altmarkgeschichte

Datenbank Historischer Grabmäler der Altmark





Dietrich von der Schulenburg

Landeshauptmann der Altmark

Sterbedatum:
07.04.1598
Ort:
Stendal
Standort:
Dom St. Nikolaus
GPS:
11.513591 - 52.361350

Beschreibung:
Die gut gearbeitete, durch unsachgemäße Eisenverklammerung leicht beschädigte Grabplatte zeigt den Verstorbenen in voller Rüstung, den offenen Helm zu seinen Füßen. In seiner Rechten hält er einen Reiterhammer; die Linke umfasst den Schwertgriff. Die bildhauerische Behandlung der Rüstung wirkt etwas steif; perspektivische Verkürzungen sind ebenso wie die anatomisch kaum nachvollziehbare Stellung der Füße nicht optimal gelöst. Bewegung schafft allerdings die leichte Linksdrehung des porträthaft aufgefassten Kopfes sowie die Drapierung der schweren, zweireihigen Halskette. Die Relieffigur des Landeshauptmanns ist auf diejenige seiner neben ihm bestatteten Ehefrau bezogen, die sich ihrerseits durch die Rechtsdrehung ihres Hauptes dem Gatten zuwendet.

Umlaufende Inschrift, wobei das Sterbedatum zunächst ausgelassen und später nicht eingefügt wurde:
"[AN]NO I [...] DES. [...] SO DER. [...] DES MONATS. [...] IST DER EDELER GESTRENGER V[N]D. EHRNVESTER DIETERICH VO[N] DER SCHVLENBURCK LEVIN SEHLICHEN SON CH[V]URFVRSTLICIER(!) BRANDE[N]BVRGISCHER GEHEIMER RHAT V[N]D HOBTMAN DER ALTEN MARCK IN GOTT SEHLICH ENTSCHLAFF[EN]"

Die achtstellige, in Gestalt von Vollwappen wiedergegebene Ahnenprobe weist in ihrer Anordnung folgende Besonderheit auf: Sie ist nicht zweibahnig, d.h. auf Schwert- und Spindelseite jeweils oben rechts bzw. links beginnend, sondern als fortlaufende Reihe gedacht, die oben links (=heraldisch rechts) ihren Anfang nimmt, dann nach unten geführt wird, um sich rechts von oben nach unten fortzusetzen. Die Wappen sind dabei folgende: 1. v. der Schulenburg, 2. v. Quitzow, 3. v. Rohr, 4. v. Arnim, 5. v. dem Berge, 6. v. der Schulenburg, 7. v. Finecke, 8. v. Bredow.
Dietrich X., (Erbgesessen auf Beetzendorf, Kurfürstlich-brandenburgischer Geheimer Rat, Landeshauptmann der Altmark ) Sohn des Landeshauptmanns Levin I. v. der Schulenburg aus dem Schwarzen Stamm des Geschlechts, folgte seinem beiden früh verstorbenen Brüdern Werner XVII. und Albrecht IV. 1583 in der altmärkischen Landeshauptmannschaft nach; nachdem ihn Kurfürst Johann Georg bereits 1574 zum "Diener von Haus aus", d.h. zum Geheimen Rat, bestallt hatte. Als Landeshauptmann übersiedelte er nach Stendal, wo er auch starb. Mit ihm endete eine seit 1545 ununterbrochene Reihe von immerhin vier Landeshauptleuten aus ein und derselben Linie (Beetzendorf-Apenburg-Propstei Salzwedel) des Hauses Schulenburg. Er war dreimal verheiratet: In erster Ehe mit Elisabeth v. Knoblauch, in zweiter Ehe mit Anna v. Alvensleben, die 1583 starb und in Kalbe begraben liegt, sowie in dritter Ehe 1589 mit Anna v. Kotze, deren Grabmal rechts neben dem seinen erhalten ist.

Literaturquellen:
Georg Schmidt, Das Geschlecht von der Schulenburg, Teil II, Beetzendorf 1899, S. 242-244, sowie Dietrich Werner Graf von der Schulenburg und Hans Wätjen, Geschichte des Geschlechts von der Schulenburg 1237 bis 1983, Wolfsburg 1984, S. 100, 103, 105, 108.

Lage:
Grabplatte, Sandstein, an der Nordwand des Hohen Chores aufgestellt.

Foto:
Helge Hildebrand, September 2014