altmarkgeschichte

Datenbank Historischer Grabmäler der Altmark





Paschasius Marggraf

Pastor

Sterbedatum:
14.05.1739
Ort:
Werben
Standort:
Johannis-Kirche
GPS:
11.981731 - 52.859651

Beschreibung:
Zustand:
Die Farbigkeit der vertieften Inschrift ist nicht mehr durchgängig gegeben.

Dekor:
Die Grabplatte nimmt nach oben hin an Breite ab. Das Textfeld mit vertiefter Inschrift wird von einem schmalen erhabenen Rand gesäumt und oben durch ein geschwungenes Gesims bedeckt. Drüber stehen zwei Putten, die eine gekrönte Rocaille halten, in der das Monogramm der Verstorbene „E R“ zu sehen ist. Unter dem Textfeld sind ein Engelskopf und ein Kreuz angebracht. Die unteren Ecken sind ebenfalls mit Engelsköpfen ausgeschmückt.

Inschrift:
Hier ruhen
die Gebeine
des Weyland Hoch Ehrw: u: Hochgelahrten
Hl. PASCHASII MARGGRAFFen
gewesenen Inspect: u: Past: alhier,
ER war
im Dienste seines HERRN treu
im Lehren rein und gründlich
im Glauben rechtschaffen
im Leben unstrafflich
im Leyden unverzagt
im Tode getrost
GOTT verliehe Ihm das Leben
zu Ballerstadt 1673 den 26 Sept:
das Predigt ampt
zu Schenckendorff bey Berlin 1701
zu Werben das Diaconat 1715
das Insp: u: Pastorat 1720
einen seligen Tod 1739 den 14 May
da Er gewesen war
im Ministerio 37 Jahr 11 Monathe
in dieser Welt 65 Jahr 7 Mon: 18 Tage
2 Corinth: Cap: VI. V. 9.
Als die sterbenden und siehe wir leben

