altmarkgeschichte

Datenbank Historischer Grabmäler der Altmark





Dietrich Hermann von der Schulenburg

Kriegskommissar und Landesdirektor der Altmark

Sterbedatum:
12.02.1693
Ort:
Apenburg
Standort:
Kirche St. Johannis
GPS:
11.121043 - 52.423291

Beschreibung:
Epitaph, Holz, an der Südwand des Kirchensaals etwa auf der Höhe des Altars hängend. Schwarzgefasste, oblonge Holztafel, der ehemals vollplastisch geschnitzte vergoldete Funeralwaffen in Gestalt von Spangenhelm, Schwert, Sporen und Panzerhandschuhen aufmontiert waren. Dieses Ensemble nach 1868, vielleicht auch erst nach 1945, bis auf Helm und Handschuhe verloren. Die Tafel wird in ihrem unteren Drittel durch eine banddurchwirkte Lorbeergirlande, weiter oben durch reiches Akanthus-Laubwerk gerahmt und schließt oben mit einem geschwungenen, mittig einbiegenden barocken Gesims, dessen äußere Seiten in Konsolen auslaufen. Die gleichfalls laubwerkumsponnenen Konsolen dienen als Postamente für zwei vollplastisch gearbeitete "Wilde Männer", die der Helmzier des Schulenburgischen Wappens entlehnt sind und ihrerseits als Wappenhalter für die links bzw. rechts oberhalb der Tafel stehenden Vollwappen Schulenburg und Mandelsloh fungieren. Die Mitte des Aufbaus wird dominiert durch das ovale, von Putten umschwebte und bekrönte Brustbild des Verstorbenen in zeit- und standestypischer Erscheinung; hier nur noch ein Putto von ehedem wohl zweien erhalten. Das Ganze restaurierungsbedürftig; das Portrait von guter Qualität nachgedunkelt. Eine Inschrift ist nicht vorhanden; die Identifikation des Dargestellten nur anhand der beiden Ahnenwappen möglich, wobei die Tingierung des Wappens Schulenburg als Folge der Oxydation metallischer Komponenten der silberfarbenen Partien nach Schwarz verfälscht erscheint.
Offenbar war das Stück ursprünglich Teil eines größeren Arrangements zum Andenken an den in einer neu angelegten Gruft ruhenden Dietrich Hermann v. der Schulenburg, denn Bekmann sah vor 1750 in Altarnähe noch "Wapen und Freudenfahne" des Verstorbenen nebst der Beischrift "En dieu mon Esperance", während Hildebrandt diese Objekte 1868 nicht mehr antraf.
Dietrich Hermann, (Erbgesessen auf Beetzendorf, Apenburg, Propstei Salzwedel und Rittleben) Begründer des Astes Beetzendorf (Schwarzer Stamm) und der zugehörigen Zweige, war ein Sohn Albrechts IX. von der Schulenburg (1609-1642) auf Beetzendorf, Apenburg und Propstei Salzwedel und der Lucia Katharina von Mandelsloh a.d.H. Evensen-Fahrenhorst († 1660). Nach dem Studium der Philosophie und der Rechte in Helmstedt und Wittenberg zunächst kurpfälzischer Hofjunker; ab 1660 Übernahme der ererbten Güter, die er nach den Verwüstungen und ökonomischer Verwerfungen des Dreißigjährigen Krieges erfolgreich zu konsolidieren vermochte. 1672 Kriegskommissar der Altmark, nach dem Tode seines Schwiegervaters und Amtsvorgängers 1680 auch altmärkischer Landesdirektor (entspr. dem früheren Landeshauptmann). Er war seit 1661 verheiratet mit Freiin Amalie v. der Schulenburg (1643-1713) vom Mittleren Ast Lieberose des Schwarzen Stammes, Tochter des Freiherrn Achaz II. und der Sophie Hedwig v. Veltheim a.d.H. Bartensleben-Destedt.

Lage:
Epitaph, Holz, an der Südwand des Kirchensaals etwa auf der Höhe des Altars hängend.

Literaturquellen:
Zur Person: Johann Friedrich Danneil, Das Geschlecht von der Schulenburg, Bd. 2, Salzwedel 1847, S. 188-191, Georg Schmidt, Das Geschlecht von der Schulenburg, Teil II, Beetzendorf 1899, S. 425-427, sowie Dietrich Werner Graf von der Schulenburg und Hans Wätjen, Geschichte des Geschlechts von der Schulenburg 1237 bis 1983, Wolfsburg 1984, S. 96, 108, 123f, 203, 207. Zum Objekt: Johann Christoph Bekmann: Historische Beschreibung der Chur und Mark Brandenburg, Teil 2, Berlin 1753, hrg. von Bernhard Ludwig Bekmann, 5. Theil, I. Buch, IX. Kapitel, Sp. 83; Adolf Matthias Hildebrandt, Die Grabsteine und Epitaphien adeliger Personen in und bei den Kirchen der Altmark [...], Gardelegen 1868, S. 34-35 (dort jedoch nicht als Epitaph Dietrich Hermanns I. identifiziert); Dehio, Handbuch der dt. Kunstdenkmäler, Sachsen-Anhalt I, bearb. von Ute Bednarz und Folkhard Cremer, München-Berlin 2002, S. 28 (dort als „Fragment eines barocken Totenschilds“ bez.).

Foto:
Helge Hildebrand, August 2014