes, gerade wie ein kräftiger Ajax der Griechen, aber im Alter, gleichwie die Rose, eine verwelkende Blume. Nun Ludolph, ruhst du, jedoch die gerühmte Kraft ruht nicht wie Monumente und herrliche Säulen lehren, jene aber wird ewig der Beweis deiner Liebe sein. Erhabener Ludolph, lebe wohl, lieblichster Erbe des Himmels. Was auf Erden Mühe ist, liebliche Ruhe im Grabe. Die höchsten Freuden kommen am jüngsten Tage.
Der letzte Vers D) ist noch einmal aufgeschrieben auf einer Tafel, die an der Bälgekammer unter der Orgelempore befestigt ist. Scheinbar hat es früher noch ein Portrait des Ludolph von Alvensleben in der Kirche gegeben, unter dem diese Tafel angebracht war. Übersieht man die barocke Schwülstigkeit der Sprache, so gewähren die Verse doch einen Einblick in die Vorstellungswelt der Zeit um 1600.

Die über der Schrift angebrachten 16 Ahnenwappen spiegeln die Verwandtschaft Ludolphs v. Alvensleben und seiner Ehefrau Anna v.d. Schulenburg wieder, 4 dieser Wappen sind noch nicht endgültig identifiziert.
Für Ludolph sind von der Mitte nach links angebracht die Wappen v. Alvensleben, v. Bülow, v. Moltke, v. Malzan, v. Alten, v. Rohr, v. Malzan, N.N.
Für Anna sind von der Mitte nach rechts angebracht die Wappen v.d.Schulenburg, v. Quitzow, v. Rohr, v,. Arnim, N.N., v.d.Schulenburg, N.N.,N.N..
Von sämtlichen Wappen sind die Helmzierden abgebrochen. Das hat George Adalbert von Mülverstedt in seinem Codex Diplomaticus Alvenslebianus, Band 3 aus dem Jahre 1885 schon festgestellt.