altmarkgeschichte

Datenbank Historischer Grabmäler der Altmark





Felicitas Schenk von Flechtingen

von Alvensleben

Sterbedatum:
21.03.1564
Ort:
Flechtingen
Standort:
Kirche
GPS:
11.142038 - 52.195482

Beschreibung:
Grabplatte, Sandstein, in der äußersten Südostecke des Kirchenraumes wohl bereits im Zuge einer tiefgreifenden Umgestaltung des Kirchengebäudes 1722-1727 aufgestellt; heute innerhalb eines historischen Kirchenstuhls; daher dem Blick des Besuchers zunächst entzogen. Die Platte in der Wand verklammert. Infolge einer späteren Aufhöhung des Fußbodens sind die unteren Partien der Platte (u.a. Inschriftleiste, Teile der Ahnenprobe) verdeckt, vielleicht auch zerstört.

Die Verstorbene in reich ornamentierter Rundbogennische stehend; ihr Kopf leicht geneigt und nach rechts gewandt, die Hände im Gebetsgestus zusammengelegt. Die Kleidung durch die kräftig gebauschten und wohl auch geschlitzten Schulterkugeln dominiert; Mantel, Kleid und plissierte Haube ansonsten eher schlicht. Die wie eine Stola getragenen, vorn bis auf den Kleidersaum herabhängenden Stoffbahnen lassen die Dargestellte als Trauernde, hier allerdings noch kaum als Witwe, erkennbar werden.

Vier Ahnenwappen als Vollwappen in runden Medaillons. Väterlicherseits (heraldisch rechts) oben: Alvensleben; unten (im Ansatz noch erkennbar): Rochow. Mütterlicherseits (heraldisch links) oben: Trotha; unten: (nur noch steigende Tierfigur der Helmzier erhalten; bei Heinecke/Reinitzer (s.u.) als Wappen Schenk fehlinterpretiert).

Einzeilig umlaufende, erhaben gearbeitete Inschrift in gotischer Minuskel mit lateinischen Initialen: "Anno . 15 . 64 Den // 21. Martius Ist Die Edele Vnd Fieldogentsame Felicitas Ge // [ganze Zeile verdeckt] // Henni Schencken Eliche Havsfrave In Got Entschlafen".

Besonders auffälliges Parallelstück in Halberstadt (Liebfrauen) in Gestalt der Grabplatte Sophie v. Veltheim, Witwe des NN v. Dorstadt von 1572
(http://www.inschriften.net/halberstadt-stadt/inschrift/nr/di086-0151.html#content); desgleichen in der Pfarrkirche St. Petri in Emersleben in Gestalt der Grabplatte für Franz v. Dorstadt (http://www.inschriften.net/halberstadt-stadt/inschrift/nr/di086-0153.html#content) sowie in Goslar im Falle der Grabplatte des Jobst v. Schwicheldt, gest. 1572 (http://www.bildindex.de/document/obj20202391/mi05411a13/?part=0). Ohne bis dato den Schöpfer der hochrangigen Bildhauerarbeiten bestimmen zu können, darf ein Werkstattzusammenhang zwischen den genannten Stücken und der Grabplatte für Felicitas Schenk geb. v. Alvensleben als gesichert gelten.

Felicitas Schenk geborene von Alvensleben war eine Tochter Matthias I. von Alvensleben auf Erxleben und der Gertrud von Trotha. Sie heiratete vor 1544 Henning Schenk von Flechtingen auf Flechtingen (1/4) und Lemsell, der zunächst 1513 in Magdeburg zum Domherrn postuliert wurde, später in Erfurt studierte, aber wegen seiner geplanten Heirat auf die geistliche Pfründe verzichtete und nach 1569 starb.

Literaturquellen:
Zur Person und zum Objekt: Auf steinigem Grund – Flechtinger Chronik des Pastor Willing mit Fotografien von Albert Jennrich, hrg. anlässlich der 1050-Jahr-Feier von Flechtingen durch die Evangelische Kirchengemeinde Flechtingen, Haldensleben 2011, S. 90-91 (mit Lesefehlern bei der Inschrift); Irene Heinecke/Heimo Reinitzer, Flechtingen - Seine evangelische Kirche und ihre Ausstattung, Altenburg 2015, S. 70-71 mit guter Abbildung, jedoch groben Lesefehlern der Inschrift sowie Schwächen in der Beschreibung (u.a. "säulengetragene Rundbogennische"). Auch die nicht belegten Ausführungen über ihre angeblich einzige Tochter (sie hatte wenigstens drei Töchter sowie einen Sohn!) entsprechen nicht dem derzeitigen Stand der Forschung. Selbst Mitte des 17. Jahrhunderts war man über ihre Nachkommenschaft besser informiert (von Alvenslebensche Bibliothek, jetzt Schloss Hundisburg, Ko 373, fol. 107).
Zum Objekt: Adolf Matthias Hildebrandt, Die Grabsteine und Epitaphien adeliger Personen in und bei den Kirchen der Altmark [...], Gardelegen 1868, S. 79 (mit fehlerhafter Angabe des Sterbejahrs); Dehio, Handbuch der dt. Kunstdenkmäler, Sachsen-Anhalt I, bearb. von Ute Bednarz und Folkhard Cremer, München-Berlin 2002, S. 219 (summarisch).

Foto:
Helge Hildebrand, Juli 2011