altmarkgeschichte

Datenbank Historischer Grabmäler der Altmark





Achaz I. von Alvensleben

Erbgesessen auf Kalbe und Schenkenhorst

Sterbedatum:
00.00.1536
Ort:
Kloster Neuendorf
Standort:
Klosterkirche St. Mar, Bened, Bernh
GPS:
11.273230 - 52.313263

Beschreibung:
Grabplatte, Sandstein. Der Verstorbene frontal in voller Rüstung, jedoch barhäuptig mit leicht schräg geneigtem Kopf wiedergegeben. Seine Hände umfassen die Griffe des langen Seitschwertes mit einfachem Gefäß bzw. des Parierdolchs; der offene Visierhelm ohne Federbusch zu Füßen der Figur. Die Ränder der einfachen, muldenartigen Rechtecknische durch das Haupt, die angewinkelten Arme und die Waffen des Dargestellten sowie die Helmzieren der Ahnenwappen überschnitten. Gestalterische Details der Rüstung wie die geschuppten Oberarmröhren und Diechlinge der Oberschenkel kommen an erhaltenen Stücken des 16. Jhs. nicht vor; sie scheinen der Phantasie des Bildhauers geschuldet.
Umlaufende, einghauene zweizeilige Inschrift in reiner Kapitalis:
"ANNO 15[...]: DEN [...] IST DER ERBAR VND // ERNVESTE ACHATIVS // VON ALVENSLEVEN:: ALBRECHTES SELIGER SON. // CHRITLICH (!) IM HERREN ENT // SLAFFEN // SEINS ALTERS IM [...]". Sterbedatum und Altersangabe sind ausgelassen.
In den vier Ecken folgende Ahnenwappen als Vollwappen mit einander zugewandten Spangenhelmen: Oben links (väterlicherseits): Alvensleben, unten links: Bülow; oben rechts (mütterlicherseits): Marenholtz, unten rechts: Preen.
Die Grabplatte für Achaz I. dürfte demnach lange nach dessen Tode, d.h. kaum vor 1570, entstanden sein, zumal auch die Inschriften der 1530er Jahre in der Altmark und angrenzenden Gebieten durchweg noch die spätgotische Minuskel, keineswegs aber die erst ab Mitte des 16. Jhs. in Gebrauch kommende Kapitalis als Schrifttype kennen. Die rein hochdeutschen Inschriften bei Achaz I. v. A. nebst Angehörigen wären in den 1530er Jahren schlicht undenkbar: Damals sprach und schrieb die Altmark noch mittelniederdeutsch (so u.a. der authentische Grabstein für Gebhard XIX. v. A. in Gardelegen); Hochdeutsch als Inschriftsprache kommt erst ab 1550 nach und nach in Gebrauch.
Achaz I. von Alvensleben, ein Sohn Albrechts VII. von der Schwarzen Linie des Geschlechts und der Oelgard von Blücher a.d.H. Preten, war verheiratet mit Antonia von Marenholtz und hinterließ zwei Söhne (Reimar I. und Albrecht VIII.) sowie eine Tochter Anna, die als Klosterjungfer 1545 in Neuendorf starb.


Lage: :
Grabplatte, Sandstein, im Turmraum der Kirche an der Westwand ebenerdig aufgestellt.

Literaturquellen: :
Zur Person: Siegmund Wilhelm Wohlbrück, Geschichtliche Nachrichten von dem Geschlechte Alvensleben, Bd. 2, Berlin 1819, S. 338-339. Zum Objekt: Adolf Matthias Hildebrandt, Die Grabsteine und Epitaphien adeliger Personen in und bei den Kirchen der Altmark [...], Gardelegen 1868, S. 61-62; Dehio, Handbuch der dt. Kunstdenkmäler, Sachsen-Anhalt I, bearb. von Ute Bednarz und Folkhard Cremer, München-Berlin 2002, S. 490.

Foto: :
Helge Hildebrand, Juli 2011