altmarkgeschichte

Datenbank Historischer Grabmäler der Altmark





Matthias Schultze

Königlich Preußischer Postmeister

Sterbedatum:
17.06.1711
Ort:
Salzwedel
Standort:
Katharinenkirche
GPS:
11.155908 - 52.855540

Dieser Grabstein ist der zweite ältere Grabstein, der heutigentags noch außen an der Südwand der Katharinenkirche aufgestellt ist. Unter den weitschweifigen Inschriften (vom Betrachter aus links die Inschrift der Frau, rechts die des Mannes) die etwas plump ausgehauenen Familienwappen der Verstorbenen. Das redende Wappen der Familie Berndis zeigt eine Birne mit 2 Blättern an einem Ast, das Wappen des Postmeisters Schultze ein aufgerichtetes Tier (nach Horst Hunger ein Eichhörnchen, heraldisch wahrscheinlicher ein schreitender Löwe) mit einem Pfeil in den Vorderpfoten oder Klauen. Text der Inschrift (zunächst für die Frau, linke Seite):
NACH SPÄTER VOLLENDUNG
EINER GLÜCKLICHEN REISE RUHET HIER
AN DER SEITEN DEßJENIGEN DEM SIE
AUF SEINER WALLFAHRT EINE TREUE GEFÄHRTIN WAR
TIT. FRAU
ANNA SABINA SCHULTZEN
GEBOHRNE BERNDIS
IHRE PILGRIMSCHAFFT BEGUN SE IM
JAHR 1669 DEN 2. NOV. ZU OSTERBURG
SIE HAT NACHDEM DER RATH GOTTES
SIE HIEHER GELEITET DIESE STADT
ZUERST ALS EINE HOLDSEELIG UND GESEGNETE
EHEFRAU 23 JAHR
UND NACHMAHLEN
ALS EINE MIT VERNUNFT UND EDLEN SITTEN
NOCH MEHR ABER
MIT GOTTSEELIGKEIT UND GUTEN WERCKEN
REICHLICH GESCHMÜCKTE MATRON 36 JAHR
ALS WITWE GEZIERET
IN IHR RECHTES VATERLAND IST SIE
IM JAHR 1747 DEN 3. FEBRUARII
FRÖLICH EINGEGANGEN
GEHE HIN WANDERNDER U. NIMM MIT DIR
IHRE[N] W. SPR. PASALM LXXIII V. 23. 24.
DENNOCH BLEIBE ICH STETS AN DIER, DEN[N] DU HALTEST
MiCH BEY MEINER RECHTEN HAND,
DU LEITEST MICH NACH DEINEN RATH,
UND NIM[M]EST MiCH ENDLICH MIT EHREN AN.
EINER WOHLVERDIENTEN UND INNIGGELIEBTEN
MUTTER SETZEN DIESES
DIE NACHGELASENE KINDER

Text der Inschrift (für den Mann, rechte Seite):
EILE NICHT WANDERSMAN[N] ALS AUFF DER POST.
AUCH DIE GESCHWINDESTE POST ERFORDERT
EINIGEN VERZUG IM POST HAUSE.
HIER RUHEN DIE GEBEINE
TIT. HERRN MATTHIAS SCHULTZEN
KÖNIGL. PREUß. 25JÄHRIG UNTERTHÄNIGSTTREU GEWE-
SENEN POST MEISTERS UND SALTZFACTORS
AUCH WOLVERDIENTEN RAHTS CÄM[M]ER.
ZU SALTZWEDEL.
ER KAM ALLHIER A[NN]O 1655 D. 4. NOVEMBR.
ALS EIN FRÖMBDLING.
DURCH DIE HEILiGE TAUFFE WARD ER IN DIE POST
CHARTE ZUM HIM[M]L. CANAAN EINGESCHRIEBEN.
DRAUFF REISETE ER IN DER LEBENSWALLFAHRT
DURCH SCHULEN U. ACADEMIEN MiT LÖBLICHEN VERZUG.
HERNACH BEY ANVERTRAUETEM POST AMBT
UND ANDEREN BERUFFS SORGEN
BEWIESE ER SORGFALTIGST SEIN CHRISTEN AMBT.
BEY VORKOM[M]ENDEN UNGLÜCKS POSTEN
RICHTETE ER SICH NACH DEM GOTTL. TROST BRIEFFE,
SEINEM LEICHEN TEXTE 1. COR: X. V. 1.
ENDLICH BEY SEINER LEIBES SCHWACHHEIT,
DEM GEGEBENEN ZEICHEN DER ANKOM[M]ENDEN TODES POST,
MACHTE ER SICH FERTIG.
DIE SEELE REISETE DEN 12. JUNII 1711 HINAUFF
INS PARADIES,
DER LEIB HERNACHMAHLS IN DIS GRAB.
GEDENCKE, LESER, BEY DEINER WALLFAHRT BESTÄNDIG
AN DIE PROPHETISCHE TODES POST ESA. 38. V. 1.
UND EILE DEM SEELIGEN NACH INS RECHTE VATERLAND.
DA SEHNEN SICH DEN[N] IHN WIEDER ZUSEHEN
DIE NACHGELASENE WITTWE, 2 SÖHNE
UND 2 TÖCHTER.

Literatur: "Der seltsame Grabstein des Salzwedeler Postmeisters Matthias Schultze" von Horst Hunger (In: 62. Jahresbericht des Altmärkischen Vereins für vaterländische Geschichte zu Salzwedel, Berlin 1973), S. 30-31.

Foto:
2017, Steffen Langusch, Salzwedel