altmarkgeschichte

Datenbank Historischer Grabmäler der Altmark





Albrecht XII. von der Schulenburg

Großbritannischer und kurhannoverscher Oberst

Sterbedatum:
05.06.1715
Ort:
Apenburg
Standort:
Kirche St. Johannis
GPS:
11.121043 - 52.423291

Beschreibung:
Epitaph, Holz, an der Südwand des Kirchensaals hängend. Schwarz gefasstes, säulenflankiertes Mittelfeld, dem unter einem dreibogigen vergoldeten Feston holzgeschnitzte, vergoldete Funeralwaffen Degen, Spangenhelm, Sporen und Handschuhe aufmontiert waren. Nach 1868, vielleicht auch erst nach 1945, sind diese Applikationen bis auf Helm und Handschuhe verschwunden. Links unten ein weiß gefasster Panzer antiken Zuschnitts; rechts ein trauernder Genius mit zu Boden gekehrter, verlöschender Fackel; beides der Mitteltafel als Hochrelief, beinahe vollplastisch wirkend vormontiert. Die mittige Verkröpfung der Sockelzone wird zur Standfläche einer schlanken weiß-golden gefassten, auf Kugeln ruhenden Pyramide mit Inschrift, die das Mittelfeld optisch dominiert. Der Sockel selber fünffeldrig; die rückspringenden Flächen dabei mit allegorischen Darstellungen zum Thema "Sterben und Tod" in feiner Grisaille-Malerei; auch hier die "Wilden Männer" der Schulenburgischen Helmzier als Hauptfiguren. Die Mitte des Sockels dominiert durch das Vollwappen Schulenburg mit Inschrift „D. V. SCHULENBURG“. Die dunkel-marmorierte Fassung des architektonischen Aufbaus hat Hildebrandt zu der Feststellung verleitet, dass das gesamte Werk aus Marmor bestünde, was nicht der Fall ist: Abplatzungen und Substanzverluste am Gebälk lassen den Holzkern sichtbar werden. Die Architektur wird umrahmt durch ein reiches Ensemble militärischer Trophäen im vergoldeten Relief, dem zu beiden Seiten je sieben Ahnenwappen aufgelegt sind. Sie ergänzen die beiden Hauptwappen oberhalb des säulengetragenen, stark verkröpften Gebälks zu einer 16stelligen Ahnenprobe. Das väterliche Wappen Schulenburg (links) sowie das mütterliche (freiherrliche) Wappen Schulenburg flankieren das Brustbild des Verstorbenen. Die ganze Komposition wird bekrönt durch die beschädigte Figur der ruhenden, (ehedem) posauneblasenden Fama in weißgoldener Fassung. In räumlichem Zusammenhang mit dieser Figur ehemals auch jene flatternde Blechfahne mit gemalter Inschrift, die heute in sekundärer Anbringung vom oberen Rand des Gebälks hinter der Pyramide herabhängt. Noch 1868 verfügte das Epitaph über einen Unterhang aus Blech in Gestalt eines goldverbrämten schwarzen Vorhangs mit ausführlicher lat. Inschrift zum Werdegang des Verstorbenen (wiedergegeben bei Hildebrandt, S. 36-37); dieses Stück ist heute nicht mehr vorhanden.
Inschriften:
a) der Pyramide: „S ST ITA VIA VITAE VIATOR FLAMMA ABIENS IN VANUM I. EST HOC VIRTVTE FAMA SVPER ST. SACRVM BONVS NATVS OPTIMVS FACT. Q. MELIOR IN DIES PIETATE CLARVS MILITIA CELEBRIS INGENIO PRAESTANS FVIT DIXI DE VITA SATIS NON FVIT VIT. OBIIT NON PERIIT VIXIT NON VIVERE DESIIT. DECIPIMVRVOTIS ET TEMPORE FALLIMVR ET MORS DERIDET CVRAS ANXIAE VITAE. ST – NIHIL – ST“ sowie seitlich links „PER ASPERA“.
b) der Fahne: „Der Hochwolgebohrne Herr Herr Albrecht von der Schulenburg, Ihro Groß Brittan. Königl. Mayest. gewesener Obrister zu Pferde, auf Apenburg Erbherr, ist gebohren aufm Hause Apenb. den 8. Juni 1671 nachts um 12 Uhr, und in derselben stunde den 5. Jun. 1715 auf der Probst. Saltzwedel an einem von der Drönung einer ihm nahe vorbeigeflogenen Stück-Kugel verursachten Schaden Sehlig verstorben, nachdem Er mit Ruhm u. Ehre seine Zeit gebracht auf 43 Jahre 11 mon. 3 Wochen 6 Tage“. Ahnenwappen mit inzwischen völlig unleserlich gewordenen Namen auf zugehörigen Schriftbändern. Links (väterlicherseits): 1. Schulenburg 2. Mandelsloh 3. Veltheim 4. Veltheim 5. Veltheim 6. Mengersen 7. Bartensleben 8. Veltheim; rechts (mütterlicherseits): 1. Schulenburg (freiherrl.) 2. Veltheim 3. Pflugk 4. Rauchhaupt 5. Schenck 6. Ebeleben 7. Saldern 8. Witzleben.
Albrecht XII. v. der Schulenburg war ein Sohn Dietrich Hermanns I. und der Amalie v. der Schulenburg a.d.H. Lieberose. Nach Studium in Helmstedt, Grand Tour und einer Zeit als Kammerjunker beim Kurfürsten Ernst August von Hannover trat er in kurhannoversche Militärdienste und stieg zum Obristen und Chef des Dragonerregiments Hahn auf. Er focht in allen Haupttreffen des Spanischen Erbfolgekrieges, u.a. bei Oudenarde und Malplaquet. In der Schlacht bei Ramillies 1706 hatte er eine innere Kopfverletzung erlitten, die ihn später dazu zwang, den Dienst zu quittieren und an deren Spätfolgen er 1715 verstarb.

Lage:
Epitaph, Holz, an der Südwand des Kirchensaals hängend.

Literaturquellen:
Zur Person: Johann Friedrich Danneil, Das Geschlecht von der Schulenburg, Bd. 2, Salzwedel 1847, S. 195-196, Georg Schmidt, Das Geschlecht von der Schulenburg, Teil II, Beetzendorf 1899, S. 497-498, sowie Dietrich Werner Graf von der Schulenburg und Hans Wätjen, Geschichte des Geschlechts von der Schulenburg 1237 bis 1983, Wolfsburg 1984, S. 203. Zum Objekt: Johann Christoph Bekmann: Historische Beschreibung der Chur und Mark Brandenburg, Teil 2, Berlin 1753, hrg. von Bernhard Ludwig Bekmann, 5. Theil, I. Buch, IX. Kapitel, Sp. 83-85; Adolf Matthias Hildebrandt, Die Grabsteine und Epitaphien adeliger Personen in und bei den Kirchen der Altmark [...], Gardelegen 1868, S. 35-38 sowie Dehio, Handbuch der dt. Kunstdenkmäler, Sachsen-Anhalt I, bearb. von Ute Bednarz und Folkhard Cremer, München-Berlin 2002, S. 28.

Foto:
Helge Hildebrand, August 2014