altmarkgeschichte

Datenbank Historischer Grabmäler der Altmark





Daniel von Borstell

Churfürstlicher Brandenburgischer Hofmeister

Sterbedatum:
26.02.1621
Ort:
Schinne
Standort:
Kirche
GPS:
11.435357 - 52.393005

Beschreibung:
Daniel von Borstell wurde am Freitag, den 15.12.1548 morgens um 6 Uhr in Schinne als Sohn des Hans von Borstell und der Margaretha von Rindtorff geboren. Von seinen 13 Geschwistern waren bei seinem Tod noch 3 am Leben.
„Kam ins Dorf Cöthen“ zu Melchior Randow, damit er hier vom Pastor Bartholdus Siegfried d. Älteren instruiert (gelehrt) würde“.
Sein Onkel Dietrich von Rintorff brachte ihn 1562 an den Hof des Markgrafen Siges-mund, Erzbischof zu Magdeburg und Halberstadt, der meistens in Halle/Saale Hof hielt, in die fürstliche Kammer in Stellung. Von den 5 Jahren, die er dort verbrachte, diente er die letzten beiden Jahre als Edelknabe. Als der Markgraf 1567 starb, wurde Daniel mit einem „Klöpper (Pferd) sampt dem was dazu gehöret“ aus dem Dienst entlassen. Sein Onkel, der zu der Zeit mit etlichen Reitern auf dem Weg zur Belage-rung von Gotha war, nahm Daniel mit sich.
Dieser `Gothaische Krieg`, auch `Grumbacher Händel genannt, endete mit der Kapi-tulation von Gotha am 13.04.1567. 1568 war Daniel in Diensten des Hauptmanns der Altmark Levin von der Schulenburg (1510 – 1569) auf Beetzendorf. Auf Vermittlung von Levin von der Schulenburg wurde Daniel von dem Administrator des Erzbistums Magdeburg Joachim Friedrich von Brandenburg (1546 – 1608) aus dem Hause Hohenzollern mit zwei Pferden in Dienst genommen. Nach Levins Tod begleitete er als Leibdiener dessen Sohn Georg von der Schulenburg (1535 – 1619), auch `der Reiche` genannt, auf dem Kriegszug der Hugenottenkriege in Frankreich. Anschließend wurde er ins Kloster Dambeck geschickt. 1572 trat Daniel mit 6 Reitern in den Dienst von Ludwig von Nassau-Oranien für einen Feldzug gegen die Stadt Bergen (heute Monts in Belgien). Nach Ende des Kriegszuges im September 1572 ging er für 8 Jahre als Truchseß (Vorsteher der Hofhaltung und oberster Aufseher der fürstlichen Tafel) an den Hof Joachim Friedrich nach Halle, wo er weitere 9 Jahre als Oberschenk tätig war. Er begleitete Joachim Friedrich auf dessen politische Reisen, unter anderem zum Landtag nach Preßburg (Bratislava),1582 zum Reichstag nach Augsburg, nach Würzburg, Bamberg, zu den Herzögen nach Pommern u.s.w.
Am 06.07.1586 heiratete er in Calbe / Saale Margaretha von der Wiehe aus Halle, die Witwe des verstorbenen Jacob von Bieren auf Paplitz. Im selben Jahr wurde er Hauptmann des Amtes Hötensleben, das er 5 Jahre verwaltete. Im Jahre 1587 wurde sein Sohn Daniel geboren. 1592 übernahm er als Hauptmann das Amt Wolmirstedt, die Sommerresidenz des Joachim Friedrich. Am 02.03.1597 starb seine Frau in Wolmirstedt und wurde auch dort in der Kirche begraben. Im Herbst 1597 begleitete er Joachim Friedrich nach Dänemark auf das Schloß Hansburg in Haderslev (Hadersleben), wo dessen Tochter Anna Katharina von Brandenburg (1575 – 1612) am 27.11.1597 den dänischen König Christian IV. (1577 – 1648) heiratete.
