altmarkgeschichte

Datenbank Historischer Grabmäler der Altmark





Catharina Schenk von Flechtingen

von Bülow

Sterbedatum:
19.04.1575
Ort:
Flechtingen
Standort:
Kirche
GPS:
11.142038 - 52.195482

Beschreibung:
Grabplatte, Sandstein, an der Südwand des Kirchenraumes unweit der Taufe wohl bereits im Zuge einer tiefgreifenden Umgestaltung des Kirchengebäudes 1722-1727 rechts neben derjenigen des Gatten aufgestellt. Die Platte ungeschickt in der Wand verklammert; oberhalb derselben ein störender Klotz aus Zementputz, um den Höhenunterschied zum Nachbarobjekt optisch auszugleichen. Die Verstorbene in Frontalansicht mit erhobenen, im Gebetsgestus zusammengelegten Händen und leicht nach rechts gewandtem Kopf: Da sie sich in dieser Haltung von ihrem Gatten abwenden würde, ist die gegenwärtige Anordnung der Platten ihrer ursprünglichen Lage am Boden des Kirchenraumes gewiss zuwiderlaufend. Das Gesicht zeigt das sicher unvollkommene Streben des mäßig begabten Bildhauers nach Portraithaftigkeit. Catharina von Bülow ist entsprechend ihrem Stand als Witwe einfach gekleidet; neben der plissierten Haube finden sich modische Details nur in den gebauschten Ärmelansätzen, dem gefältelten Kragen und ebensolchen Ärmelrüschen sowie dem Plissee des Untergewandes. Zwei rückseitig an der Haube ansetzende, in ihrer Kopf- und Schulterpartie nur in gesteifter Form denkbare Stoffbahnen sind als frühe Sonderform der adeligen Witwentracht zu verstehen, wie sie sich u.a. auch beim Grabmal der Gisela v. Marenholtz († 1566), Ehefrau des Jost v. Veltheim auf Glentorf bei Königslutter sowie bei der Grabplatte der Agnes v. Bartensleben († 1560), Witwe des Heinrich v. Bülow, in Oebisfelde und auch bei der Frau NN v. Trotha geb. v. Veltheim († 1572) in Liebfrauen zu Halberstadt beobachten lässt. Die um die Schultern gelegten Trauerbänder kamen nur kurze Zeit später in Gebrauch. Die Dargestellte steht in einer einfachen Nische, deren überhöhter Karniesbogen beiderseits Raum für die vierstellige Ahnenprobe bietet.

Vier Ahnenwappen als einfache Schilde seitlich von Kopf- und Schulterpartie der Dargestellten zusammengedrängt. Väterlicherseits (heraldisch rechts) oben: Bülow (die vierzehn Kugeln des Stammwappens Bülow hier als Scheiben mit Nagelköpfen); unten: Bodendieck (das Wappentier entgegen der üblichen Darstellung aus „heraldischer Courtoisie“ stehend nach (heraldisch) links gewandt. Mütterlicherseits (heraldisch links) oben: Marenholtz; unten: Bodendorf.

Ein- und zweizeilige Inschrift in eingehauener Kapitalis: "ANNO . 1 . 5 . 7 . 5 . IST DIE EDL[E] // VND VILDVGENTSAME KATRINA VON BVLAW // KERSTEN SCHENCKEN SELI // GER NACHGELASEN WITWE // DEN . 1 . 9 . APRILS // SELIGH IN GOTT ENTSLAFEN".

Catharina v. Bülow, die zweite Ehefrau des älteren Kersten Schenk von Flechtingen, war eine Tochter des Vicke v. Bülow auf Gartow, Pfandherrn auf Oebisfelde und der Margaretha v. Marenholtz a.d.H. Dieckhorst-Weferlingen.

Literaturquellen:
Zur Person: Bernd-Wilhelm Linnemeier, Leveke von Mengersen geb. Schenk von Flechtingen (1564-1644) – eine altmärkische Adelige im weserländischen Exil, in: 82. Jahresbericht des Altmärkischen Vereins für vaterländische Geschichte zu Sakzwedel e.V., 2012, S. 31-88; hier: S. 43-44.
Zur Person und zum Objekt: Gottfried von Bülow: Geschichtliche Nachrichten über die von Bülow zu Oebisfelde, als Beitrag zur Geschichte des Geschlechts nach urkundlichen Quellen. Magdeburg 1868, S. 48-50.
Zum Objekt: Adolf Matthias Hildebrandt, Die Grabsteine und Epitaphien adeliger Personen in und bei den Kirchen der Altmark [...], Gardelegen 1868, S. 78; Dehio, Handbuch der dt. Kunstdenkmäler, Sachsen-Anhalt I, bearb. von Ute Bednarz und Folkhard Cremer, München-Berlin 2002, S. 219 (summarisch); Auf steinigem Grund – Flechtinger Chronik des Pastor Willing mit Fotografien von Albert Jennrich, hrg. anlässlich der 1050-Jahr-Feier von Flechtingen durch die Evangelische Kirchengemeinde Flechtingen, Haldensleben 2011, S. 39 mit kleineren Ungenauigkeiten bei der Wiedergabe der Inschrift sowie der Hinzufügung "gestorben im 44. Jahr-Alter" (=nicht als solches kenntlich gemachtes Zitat aus der Leichenpredigt nebst - in Teilen fragwürdiger - Ahnenprobe aus der Produktion des Gottfried Behrndt für Jacob Schenk von Flechtingen, Magdeburg 1732); Irene Heinecke/Heimo Reinitzer, Flechtingen - Seine evangelische Kirche und ihre Ausstattung, Altenburg 2015, S. 64-65 mit mäßiger Abbildung und - freilich nicht erklärtem - Hinweis auf die bei Willing irreführend hinzugefügte Altersangabe.

Foto:
Bernd-Wilhelm Linnemeier, August 2017