Anmerkung:
Das Grabmal wird mit Abbildung beschrieben in Hossfeld / Haetge „Die Kunstdenkmale der Provinz Sachsen Der Kreis Osterburg“, Kommissionsverlag August Hopfer in Burg 1938, S. 385f: „Die folgenden Grabsteine stehen alle im Turmgeschoß. Sie zeigen in ganz besonderer Übersichtlichkeit die Stilentwicklung der Grabsteinkunst des 18. Jahrhunderts. (…). 37. Grabstein des Pastors Paschasius Marggraff, geb. 1673, gest. 1739. h 2,22 m, br 1,02 m. Sandstein. Die Inschrifttafel, die oben und unten durch Voluten abgeschlossen ist, hat als Verzierungen Puttenköpfe mit Kreuz und als Bekrönung zwei Putten, die eine Monogrammkartusche halten. Nach der vertieften Frakturinschrift war Marggraff in Hallerstädt (Druckfehler: Ballerstedt) geboren, wurde 1715 Diakonus und 1720 Pastor in W. (Tafel 217 b.)“
Vgl. Czubatynski „Evangelisches Pfarrerbuch für die Altmark“, S. 233. Demnach wurde Paschasius am 26. September 1673 in Gr. Ballerstedt als Sohn des Pastors Andreas Marggraf und dessen Ehefrau Gertrud Tristedt geboren. Seit dem 24. Januar 1702 war er verheiratet mit Elisabeth Rücker († Werben 18. April1742), einer Tochter des Arrendators Georg Rücker in Schwanebeck bei Berlin. Die Trauung fand in der Jerusalem-Kirche zu Berlin statt. Der Rücker wurde ebenfalls eine Grabplatte gleicher Machart gewidmet, die sich auch im Turmerdgeschoss der Johannis-Kirche befindet.
Das Begräbnis des Verstorbenen im Jahre 1739 ist im Kirchenbuch von Werben dokumentiert worden: „Herr Paschasius Marggraff Inspector v. Pastor alhie, ist, am anderen Pfingst-Feyertage, nach vorhergehenden vollen Geläute, von einer gantzen Stunde, des Abends, mit einer Parentation, die der Diacony Ragge gehalten hat, in der Kirchen zur lincken Seyte des Altars, beygesetzet worden.“
Vgl. Paschasius Marggraf – Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Paschasius_Marggraf: „Als ältester nachweisbarer Vertreter der Familie gilt Christoph Marggrave, der 1623 als Musquetirer (Musketier) in Neuruppin erwähnt wurde. Der zwischen 1605 und 1610 geborene Hans Marggrafe war Bürger und Schuhmacher in Neuruppin und wahrscheinlich der Sohn des Christoph Marggrave. Andreas Marggraf (ca. 1635–1696), Sohn des Hans Marggrafe und der Anna Diter wurde nach einem Studium an der Universität Frankfurt (Oder) Pastor, erst in Ballerstedt in der Altmark, später in Neuhausen, nördlich von Perleberg in der Prignitz. Er hielt 1683 die Leichenpredigt für Frau Ilsabe Sibylla von der Marwitz, geb. Ganß zu Putlitz, der Hofmeisterin am Zerbster Hof. Sein vermutlich ältester Sohn Otto Andreas wurde „Chirurgus“ (Chirurg) in Berlin, erhielt dort 1718 das Bürgerrecht und war Stammvater der Ärztedynastie Marggraf. Paschasius war der zweite Sohn. Der dritte Sohn Henning Christian Marggraf (1680 bis 1754), Hofapotheker und Assessor am Ober-Collegium medicum in Berlin ergriff den Apothekerberuf und war der Vater von Andreas Sigismund Marggraf. Dieser gilt als letzter bedeutender Chemiker der Ära der Phlogistontheorie und entdeckte den Zuckergehalt heimischer Pflanzen. Paschasius Marggraf heiratete Elisabeth Rücker (1679–1742). Aus der Ehe entstammten folgende Kinder:
Christiane Dorothea Marggraf (1702–1773), die den verwitweten Kaufmann Christian Tilebein (1682–1755) aus Berlin im Jahre 1722 heiratete. Sie waren die Eltern des Stettiner Kaufmanns Gotthilf Friedrich Tilebein, dessen Bruder Johann Wilhelm Tilebein (1723–1808), den „der Himmel mit einer zahlreichen Familie gesegnet“ hatte, Prediger in Rühstädtin der Prignitz war.
Christian Jacob Marggraff (1703–1768) Apotheker in Osterburg in der Altmark. Seine Tochter Christiane Dorothea Marggraff heiratete den Apotheker George Christoph Schrader. Die Ehe hielt nur ein Jahr. Der Sohn Johann Christian Carl Schrader (1762–1826), war ein bedeutender Schriftsteller und Mitglied der Königlichen Hof-Apotheken-Commission mit dem Titel Obermedizinalassessor.
Hanna Sophia Marggraf (1712–1759). Sie heiratete Johann Christian Hupe (1699–1777), Ratsverwandter, Bürgermeister sowie Proconsul und Acciseeinnehmer in Werben.
Gotthold Leberecht Markgraf, Bürgermeister, Kämmerer und Ziesemeister in Werben.
Marggraf wählte nach dem Theologiestudium ab 1699 in Frankfurt (Oder) wie der Vater den Beruf als Pfarrer und wirkte zunächst ab 1701 in Schenkendorf bei Berlin und danach ab 1715 als Diakon sowie ab 1720 als Oberpfarrer und ab 1739 als „Inspektor“ in Werben (Altmark) an der dortige Kirche St, Johannis. Die Tätigkeit als Inspektor entspricht die eines Superintendenten.“

Lage:
Die Grabplatte steht innerhalb des Kirchturms an der Ostwand südlich des Durchganges zum Kirchenschiff.

Text und Foto:
Frank Moldenhauer, Magdeburg 2018