altmarkgeschichte

Datenbank Historischer Grabmäler der Altmark





Johann Schultze

Gastwirt und Zöllner in Flechtingen

Sterbedatum:
12.12.1732
Ort:
Flechtingen
Standort:
Kirche
GPS:
11.239244 - 52.331962

Beschreibung:

Zustand:
Die aufwendig gestaltete Grabplatte befindet sich, abgesehen von einigen Blessuren, in einem guten Zustand. Einzig das Schriftfeld ist stark verwittert, so dass die Lesbarkeit nur noch im Randbereich gegeben ist. Die Oberfläche der unteren Hälfte des Sockels wölbt sich Hohlkehlen-artig nach vorn. Deswegen ist die Schrift in diesem Bereich durch stärkere Verwitterung größtenteils verloren gegangen.

Dekor:
Über einem mit Voluten und Stoffgirlanden gesäumten und mit einem Gesims nach ober abgeschlossenen Hohlkehlen-artigen Sockel erhebt sich die eigentliche Grabplatte, deren oberer Abschluss durch ein gewölbtes Gesims gebildet wird. In der Wölbung ist ein bärtiger, mit einem Tuch bedeckter Kopf eines Mannes vor einem Flügelpaar zu sehen. Darunter hängt, an drei Zapfen befestigt, ein Tuch, das als Schriftfeld fungiert. Am oberen und linken Rand wirft es Falten. Der untere abgerundete Rand des Tuches ist mittig mit einer geneigten Sanduhr vor einem Flügelpaar dekoriert. Seitlich der Grabplatte unter dem oberen Gesims befinden sich beidseitig Engelsköpfe mit einem Flügelpaar und über dem Gesims des Sockels beidseitig Voluten und Akanthus-Blattwerk. Die Schrift ist gekerbt. Die Oberfläche des oberen Schriftfeldes ist leicht nach vorn gewölbt.

Inschrift Schriftfeld:
Reisender Pilgrim
(Stehe ein wenig stille) mit deinen Betrachtungen
(die du gerichtet)
(auf disen Leichen)stein.
(es weiset dir derselbi)ge
Eines de(r Weldt müden) Wanderers
des Vor(achtbahren Heren JOHAN S)CHULtzen
(gewesenen Gastwirths und Königl:) Preußel: neben
(Zölln)ers welcher gebohren in Stowenhagen) ao̅ 1671
geheyrahtet ao̅ 1694 und nachdem er zu 7 Kindern
Vater (und 16 Enkeln großvater) worden anno
1732 (d 12. Dec. in dem Herrn ent)schlaffen aet 62
(Er war ein Gastwirth)
hat (aber selbst ein Gast werden und se)ine Herberge
(verlaßen, er war ein Zöllner)
(aber nicht frey)
das (er nicht dem Tode den Zoll entrichten müß)en

Inschrift Sockel:
Nun hat er als ein Gast die wanderschafft geendet
Und sich zum Vaterland das Droben ist gewendet
Der Zoll ist abge…t die Rechnung ist…eßen
Mit CHRIST…




Anmerkung:
Bei seinem Ableben wird er 1732 im Kirchenbuch als „NebenZöllner und Gastwirt“ bezeichnet. Seine Eheschließung und die Taufe von Kindern lassen sich im Flechtinger Kirchenbuch nicht nachweisen. Das spricht für eine spätere Zuwanderung. Vgl. „Auf steinigem Grund Flechtinger Chronik des Pastor Willing mit Fotografien von Albert Jennrich“, 2011, S. 442. Hier ist eine alte Fotografie des Grabsteines abgedruckt (um 1900/ erste Hälfte 20. Jh.), auf der die Inschrift des Schriftfeldes noch vollständig zu lesen ist.

Abmessungen: 1,18 m × ca. 2,35 m

Lage:
Die Grabplatte steht außerhalb der Kirche zwischen den beiden östlichen Fenstern der Nordwand.

Foto:
Frank Moldenhauer, Magdeburg 2017