Am 16.01.1599 heiratete er im Fürstlichen Magdeburgischen Jagdhaus in Colbitz Margaretha Elisabeth von der Schulenburg (1571 – 1605), Tochter des Anthonius von der Schulenburg auf Angern und Beetzendorf und der Rixa von der Schulenburg. Margaretha Elisabeth hatte noch zwölf Geschwister, fünf Brüder und sieben Schwestern. Mit fünf Jahren nahm der Bruder ihrer Großmutter sie zu sich nach Friedeburg und ließ sie mit seinen Töchtern erziehen. Später wurde sie von ihren Eltern ins Jungfrauen Kloster nach Diesdorf gebracht, in dem die Schwester ihres Großvaters, Catharina von der Schulenburg, Domina war. Mit 21 Jahren verlor sie beide Eltern. Bald nach der Heirat und seinem Abschied vom Domkapitel ließ er sich in Stendal nieder. Nach der Geburt des ersten Sohnes Hans Anthonius am 18.12.1600 in sei-nem Freyhaus in Stendal begann seine Frau kränklich zu werden.
Joachim Friedrich von Brandenburg, der 1598 zum Kürfürsten der Mark Brandenburg ernannt wurde, bat Daniel 1601 Hofmeister seiner Frau Katharina von Brandenburg-Küstrin (1549 – 1602) zu werden. Daraufhin zog er mit seiner Familie nach Cölln (Berlin). Seine kranke Frau erhoffte sich durch die Ärzte und die am Hof bestehende berühmte Apotheke Besserung ihres Gesundheitszustandes. Als am 10.10.1602 die Kurfürstin verstarb, nahm Daniel seinen Abschied vom Kurfürstlichen Hof und zog wieder nach Stendal. Sein Vetter Curd von Borstell verstarb im Jahre 1601 ohne männliche Nachkommen, das Rittergut war seitdem von einem Meyer (Verwalter) besetzt. Mit dem Einverständnis seines Bruders Hans Ernst zog er zu Ostern 1603 auf das Rittergut Schinne. Zuvor am 18.01.1603 wurde sein dritter Sohn Henning in Stendal geboren. Seine Ehefrau Margaretha Elisabeth erkrankte am 14.11.1605 an einer schweren Brustkrankheit. Ihr Zustand verschlimmerte sich täglich. Auch der Medicus Simon Schulze, der noch aus Salzwedel zu ihr gerufen wurde, konnte ihr nicht mehr helfen. Im Beisein ihrer Schwestern Anna und Clara Maria von der Schulenburg, ihres Ehemannes sowie des Pfarrers Matthias Decenius verstarb Margaretha Elisabeth am 21.11.1605 morgens um 6 Uhr in Schinne und wurde am 05.12.1605 in der Kirche begraben. Die stark abgetretene Grabplatte steht in der Apsis der Kirche. Eine weitere, stark abgetretene Grabplatte eines Wilhelm Rincke † 1628 liegt vor der Eingangstür. Vermutlich stand dieser Wilhelm Rincke in familiärem Zusammenhang mit Daniel von Borstell, da er vermutlich auch in der Kirche begraben wurde.
Am 12.06.1608 ehelichte Daniel Helena von Witzleben auf Burgscheidungen in Thüringen, dem Schloss des Bruders seiner ersten Frau Christoph von der Wiehe. Helena von Witzleben verstarb am 14.03.1612. Daniel von Borstell starb am Sonntag, den 26.02.1621 früh um 3 Uhr in Schinne an Altersschwäche und wurde am 21.03. in der Kirche begraben. Aus den Ehen sind 3 Söhne bekannt :
1. Daniel 1587 – 1645
2. Hans Anthonius 18.12.1600
3. Henning 11.01.1603

Lage:
In der Apsis der Kirche steht die abgebildete Grabplatte.

Foto:
W. Rogge, Schinne, 2017