altmarkgeschichte

Datenbank Historischer Grabmäler der Altmark





Joachim Falcke

Bürgermeister

Sterbedatum:
17.01.1590
Ort:
Gardelegen
Standort:
Nicolaikirche
GPS:
11.232463 - 52.314410

Beschreibung:
Joachim Falcke, selbst Sohn eines Bürgermeisters, bekleidete das Amt zwischen 1579 und 1590. Zwei seiner Söhne wurden ebenfalls Bürgermeister in Gardelegen. Er war Ehemann der Margarethe von Santersleben.
Vor der Zerstörung 1945 befand sich der Grabstein an anderer Stelle der St. Nicolaikirche. Er ist aufgestellt im Lapidarium an der Ostwand des nördlichen Seitenschiffes, 1. von rechts. Die Grabsteininschrift hat folgenden Wortlaut:

„ANNO 1590 AM TAGE ANTONIJ, WELCHER WAR DER 17. JANUARIJ, IST DER EHRBAR UND WOLWEISER HERR JOCHIM FALCKO: B. ALLHIE IN GOT SELIG ENTSCFHLAFEN SEINES ALTERS 71 JAHR. HIC CONSUL PATRIAEQUE PATER JOACHIMUS FALCO DEBITA PRUDENTIS PRAEMIA MENTIS HABET HOC DE PLURA VITE DOKUMENTA AD TEMPLI PERSPICUI DONA ANAMIQUE CAPE:

Hier hat [= erhält] der Bürgermeister und Vater des Vaterlandes, Joachim Falke, den geschuldeten [= verdienten] Lohn für seinen klugen Verstand [= Geist]

Bis zur Zerstörung 1945 befanden sich das Epitaph des Joachim Falcke und eine Gedenktafel mit goldenen Buchstaben gemeinsam mit dem seines Enkels Martin am nördlichen Chorpfeiler nahe der Taufe der Nicolaikirche. Ihr Inhalt ist überliefert:

Gedenkstein
an den weisesten und gelehrtesten Mann
den Herrn Joachim Falke,
frommen Gedenkens
Sieh, dessen Körpergerüst du betrachtest, war
damals Joachim, von ererbter Abstammung ein Falke,
unter dem als Bürgermeister der Heimatstadt 24 Jahre lang
der gesamte Rat durch seine Sorge sicher gewesen ist.
Diesen, ach, tötet nach einem Jahr und zwei mal sieben vollendeten Jahrfünften,
in dem auf dem Grabmal eingemeißelten Jahr, der Tod und reißt ihn von hier fort.
Aber gut: für den Tod empfängt er das Leben, für das Verderben Gewinn,
für die Sorgen der Welt ewige Freuden.
Aus dem Geschlecht der Santersleben vornehm geboren
war Margaris die Ehefrau des vorgenannten Herrn,
als Mutter hat diese drei Töchter, [und] auch drei Söhne,
die sich folgendermaßen gut nach Namen unterscheiden lassen.
Johannes Falke, Bürgermeister und Schutzherr seiner Heimatstadt,
ein Freund des Glaubens, hat auf Seiten seines Bezirkes gestanden.
Mit seiner Ehefrau Elisabeth Lonemann ist er
bei den Gräbern der Eltern in dieser heiligen Kirche beigesetzt worden.
Der zweite Sohn Joachim war Bannerherr, wo
damals, wo heute der grausame Türke in Ungarn wütet.
Christoph Falke, sieh, versah als Kämmerer
die Geheimverträge mit ihrem kaiserlichen Kennzeichen.
Wie selbst ein guter Redner, so war er durch einen günstigen Stern
ebenso erfahren in Justinianischem Recht.
Nikolaus und auch Heinrich haben mit Gewandtheit
gleichwie die übrigen an den väterlichen Hausgöttern festgehalten.
Drei Töchter sind aufgezeichnet, genannt Margaris, Anna,
der Name der dritten Tochter war Catharina.
Die Genannten Väter [= Vorfahren, Ahnen] der Falken sind lange früher verstorben,
deren Todesjahre die gravierten Grabsteine zeigen.
Durch günstiges Schicksal sind die Väter in dieser heiligen Kirche bestattet,
Leser, verehre diese deswegen heilig, Leb wohl!
An die Betrachter Christi
Der du mit den Augen des Körpers und des Glaubens Christus
am Kreuz hängend anschaust, du wirst unter dem Kreuz selig sein.
Diesen Gedenkstein des Herrn Joachim Falke hat der einzige lebende Enkel
des Bürgermeisters erneuern und mit den späteren zwölf Distichen
bereichern lassen im Jahre 1664. M. F. Bürgerm.

Literatur:
Schultze, C.: Auff- und Abnehmen der löblichen Stadt Gardelegen, Stendal 1668, 37-39; Franz, F.: Urkundenbuch über das Bürgertum der altmärkischen Stadt Gardelegen vom Jahre 1130 bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts mit Ergänzungen, Gardelegen 1965, 162; Leineweber, R. C. E.: Falco Garlebensis, Oschersleben 2014, 66-69.

Foto:
B. Leineweber, Salzwedel, 2014.