altmarkgeschichte

Datenbank Historischer Grabmäler der Altmark





Werner XVI. von der Schulenburg

Erbgesessen auf Beetzendorf, Pfandherr zu Klötze

Sterbedatum:
15.03.1572
Ort:
Apenburg
Standort:
Kirche St. Johannis
GPS:
11.121043 - 52.423291

Beschreibung:
Der Verstorbene, im Hochrelief vor einer Rundbogennische stehend in Gebetshaltung dargestellt, erscheint in voller Rüstung und mit langem Rapier (dessen komplexes Gefäß mit den in italienischer Manier aufgebogenen Faustbügeln damals noch nicht lange in Gebrauch war) sowie kurzem Parierdolch, den offenen Visierhelm neben dem linken Fuß. Der im Verhältnis zum übrigen Körper - vor allem zur Schulter- und Armpartie - übergroße Kopf und die ebenfalls sehr großen Hände der Figur stehen in ihrer eher handwerklichen Ausführung im deutlichen Gegensatz zu den fein gearbeiteten Details der Rüstung.

Umlaufende Hauptinschrift: "DER EDELE VND EHRENVESTE WERNER V DER SCHVLENBVRGK IST SELIG VERSCHIEDEN DEN . 15 . MARC . ANNO . 1572 . IESV GOTTES SON DV BIST / THV DV VNS NIC[H]T VERGESSEN" (Vers-Endungen nachträglich durch "/" kenntlich gemacht)

Die geschrägte Laibung der Rundbogennische trägt folgende zusätzliche zweizeilige Inschrift, deren letzte Worte bis in die Nische selbst hinein fortgeführt werden: "IN HOCHSTER NOT / WEN KOMT DER TOD / WIL VNS WVRGEN VND FRESSEN / DEN HEILIGEN GEIST / SEND // ALLERMEIST / DIE SELE NIM IN DEINE HENDE / O HER GOT MEIN / DAS THEURE WORT DEIN / LAS // LEVCHTEN BIS ANS DAS ENDE MEIN" (Reim-Endungen nachträglich durch "/"; Zeilenenden durch "//" kenntlich gemacht).
In den vier Ecken folgende Ahnenwappen als Vollwappen (teilweise beschädigt): Oben links (väterlicherseits): Schulenburg, unten links: Bodendieck; oben rechts (mütterlicherseits): Quitzow, unten rechts: Schulenburg.
Werner XVI. v. der Schulenburg (posthum mit dem Beinamen "der Ältere" versehen und zur früh erloschenen Linie Klötze des Schwarzen Stammes gehörig) erscheint urkundlich erstmals 1545. Er war ein Sohn Joachims I. v. der Schulenburg und der Lucie v. Quitzow (deren Mutter eine v. der Schulenburg). Nach dem Tode seines Vaters führte er die seit den 70er Jahren des 15. Jahrhunderts durch die Schulenburgs durchgehend behauptete Pfandschaft Klötze zusammen mit zwei älteren Brüdern fort und vertrat dabei die hoheitlichen Ansprüche des Amtes noch 1565 auf recht nachdrückliche Weise - ganz im Stil spätmittelalterlicher Fehden. Er war verheiratet mit Gödele Gans Edlem Fräulein zu Putlitz, die noch 1585 als Witwe genannt wird.

Lage:
Grabplatte, Sandstein, in der Ostwand des Kirchensaales hinter dem Altar ebenerdig vermauert; um die Mitte des 19. Jahrhunderts mit grauem Ölfarbenanstrich, dessen Reste hier und da noch sichtbar sind.

Literaturquellen:
Zur Person: Georg Schmidt, Das Geschlecht von der Schulenburg, Teil II, Beetzendorf 1899, S. 196-197, sowie Dietrich Werner Graf von der Schulenburg und Hans Wätjen, Geschichte des Geschlechts von der Schulenburg 1237 bis 1983, Wolfsburg 1984, S. 110, 112. Zum Objekt: Adolf Matthias Hildebrandt, Die Grabsteine und Epitaphien adeliger Personen in und bei den Kirchen der Altmark [...], Gardelegen 1868, S. 34.

Foto:
Helge Hildebrand, August 2014