altmarkgeschichte

Datenbank Historischer Grabmäler der Altmark





Georg von Veltheim

Sterbedatum:
00.00.1568
Ort:
Arendsee
Standort:
ehem. Klosterkirche
GPS:
11.506126 - 52.886500

Beschreibung:
Epitaph, Sandstein, eingebaut im zweiten südlichen Mittelschiffspfeiler ,der Ehem. Klosterkirche St. Maria, Johannes Ev. und Nikolaus , von Osten. Das Ganze, abgesehen von kleineren Abstoßungen, in hervorragendem Erhaltungszustand. Das hochrechteckige Mittelfeld wird dominiert durch die in einer Schreitbewegung mit leicht angewinkelten Armen wiedergegebene Figur des Verstorbenen in voller Rüstung vor architektonischer Nische. Die in Panzerhandschuhen steckenden Hände liegen auf den Griffen des Seitschwertes bzw. des Parierdolchs; die kurzen Beintaschen noch mit geradem Abschluss. Neben dem rechten Fuß der offene Visierhelm mit Federbusch; neben dem linken Fuß ein Totenschädel, Knochen und Stundenglas als Memento Mori samt bewegtem Schriftband. Das jugendlich-bartlose Gesicht leicht nach rechts gewandt; es darf in der Wiedergabe bestimmter physiologischer Merkmale, die sich auch bei den Bildnissen zweier Geschwister des Verstorbenen wiederfinden, als zuverlässiges Portrait gelten. Über dem Haupt des Georg von Veltheim das von Putten gehaltene Stammwappen der Familie; die achtstellige Ahnenprobe wird als Teil des üppigen Rahmenwerks beiderseits der Standfigur und auch der unteren Inschrifttafel aufgefasst. Links (väterlicherseits): 1. v. Veltheim, 2. v. Oppershausen, 3. v. Marenholtz, 4. v. Veltheim (ältere Form); rechts (mütterlicherseits): 1. v. Schwicheldt, 2. v. Rutenberg, 3. v. der Schulenburg, 4. v. Münchhausen.
Unterhalb des Mittelfeldes große Inschrifttafel folgenden Inhalts:
SAPIENTIA 4: DER GERECHTE / OB ER GLEICH ZV ZEITLICH STIRBET / IST ER DOCH IN DER RVGE / DEN DAS ALTER IST ERLICH / NICHT DAS LANGE LEBEN ODER VIEL IAR HAT / KLVGHEIT VNTER DEN MENSCHEN IST DAS RECHTE GRAWE HAR / VND EIN VNBEFLECKT LEBEN IST DAS RECHTE ALTER / DEN ER GEFELT GOT WOL / VND IST IM LIEB / VND WIRT WEGGENOMEN AUS DEM LEBEN VNDER DEN SVNDERN / VND WIRT HINGERVCKT / DAS DIE BOSHEIT SEINEN VORSTAND NICHT VORKEHRE / NACH FALSCHE LERE SEINE SELE BETRIEGE. ER IST BALD VOLLKOMEN WORDEN VNT HAT VIEL IAR ERFVLLET / DEN SEINE SELE GEFELT GOT / DARVM EILET ER MIT IM AVS DEM BOSEN LEBEN. ABER DIE LEVTE / SO ES SEHEN / ACHTENS NICHT VUND NEMENS NICHT ZV HERTZE[N]. IVRGEN . VON . VELTHEM STARP ANNO . 1568" (aus: Buch der Weisheit, Kap. 4; Satztrennungen nach der hier wörtlich wiedergegebenen Bibelübersetzung Luthers von 1545). Schriftband des Memento Mori: "ERO MORS TVA O MORS" (Hosea 13, Vers 14). Das von einer Darstellung der Auferstehung Christi bekrönte Epitaph ist zweifelsfrei dem bekannten Braunschweiger Bildhauer Jürgen Spinnrad zuzuschreiben, der mit dem Grabdenkmal für Lippold XIII. von Rössing in Osterwieck, Landkr. Halberstadt zeitnah ein dem hier besprochenen Veltheim-Epitaph bis ins kleinste Detail gleichendes Gegenstück geschaffen hat.
Georg (zeitgenössisch auch: Jorgen bzw. Jürgen) von Veltheim war der dritte von vier Söhnen des älteren Achaz von Veltheim auf Harbke usw., Hauptmann des Stifts Halberstadt, braunschweigischer und kurbrandenburgischer Rat, Pfandherr zu Jerxheim und Derenburg (nach LASA, MD, H 95, 3430 † 11.03.1558) aus dessen erster Ehe mit Adelheid v. Schwicheldt aus dem Hause Peine.
Über seinen Werdegang ist wenig bekannt; er studierte 1562 in Frankfurt/Oder und 1563 in Wittenberg. 1564 übernahm er mit zweien seiner Brüder die Pfandschaft des Vorwerks Blankenburg von den Grafen von Regenstein-Blankenburg (NLA, HA, Celle Or. 3a Nr. 21). Er soll 1568 in Frankreich gestorben sein; zuvor muss er aber - möglicherweise als Pfandherr - in Beziehung zu Arendsee gestanden haben.

Literaturquellen:
Zur Person: Georg Schmidt, Das Geschlecht von Veltheim, Teil II, Halle (Saale) 1912, S. 154; zum Objekt: : Dehio, Handbuch der dt. Kunstdenkmäler, Sachsen-Anhalt I, bearb. von Ute Bednarz und Folkhard Cremer, München-Berlin 2002, S. 33 (nur summar. Beschreibung) sowie zum Rössing-Epitaph in Osterwieck S. 686 (mit fehlerhafter Benennung und Datierung).

Foto:
Helge Hildebrand, September 2014