Altmärkischer Geschichtsverein
altmarkgeschichte
 

Herbsttagung 2018 Salzwedel / Tylsen

Die turnusgemäße Herbsttagung 2018 in Salzwedel war diesmal fast ganz dem Vortragsprogramm gewidmet, da keine Wahlen anstanden. Nach einer kurzen Begrüßung durch den Vorsitzenden Prof. Bernhard von Barsewisch berichtete die 2. Vorsitzende Sigrid Brückner über die Aktivitäten des letzten Vereinsjahres.

( Frau Brückner informiert)



Im ersten Vortrag berichtete Dr. Leineweber über die Ausgrabungen an der Dähre Kirche, die im Zuge des geplanten Turmneubaues vorgenommen wurde. Hierbei wurde unter dem Turm u.a. auch ein älteres rundes Turmfundament entdeckt, das aus dem 11. Jahrhundert stammt. Die Zuhörer konnten auch erfahren, dass die Kirche mindestens zwei Mal abgebrannt ist. Gefunden wurden allerdings auch Mauerfragmente, deren Funktion auch nach intensiven Forschungen nicht bestimmt werde konnten. Das gesamte Gelände des Turmes wurde in den vergangenen Jahrhunderten angefüllt, um so eine größere nutzbare Fläche um den Turm herum herzustellen. Die Gründe hierfür sind unbekannt.

(Frau Dr. Leineweber beim Vortrag )

Im zweiten Vortrag berichtete Jens Winter über das Kriegsgefangenenlager Salzwedel (1914-1921), welches sich auf dem Siebeneichenfeld befunden hat. Eine neue Erkenntnis aus seinen Forschungen ist die Größe des Lagers, denn bisher wurde immer von 10.000 Kriegsgefangenen ausgegangen, jedoch konnte der Referent Belege dafür finden, dass das Lager wohl 1915 auf eine Kapazität von 18.000 Kriegsgefangenen erweitert wurde. Von 1915 bis 1921 war das Lager dann eines der drei Sonderlager im Deutschen Reich für ukrainische Kriegsgefangene. Neben dem Lager existierte auch ein Lagerfriedhof mit mindestens 491 Gräbern, der heute aber nicht mehr als Friedhof erkennbar ist.


(Jens Winter bei seinem Vortrag)



Als nächstes führte Lothar Mittag in die Sammlungsstück Danneils im heutigen Danneil-Museum ein. Er erklärte und die bis heute undurchsichtige Vorgehensweise Danneils bei der Archivierung der Sammlungsstücke. Auch zeigte er digitale Kopien von Karteikarten, die Danneil selbst geschrieben hatte. Hierbei fiel besonders die ausgeprägte und schwer lesbare Handschrift Danneils auf, die auch für Museumsmitarbeiter immer noch eine Herausforderung ist. Lothar Mittag verwies auch auf Sammlungsstücke, die einmal in die Sammlung gekommen sind, aber heute leider nicht mehr auffindbar sind. Ebenso beschrieb Danneil auch prähistorische Funde aus der Altmark, die sich zu seiner Zeit in Privatbesitz befanden und von denen heute jede Spur fehlt.




(Lothar Mittag beim Vortrag)

In einem weiteren Vortrag berichtetet Krafft von der Knesebeck über die Rückgabe der Familienbilder aus Schloss Tylsen an die Familie von dem Knesebeck. Die Gemälde wurde nach der Enteignung größtenteils ins Danneil-Museum nach Salzwedel gebracht und dort verwahrt. Krafft von dem Knebeck konnte nun diese Familienerbstücke über Umwege wieder in seinen Besitz bringen, wobei er jedoch das genaue Vorgehen verschwieg. Nach dem Mittagessen fuhren die Tagungsteilnehmer zu einer Exkursion nach Tylsen. Unser Vereinsmitglied Ulrich Lemme, der selbst in Tylsen aufgewachsen ist und dort lebt, zeigte uns zunächst die beeindruckende Innenausstattung der Tylsener Dorfkirche. Besonders stachen hierbei Schnitzereien im Kircheninnern auf, die sich einmal am Adam-und-Eva-Haus in Salzwedel befunden hatten. Diese wurde beim Abriss des Hauses aufgekauft und befinden sich in der Kirche. Allerdings sind zu DDR-Zeiten zwei der Schnitzereien gestohlen worden und nicht wieder aufgetaucht.


(In der Kirche von Tylsen)

Danach gingen wir auf einem Rundgang vorüber am sehr baufälligen alten Schloss hin zur Ruine des neues Schlosses. Anschließend ging es noch Ulrich Lemmes Haus, das im Jahr 1600 als Verwaltungsgebäude derer von dem Knesebeck erbaut wurde und später als Pfarrhaus diente.


(Gruppenbild am Schloß)

Im Saal des Heimatvereins Tylsen wurden wir dann vom Heimatverein mit selbstgebackenem Kuchen verköstigt. Vielen Dank an den Heimatverein Tylsen!


(abschließendes Kaffeetrinken)