altmarkgeschichte

Datenbank Historischer Grabmäler der Altmark





Adolph Friedrich von der Schulenburg

General, Gutsherr

Sterbedatum:
10.04.1741
Konfession:
evangelisch
Ort:
Beetzendorf
Standort:
Kirche
GPS:
11.095090 - 52.705540

Beschreibung
Zustand
:
Der aus Rübeländer Kalkstein gefertigte Sarg wurde in seine Einzelteile zerlegt. Von der vertikal in zwei Teile zerbrochenen Schriftkartusche sind die links und rechts fehlenden Randbereiche unter den derzeit nicht zugänglichen, separat verpackten, kleinen Einzelteilen zu suchen.

Gestaltung:
Wappen und Helm bilden die Schmuckelemente am Kopfende des Sargdeckels, auf dem sich ferner die als Banner gestaltete Schrifttafel mit vertiefter, geschwärzter Inschrift befindet. Die Gestaltung des Fußendes des Deckels greift auf die Initialen des Verstorbenen zurück, darunter steht ein Trommelpaar. Sämtliche Zierelemente, so auch die Akanthusblätter an den Seitenkanten, sind aus Alabaster gefertigt.

Inschrift:
Alhier ruht in Gott der Weylandt Hochgebohrne Herr Herr ADOLPH FRIEDRICH Reichs-Graff v(o)n der

Schulenburg
Erb: Herr auf Betzendorff, Osterwohle, Detzel-Ramstædt und Closterrode, Königl. Preußl: GENERA(L) LIEUTENANT

von der CAVALLERIE und Obrister eines GRENADIER Regiments zu Pferde. Ritter des Schwartzen Adler Ordens,

(war) gebohren den 5ten DeCeMbr: 1685. vermählte sich den 15ten SePtembr. 1718 mit der Hochwohlgebohrenen Fr(ä)ulein, Fräulein

ANNA ADELHEIT CATHARINA von Bartensleben. aus dem Haus Wolffsburg mit welcher Er in

Höchst beglückter Eh(e) 5 Söhne und 10 Töchter gezeüget, und darauf in der Schlacht bey MOLLWITZ den 10ten APriL

1741. durch einen ung(lück)lichen Schuß seinen Heldenmüthigen Geist aufgegeben, seines Alters 55 Jahr ·

4 Monath und 5 Tage.

Anmerkung:
Die Erfassung und Analyse des zerlegten Prunk-Sarges war Thema der Bachelor-Arbeit (2016) von Frau Hella Handke, Fachhochschule Potsdam. Ein Exemplar der Arbeit mit dem Titel „Bestands.- und Zustandserfassung des Sarkophags von Adolph Friedrich von der Schulenburg in der Marienkirche in Beetzendorf mit Diskussion verschiedener Aspekte seiner Präsentation“ befindet sich im Pfarramt. Eine auf einem Informationsblatt dargestellte Zusammenfassung des Inhaltes mit zahlreichen Abbildungen kann in der Gruft in Augenschein genommen werden.
Vgl. Danneil „Das Geschlecht der von der Schulenburg“, Band 2, Salzwedel 1847, S. 389 – 399. Demnach wurde Schulenburg erst am 8. Dezember 1685 (drei Tage nach dem auf dem Sarg genannten Datum) in Wolfenbüttel geboren. Nachdem sein Schwiegervater Gebhard Werner von Bartensleben 1740 ohne männliche Nachkommen starb, fiel dessen Wolfsburger Besitz an Schulenburgs Ehefrau Anna Adelheit Catharina von Bartensleben.
Seitdem blieb die Wolfsburg bis zur Enteignung im Jahre 1938 (Gründung des späteren VW-Werkes und der Stadt mit dem späteren Namen Wolfsburg) in der Hand der Familie von der Schulenburg.
Siehe auch in dem von der Stadt Wolfsburg herausgegeben Buch „Schloss Wolfsburg Geschichte und Kultur“, appelhans-Verlag, 2002, S. 124f die Erwähnung, dass Schulenburgs Leichnam nach Beetzendorf überführt und in der dortigen Gruft beigesetzt wurde. Merkwürdig bleibt dennoch der Umstand, dass das Begräbnis im Kirchenbuch von Beetzendorf keine Erwähnung fand.
Unter der Herrschaft des Verstorbenen wurde in den Jahren 1735/1736 die heutige Kirche in Anlehnung an die Potsdamer Garnisonkirche erbaut. Ein Porträt an der Südwand des Kirchenschiffes und die Wappen und Namen der Eheleute Schulenburg/Bartensleben über der Patronatsloge über dem Westportal erinnern an den Bauherrn.
Für den Hinweis auf das noch erhaltene Grabmal sei Herrn Jens Winter, Brome herzlich gedankt.

Lage:
Der zerlegte Prunk-Sarg gelangte nach seiner Notbergung im Jahre 2006 mit anschließender Demontage und Zwischenlagerung außerhalb der Kirche im Jahre 2015 wieder an seinem ursprünglichen Platz in der Gruft unter dem Kirchturm südlich der Mittelachse der Kirche. Der innere Metall-Sarg mit den sterblichen Überresten wurde ebenfalls unter dem Turm auf der gegenüberliegenden Seite beigesetzt.

Text:
Frank Moldenhauer, Magdeburg 2025

Foto:
Jens Winter, Brome 2025 (Informationsblatt, Porträt)
Frank Moldenhauer, Magdeburg 2024/25